Fredrik Kempe kam als Künstler vor sieben Jahren in die Eurovisionsfamilie - 2004 performte er ein eigenes Lied in der schwedischen Vorentscheidung: "Finally" schaffte den Sprung ins Finale jedoch nicht. Dennoch: Der gelernte Opernsänger vom Jahrgang 1972, geboren in Vargarda, ist seither die dominierende Figur des ESC in Skandinavien.
In diesem Jahr ist Kempe mit Eric Saade, der es gerade ins Finale schaffte, dabei - zum vierten Mal in Folge: Voriges Jahr zeichnete er für die Ballade des Norwegers Didrik Solli-Tangens verantwortlich, davor für die Schwedinnen Malena Ernman und Charlotte Perrelli. Jan Feddersen und Ada von der Decken trafen ihn auf einer ESC-Party bei Bier und Gebäck.
eurovision.de: Herr Kempe, stehen Sie nicht unter enormem Erfolgsdruck?
Fredrik Kempe: Ja, auf jeden Fall. Die Aufmerksamkeit zumindest beim schwedischen Vorentscheid, dem Melodifestivalen, ist unglaublich. Das ist da ein riesiges Medienevent. Es ist mittlerweile sogar so groß, dass es den Eurovision Song Contest überschattet. Die Schweden interessieren sich viel mehr für das Melodifestivalen, als für den eigentlichen ESC. Das liegt auch daran, dass viele Schweden finden, dass viele der Kandidaten aus anderen Ländern den Wettbewerb nicht ernst genug nehmen.
eurovision.de: Sie persönlich nehmen den Contest aber doch sehr ernst, oder?!
Fredrik Kempe: Wir nehmen den ESC schon sehr ernst und ich auch. Der Weg zum Sieg beim Melodifestivalen ist lang und steinig. Die Vorauswahl dauert zwei Monate. Alle wollen dann auch, dass dieser Song beim ESC gut abschneidet. Und in den vergangenen Jahren haben wir durchweg nicht so gut abgeschnitten. Immerhin sind wir fast immer ins Finale gekommen - bis aufs letzte Jahr.
eurovision.de: Mit der bezaubernden Anna Bergendahl, nicht wahr?
Fredrik Kempe: Ja, aber eigentlich gilt für uns: Ins Finale kommen reicht nicht. Es muss schon mindestens ein Top-Ten-Platz sein.
eurovision.de: Schweden ist doch eigentlich ein klassisches Schlagerland, oder?!
Fredrik Kempe ist der schwedische Ralph Siegel. Er schrieb auch Eric Saades Song "Popular"
Fredrik Kempe: Ich würde eher sagen: Schweden ist ein klassisches Pop-Land. Wir haben jede Menge Leute, die Songs im Britney-Spears-Stil schreiben. RedOne kommt aus Schweden und Produzenten wie er beherrschen zur Zeit die Charts. Also wir haben wirklich eine gute Songwriter-Tradition bei uns. Schlager haben wir natürlich auch noch. Aber beim Melodifestivalen sind es sehr wenige geworden.
eurovision.de: Wann hat Sie eigentlich das ESC-Fieber gepackt?
Fredrik Kempe: Natürlich 1984 mit Herrey's.
eurovision.de: Die mit den goldenen Schuhen?
Fredrik Kempe: Ach, die gingen mir ans Herz. Ich fand die ganze Bühnenshow total spannend. Aber ich war nie ein echter ESC- oder Melodifestivalen-Fan.
eurovision.de: Sie wiegeln ab, oder?
Fredrik Kempe: Nein, ich habe mich wirklich immer mehr für Klassik interessiert. Mein Plan war ursprünglich, an die Oper zu gehen, aber mir hat das Liederschreiben einfach mehr Spaß gebracht. Also habe ich mehr oder weniger aufgehört, selbst aufzutreten. Ich gebe zwar hin und wieder noch Konzerte in Schweden, aber nur wenn ich interessante Angebote bekomme und Lust darauf habe. Ich verkaufe mich aber nicht mehr als Künstler.

Der 20-jährige Eric Saade sang den Discotitel "Popular" für sein Land.

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