Stand: 19.03.15 09:15 Uhr

Schweden liegt in Wettprognosen vor Italien

Måns Zelmerlöw, der schwedische ESC-Teilnehmer 2015 © Per Kristiansen

Der schwedische ESC-Teilnehmer Måns Zelmerlöw wird von den Wettbüros schon als Sieger gesetzt.

Wer jetzt auf Måns Zelmerlöw setzt, voriges Wochenende erst Sieger beim Melodifestival in Stockholm geworden, beziehungsweise, wer in Wettbüros auf Schwedens Sieg tippt, wird - sollte dies eintreffen - nicht viel mehr als den Einsatz herausbekommen. Denn der Mann, der "Heroes“ singt, liegt in fast allen Wettbüros vorn. Gefolgt wird der Schwede von den italienischen Sangeskünstlern Il Volo, dahinter Estland, Australien, Finnland und Norwegen.

Prognosen sind auch Kaffeesatzleserei

Das ist selbstverständlich nur eine Momentaufnahme, denn jene, die wetten, müssen sich mit dem Stoff, um den es geht, vertraut gemacht haben. Also Fabs. Und richtig, der bisherige Stand der Prognose-Einsatz-Börsen ist nachgerade identisch mit dem bisherigen Geraune und Gefachsimpele in der ESC-Community. Vorne liegen insofern allesamt Acts, die im Mainstream liegen und von denen angenommen wird, dass die große Masse, die via Televoting den ESC erst entscheidet, ihm folgen wird. Ich glaube hingegen: Da ist noch viel Luft nach oben. Oder nach unten. Oder sonstwo hin.

Måns Zelmerlöw, der schwedische ESC-Teilnehmer 2015 © Per Kristiansen

Måns Zelmerlöw: "Heroes"

Eurovision Song Contest

Måns Zelmerlöw aus Lund hat mit seinem Uptempo-Song "Heroes" das Melodifestival gewonnen. Damit vertritt er Schweden beim ESC in Wien.

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Es hat in den vergangenen Jahren einige Beispiele für unzutreffende Wettprognosen gegeben - und sie werden dieses Jahr wieder zu verzeichnen sein. Das ist meine Wette! Der italienische Schöngesang wird in der Tat gut abschneiden, aber schon bei Estland beschleichen mich Zweifel, ob dieses Duo musikalisch und darbietend hält, was es in den Augen der Fans verspricht. Vorläufig finde ich deren Nummer eher plätschernd als bei einem Grand Final des ESC mitreißend.

Finnland landet weit oben

Pertti Kurikka, Sami Helle, Kari Aalto und Toni Välitalo (von links) von der finnischen Band Pertti Kurikan Nimipäivät. © YLE Fotograf: Anton Sucksdorff

Auch die Finnen von Pertti Kurikan Nimipäivät haben - glaubt man den Wettprognosen - gute Chancen auf eine Top-Platzierung.

Richtig ist aus meiner Perspektive, Finnland hoch zu wetten. Wie neulich der klügste österreichische ESC-Kenner, der Literat, Zeichner, Journalist und Bachmann-Preisträger Tex Rubinowitz, sagte, kann es sich kein Land, zumal kein skandinavisches, leisten, einer Band, in der Menschen mit Down-Syndrom und ein Autist mitmachen, mit Punkten zu geizen. Diese Geschichte der Finnen wird überall in Europa Interesse und Anteilnahme wecken: Ich tippe sie eher in die Top 3.

Nebenbei: Schweden wird immer hoch gewettet - und das hat offenbar mit der Erfahrung zu tun, dass schwedische ESC-Acts sehr oft wie konventionelle Eurovisionsmucke klingt, aber mit extrem viel Pyro- und Tanzaufwand inszeniert wird. Das hat beeindruckender Weise seit 2010 zu okayen, guten und superguten Rängen geführt - mit Loreen als Siegerin 2012 an der Spitze. Måns Zelmerlöws Lied ist zwar ein Ohrwurm, aber andererseits gab es in jüngster ESC-Zeit einige Ohrwürmer, die doch in alle Gehörgänge sich zu fräsen vermochten.

Bizarr finde ich ebenso, dass Irlands Sängerin Molly Sterling eher ganz am Ende gesehen wird: Ihre Ballade ist prima, ihr Auftritt klassisch irisch, leicht melancholisch also, doch offenbar bevorzugen die ersten Wetter die Kunst des Spektakels. Die Niederlande sind voriges Jahr im Übrigen sehr weit hinten in den Wetten prophezeit worden. Nun, das Ende ist bekannt: "Calm After Storm" von The Common Linnets war das kommerziell erfolgreichste Lied der ganzen ESC-Saison 2014. Mit Conchita konnte man vor zwölf Monaten viel Geld verdienen. Wer auf sie setzte, bekam viel Geld zurück. Wertlos wurde die Expertise, dass diese österreichische Dragqueen siegen würde, erst nach dem Halbfinale: Nun war sie im Grand Final - und plötzlich erkannten viele in ihr eine Siegerkandidatin.

Wettbüros verdienen immer

Ann Sophie singt mit weit offenem Mund und geschlossenen Augen in ein Mikrofon beim deutschen ESC-Vorentscheid. © NDR Fotograf: Rolf Klatt

Der Rest von Europa hat von Ann Sophie - zumindest wetttechnisch - noch nicht so viel mitbekommen.

Ann Sophie, nebenbei, liegt bei den Wettern sehr weit hinten: Irgendwo am Anfang der Zwanziger. Möge man ihr diese Info vorenthalten: Sie wird es viel besser machen, "Black Smoke" ist gut genug für die Top 10. Vom elften Platz starteten, dies auch noch, die Olsen Brothers im Jahre 2000, ehe sie zur Generalprobe des Finales antraten. Danach erkannte man, dass die beiden "Fly On The Wings Of Love"-Brüder offenbar die richtigen Funken rüberzubringen wissen.

Kurzum: Eine Momentaufnahme, von der sich niemand irritieren lassen soll. Wetterei ist ein Spiel, bei dem am Ende immer die Wettbüros gewinnen. Ist fast wie beim Lotto. Meine - vorläufig - fünf Lieblingstitel sind aus den NiederlandenÖsterreichFrankreich, Aserbaidschan und aus Zypern. Aber ich wette ja auch nicht mit Geld.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 23.05.2015 | 21:00 Uhr