Stand: 14.09.16 11:30 Uhr

ESC-Vorentscheid 2017: Zurück zum Erfolg

Das sind sehr gute Aussichten: Der Modus der nächsten deutschen Vorentscheidung ist ein neuer, und zugleich ähnelt er sympathischerweise älteren, sehr erfolgreichen Konzepten. Wer Deutschland im Mai in Kiew vertreten wird, wird auf verwandte Weise ermittelt wie in jenen Jahren, an deren Ende mit Lena und Roman Lob zwei erfolgreiche deutsche ESC-Künstler und -Künstlerinnen herauskristallisiert worden waren.

Die Fakten sind rasch benannt: Anders als in den vergangenen Jahren wird es keine fertigen Künstlerkonzepte mehr für die deutsche Vorentscheidung geben. Lied und Künstler stehen am Anfang des Verfahrens nicht fest, erst das Publikum entscheidet, welcher Sänger oder Sängerin mit welchem Lied nach Kiew reisen wird. Das war bei Lena (2010 in Oslo) und Roman Lob (2012 in Baku) auch schon so: Erst kamen sie als Personen mit starker performativer Ausstrahlung in die Finalrunde, um sich dort mit dem passenden Lied durchzusetzen.

Bei Lena war es der spätere ESC-Siegestitel "Satellite", bei Roman Lob der Titel "Standing Still". Auch darf bei der kommenden Vorentscheidung an Max Mutzke gedacht werden, Stefan-Raab-gefördert und 2004 Casting-Sieger im Hinblick auf den ESC mit "Can't Wait Until Tonight". Haushoher Sieger in der Vorentscheidung.

Bewerbungsphase ist gestartet

Begabte Musikerinnen und Musiker haben also gute Chancen bis zum Vorentscheid-Finale am 9. Februar in Köln ihr Können unter Beweis zu stellen. Jede und jeder kann sich ab sofort bewerben. Eine Expertenjury sucht dann eine Schar aus, die sich wiederum für Köln qualifiziert. Wolfgang Dalheimer, Bandleader von Stefan Raabs Show-Band Heavytones, wird bei der Auswahl der Finalkandidaten ein gewichtiges Wort mitreden.

Lena Meyer-Landrut, Tim Bendzko und Florian Silbereisen. (Montage) © NDR, imago stock&people, imago stock&people Fotograf: Uwe Ernst, Future Image, STAR-MEDIA

Lena, Tim Bendzko und Florian Silbereisen sind das Jury-Trio bei "Unser Song 2017".

In der Finalshow selbst - und das finde ich besonders gelungen - werden alle Künstler live singen müssen, zu den Sounds der Heavytones. Die Kandidaten müssen also in erster Linie gesanglich überzeugen. Und: Dass ein dreiköpfiges Gremium während der Show die einzelnen Acts kommentiert (aber kein Stimmrecht hat), ist gut. Lena ist dabei, Tim Bendzko, aber auch Florian Silbereisen, durch seine TV-Shows nun wirklich nicht gerade als Freund des modernen Pop bekannt, ist mal wieder mit von der Partie.

Am Ende aber wird gewinnen, wer ein perfektes Lied möglichst perfekt zu singen, also zu performen weiß: Es leuchtet mir ein, dass das Lied - das aus einem Pool international erfahrener Produzententeams entnommen wird - einen starken Rang erhält. Das Publikum wird sich vermutlich sehr zielgenau für das richtige Lied aussprechen. Richtig jedenfalls im Sinne von: international vermittelbar und nicht geeignet, auf dem letzten Platz zu landen.

Internationales Stimmungsbarometer durch Eurovision App

Und auch außerhalb Deutschlands kann mit abgestimmt werden: Über die Eurovision App ist die Show nicht nur auf der ganzen Welt abrufbar. Mit diesem Tool kann auch abgestimmt und das Ergebnis als internationales Stimmungsbarometer angesehen werden. Dieses wird während der Show eingeblendet und hat zwar keinen direkten Einfluss auf das Televotingergebnis, aber es wird hoffentlich dazu beitragen, die Televoting-Community der ARD zu beeinflussen.

Der ESC-Geist von Stefan Raab

Publikum vor einer Bühne. © fotolia Fotograf: Melinda Nagy

Am 9. Feburar wird die Entscheidung in Köln gefällt: Wer fährt nach Kiew und vertritt Deutschland beim ESC 2017?

Gut, das alles! Mir gefällt vor allem, dass an die internationale Szene gedacht wird; mir gefällt, dass das Lied vor dem Finale nicht feststeht. Vor allem findet meine Zustimmung, dass beim Finale erst hörbar und ersichtlich wird, was für Deutschland in Kiew 2017 die Sache sein kann. Keine fertigen Sanges- und Darstellungspakete: Es wird sehr spannend werden.

Dass das deutsche ESC-Finale aus den gleichen Studios kommt, in denen 2010 und 2012 Lena und Roman Lob das deutsche ESC-TÜV-Siegel erhielten, ist womöglich ein gutes Omen. Dass durch die TV-Studios in Köln der Geist von Stefan Raab wehen wird, ist jedoch vielleicht der am ehesten optimistisch stimmende Faktor für den deutschen ESC-Beitrag: Dass er in Kiew nicht unter ferner sangen landen wird, sondern sehr weit vorne.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 09.02.2017 | 20:15 Uhr