ESC in Israel: Immer neu, immer anders

von Matthias Stelte

Seit 1973 nimmt Israel am Eurovision Song Contest teil - und hat in seiner ESC-Geschichte von Anfang an immer wieder mit verschiedenen Formaten gespielt und vieles ausprobiert. Mit Erfolg: Drei Siege kann Israel, das als Mitglied der European Broadcasting Union ein Recht auf die Teilnahme hat, für sich verbuchen.

Boaz Mauda aus Israel © NDR Fotograf: Rolf Klatt Auch 2008 erprobte Israel wieder ein neues Format, um einen Vertreter für den Song Contest zu finden: Der israelische Rundfunk (IBA) kooperierte mit dem Privatfernsehen. Channel 2, einer der beliebtesten Fernsehsender Israels, veranstaltet die Casting-Show "A star is born". Der Gewinner des Jahres 2008 hieß Boaz Mauda - und die IBA nominierte ihn für Belgrad. In einer weiteren Show konnten die Zuschauer dann seinen Titel bestimmen, fünf standen zu Auswahl. Der Rest ist bekannt: Mit "The Fire In Your Eyes" galt Mauda in Belgrad nach dem Halbfinale als einer der Geheimfavoriten - den Sieg holte er zwar nicht, aber einen respektablen neunten Platz.

Erste Änderung 1977

Auch in der Vergangenheit zahlte sich die ständige Neuerfindung des Vorentscheids aus. Denn bis heute findet der Grand Prix großes Interesse in der Öffentlichkeit - trotz mancher Rückschläge, die das Land in dem Musik-Wettbewerb zu verkraften hatte.

1977 wurde Kritik am bis dahin gängigen Verfahren - ein Kandidat wird von der IBA nominiert - laut. In diesem Jahr schickte der Sender zum zweiten Mal die Sängerin Ilanit ins Rennen. Daraufhin gab es im folgenden Jahr erstmals einen nationalen Vorentscheid, Kdam heißt er in Israel. Der Gewinner des "Israeli Song Festival" fuhr für sein Land zum Grand Prix.

Sieg und Titelverteidigung

Alpha Beta mit Sänger Izhar Cohen 1978 bei einem Auftritt in der ZDF-Starparade in der Philipshalle in Düsseldorf. Im selben Jahr belegten sie für Israel beim Grand Prix den 1. Platz  Fotograf: Hans Dürrwald Dieses Konzept hatte Erfolg: Gleich der erste Kandidat, der so ausgesucht wurde, gewann für Israel den ESC. Izhar Cohen und Alpha Beta konnten 1978 in Paris mit "A-ba-ni-bi" die meisten Punkten auf sich vereinen. Und beim Heimspiel im darauf folgenden Jahr schaffte Israel die Titelverteidigung. Gali Atari und Milk & Honey holten mit "Hallelujah" in Jerusalem erneut die ESC-Krone für ihr Land.

In den vergangenen Jahren veranstaltete die IBA immer einen Kdam, um einen Repräsentaten für den internationalen Wettbewerb zu finden. Einer der sicherlich skurillsten israelischen Vorentscheide fand 2000 statt. Eine Jury bestehend aus IBA, Journalisten und ehemaligen ESC-Künstlern wählte David D¿Or zum Kandidaten, das Fernsehpublikum sollte dann zwischen vier Songs wählen. Der Clou: Die Show fand zusammen mit einem Basketball-Spiel statt. Der Gedanke dahinter lautete: zwei quotenträchtige Shows in einer.

Leere Ränge in der Halle

Vor dem Spiel sang David D'Or die vier Lieder, in der Halbzeitpause ein zweites Mal. Während die Abstimmung lief und der Moderator der Show, Meirav Miller, auf das Ergebnis nach dem Spiel wartete, hatte er die undankbare Aufgabe, die Show zu moderieren - während sich die Halle leerte und die Zuschauer auf den Rängen kein Interesse am Kdam zeigten. Basketball-Begeisterung und Liebe zum ESC trafen bei den Zuschauern in der Sporthalle wohl weniger aufeinander als bei den Programm-Machern vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Abgestimmt wurde übrigens per SMS und Anrufen, diese Stimmen flossen mit 60 Prozent in das Ergebnis ein. Die Jury, die bereits D¿Or nominierte, hatte einen Stimmenanteil von 40 Prozent. Das Siegerlied des Counter-Tenors hieß schließlich "To Believe", doch in Istanbul konnte er damit nicht bestehen. Der elfte Platz im Halbfinale bedeutete das Aus für Israel in der Vorrunde.

Shiri Maymon vertrat Israel beim ESC 2005 © NDR Fotograf: Rolf Klatt Ein Jahr später setzte die IBA wieder auf einen ganz klassischen Kdam, der allerdings einige Neuerungen beinhaltete. So wurden alle Wettbewerbstitel zwei Wochen vor der Show im Radio präsentiert. Zusätzlich übertrug der Sender den Kdam erstmals live im Internet. Mit 116 von 120 möglichen Punkten gewann Shiri Maymon mit "Hasheket Shenish'ar". Auch das internationale Publikum war von dem Titel angetan: Es reichte zwar nicht für den ersten Platz, aber mit einem vierten Platz im Finale konnte Shiri Maymon sehr zufrieden sein.

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Sandie Shaw posiert nach ihrem Sieg im Grand Prix EUrovision 1967 vor der Anzeigetafel. © UPI

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