Stand: 19.02.15 23:55 Uhr

Ann Sophie - mit Hunger nach mehr

Sie hat die beste Ausbildung hinter sich, sie war in New York und kennt Horizonte hinter dem, was man enge Heimat nennen könnte: Ann Sophie, in einem kirschroten Hosenanzug gekleidet, dazu eine tüchtige Ladung Goldschmuck um den Hals, hat die Wildcard für den Hannoveraner Vorentscheid zum ESC gewonnen. In gewisser Hinsicht hat jene mit großem Vorsprung vor allen anderen gelegen, die ihr Handwerk am besten versteht. Nämlich auf der Bühne stehen wollen und die drei Minuten Chance zur kleinen Berühmtheit wahrnehmen. Ihre Stimme ist prima, sie weiß sich zu bewegen - und sie schätzt sich realistisch als "Rampensau" ein.

Ann Sophie steht beim ESC-Clubkonzert auf der Bühne der Großen Freiheit 36 in Hamburg. © NDR Fotograf: Rolf Klatt

Ann Sophies Siegerauftritt "Jump The Gun"

Eurovision Song Contest -

Den Titel hat die Hamburgerin erst wenige Tage vor dem Clubkonzert einstudiert. Doch von Unsicherheit keine Spur. Das Clubkonzert hat sie damit souverän gewonnen.

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Keine Angst vor der großen Aufgabe

Sie war nicht meine Favoritin, mein Herz hatte zunächst die Gruppe Klangpoet. Aber Performer und Performerinnen, die Lust am Darstellen haben, am öffentlichen Gesang vor sehr vielen Millionen, auf die kommt es an. Die Ruhrgebietsklangpoeten hatten offenbar starke Angst vor der momentan noch für sie allzu großen Bühne. Das vielleicht Beste, was eine Kandidatin für den Hannoveraner Vorentscheid Anfang März mitbringen muss, ist: Lust am Live-Gesang. Ann Sophie hat - ähnlich Roman Lob und Lena - offenbar keine Angst vor der großen Aufgabe. Man darf phantasieren: Ann Sophie wird in ihrer Karriere keine größere Chance als diesen ESC bekommen. Und sie hat sie, zumindest in der ersten Etappe, genutzt. Sie war, nebenbei, die einzige unter den zehn Wildcard-Kandidaten, die mit dem Publikum zu kommunizieren wusste.

Allein auf der Bühne stehen und nicht versagen

Das Clubkonzert als Showformat - konkret dieses Jahr als Aufgalopp für die Show mit den sieben gesetzten Acts auf dem Messegelände der niedersächsischen Hauptstadt - hat sich für meinen Geschmack bewährt. Zehn Acts stehen zu Wahl. Viele waren im Rahmen der Großen Freiheit 36 aufgeregt, nervös, verkauften sich unter Form, waren nicht auf der Höhe ihres Könnens. Aber ohne Namen zu nennen - das wäre unfair - muss man sagen: Darauf kommt es ja an. Dass sich bei diesem Wettbewerb ein Sänger, eine Sängerin oder eine Gruppe live, also nicht aus Konserve heraus, bewährt. Wer das schafft, könnte auch geeignet sein für höhere Aufgaben. Denn ESC ist ja keine Radioangelegenheit, nichts, bei dem man nicht von Kameras nah und näher geprüft wird. ESC ist, wenn man allein auf der Bühne steht und nicht versagen darf.

Ihre Stimme trug

Ann Sophie wirkte schon bei der Präsentation vor ihrem Auftritt nicht sonderlich verzagt. Bei ihrer Performance konnte sie es sich sogar leisten, die ersten - gefühlt - zehn Minuten mit dem Rücken zum Publikum zu stehen. Ihre Stimme trug auch so. Wichtig wird nun für sie sein, welches zweite Lied sie für Hannover parat halten wird. Ihren Wildcard-Titel "Jump The Gun" hat sie ja schon; fein instrumentiert, ungewöhnlich auch zum Auftakt.

Wien im Blick

Für das nächste Jahr bleibt nichts zu wünschen. Nur eventuell dies: Kandidaten, die tanzbare Stile wie etwa Balkanpop servieren. Hier in Hamburg lief alles gut, das Publikum schien zufrieden, auch mit der Siegerin. Beifall für eine, die in Hannover das gleiche schaffen will wie im Vorjahr Elaiza. Was denn sonst? Weshalb sollte sie sich mit "unter ferner sangen" zufriedengeben? Man scheint Ann Sophie anzumerken, dass sie Wien im Blick hat. Das ist vielleicht das, was mir an ihr bislang am besten gefällt: Hunger nach mehr!

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 05.03.2015 | 20:15 Uhr