Kaliopi: "Endlich diese drei Minuten"

Kaliopi: "Endlich diese drei Minuten"

Die Sängerin Kaliopi aus FYR Mayedonien bei "Eurovision in Concert" in Amsterdam © NDR Fotograf: Patricia Batlle

Als der Anruf kam, ob sie Mazedonien repräsentieren wollte, warf Kaliopi alle anderen Pläne über den Haufen.

Am Anfang des Interviews unterbricht Kaliopi das auf Englisch geführte Gespräch, um fließend auf Deutsch fortzufahren. Die Sängerin, im Balkan ein Star, erzählt im Blitzinterview mit eurovision.de wie es ist, endlich Mazedonien (FYR) zu repräsentieren, nachdem es 1996 einmal schiefging.

eurovision.de: Warum sprechen Sie so gut Deutsch?

Kaliopi: Ich habe in Basel in der Schweiz gelebt, von 1989 bis 1999, danach bin ich nach Mazedonien zurückgekehrt.

eurovision.de: Warum der Weggang und warum die Rückkehr?

Kaliopi: Das war die Zeit, in der Jugoslawien auseinander fiel. Ich war vorher in Jugoslawien mit meinem Exmann, Romeo Grill, der nun auch mein aktuelles Lied "Crno I Belo" geschrieben hat, sehr populär. Wir hatten eine Band mit meinem Namen und Romeo war der Hitmaker. Bald haben wir gesehen, dass die Situation in Jugowslaswien nicht so gut ist und sind zu Romeos Vater nach Basel gezogen, der dort ein großer Künstler ist. So haben wir ein anderes Leben angefangen. Das hat bis 1996 gedauert.

Danach bin ich solo in Mazedonien bei deren allerersten nationalen Eurovisionsausscheidung aufgetreten und habe gewonnen. Und dann durfte ich doch nicht mitmachen, wie Deutschland ja auch nicht, weil sich zu viele Länder beim Eurovision Song Contest beworben haben. Das war ein furchtbares Jahr. Aber das liegt hinter mir. Letzten November hatte mich das mazedonische Nationalfernsehen angerufen und mich eingeladen, Mazedonien dieses Jahr in Baku zu repräsentieren. Das habe ich natürlich zugesagt und alle anderen Pläne dafür abgesagt.

eurovision.de: Sie waren also nicht nachtragend ...

Kaliopi: So muss man das nicht sehen. Es gibt so viele Sachen, die uns wehtun. Wir Künstler bestehen aus einer sehr empfindlichen Lebensmaterie. Und ich denke, wir können schnell verletzt werden. Nur: Ich erhole mich ganz schnell und regeneriere meine Energie und Kraft. Ich denke, es gibt immer einen Grund, warum uns gewisse Sachen nicht passieren, wenn wir es unbedingt wollen. Es passiert eben nicht, wenn wir es wollen, sondern wenn es passieren soll.

Und so nehme ich die Sachen an, so dass ich dieses Jahr total ausgelassen und entspannt und froh bin. Es stimmt mich froh, endlich die Chance zu haben, diese drei Minuten auf der internationalen Song-Contest-Bühne zu verbringen, so wie ich es will. Alles andere ist nicht so wichtig. Wichtig ist das Lied und die Emotion, die ich auf die Bühne bringe.

eurovision.de: Mit Ihrer Stimme könnten Sie die Halle in Baku ohne Mikro beschallen...

Kaliopi: (lacht) Ich möchte nicht, dass es banal klingt, was ich jetzt sage: Ich lebe nicht von der Musik. Null. Ich lebe für die Musik. Und das ist ein Unterschied. Wir sind alle verschieden. Manche bleiben in dieser Musikwelt für ein, zwei Jahre. Andere übernehmen sich, weil sie nicht stark genug sind, den Wettbewerb auszuhalten. Und es gibt ein paar, die jahrelang die größten Schwierigkeiten in Kauf nehmen, aus Liebe zur Musik. Von denen werden Sie niemals hören: "Ach, das ist mir zu schwer." Vielleicht bin ich deswegen jetzt so ruhig und freue mich wie ein kleines Kind.

Ich erinnere mich genau an eine Anekdote aus meiner Kindheit. Ich war neun Jahre alt, als ich zum ersten Mal bei einem Kindermusikfestival in Mazedonien aufgetreten bin. Damals hat mich meine Mutter noch vor dem Konzert bei einem Regal in unserem Wohnezimmer gefunden, in dem ich ein Souvenir weggeräumt habe. Sie wollte wissen, warum ich das mache. Ich erklärte ihr: "Ich mache Platz für die goldene Nachtigall." Darauf fragte sie erstaunt: "Welche goldene Nachtigall?". Ich erwiderte: "Die, dich ich gewinnen werde." Sie war entsetzt: "Nein, mein Kind, es ist einfach wichtig, dass du mitmachst, nicht, dass du gewinnst." Aber sehen Sie, ich ich habe die Nachtigall gewonnen. Und damals habe ich geträumt, dass ich eines Tages für meine Heimat beim Eurovision Song Contest auftreten darf. Das ist jetzt wichtig. Und Nichts anderes.

Stand: 06.05.12 15:00 Uhr