Einmal quer durch Europa, bitte!

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Einmal quer durch Europa, bitte!

von Dr. Irving Wolther

Das war eine ereignisreiche Woche in Sachen Eurovision Song Contest. Den Valentinstag nutzten nicht nur Deutschland, sondern auch Slowenien und Zypern, um ihre Beiträge bekannt zu geben. Seitdem gab es noch drei weitere Entscheidungen: Nun steht auch in Österreich, Lettland und Italien fest, welche Titel die Länder nach Malmö schicken.

Zypern: Warten auf Despina

Despina Olympiou © CyBC/Giorgos Kalfamanolis

Despina Olympiou tritt mit der Ballade "An me thimase" in Malmö an.

Wer Zypern beim ESC in Malmö vertreten soll, stand bereits fest: Despina Olympiou. Wie Kaugummi zog sich die Pressekonferenz zur Präsentation des intern ausgewählten zypriotischen Beitrags, die im Rahmen einer nachmittäglichen Talkshow aus einer Art Hörsaal am Unternehmensstandort des Hauptsponsors übertragen wurde. Etwas verschüchtert saß Starinterpretin Despina Olympiou zwischen einem Regiment grauer Anzugträger, in deren Verlautbarungen die Verdienste des Geldgebers ausgiebig gepriesen wurden. Bis das Video des von Andreas Giorgallis und Zenon Zindilis geschriebenen Titels "An me thimase" ("Wenn du dich an mich erinnerst") endlich vorgestellt wurde, war dann jede Spannung verflogen. Zu Unrecht, denn die schlichte Ballade hebt sich positiv von den bisher feststehenden Beiträgen ab und könnte durchaus die Qualifikationshürde nehmen.

Slowenien: Brachiale Dancefloor-Hymne

Auch in Slowenien verzichtete man in diesem Jahr auf eine nationale Vorauswahl, nachdem das aufwändige Casting-Format nach "Unser Song für Baku"-Vorbild 2012 nicht die gewünschten Resultate gebracht hatte. Konsequenterweise gab es dann auch keine Übertragung der Pressekonferenz, auf der man den intern ausgewählten nationalen Beitrag am Valentinstag vorstellte. Der von Hannah Mancini selbst geschriebene Titel verbreitete sich aber kurz darauf viral über Twitter und diverse Fanseiten im Internet und erweist sich als routiniert produzierte Uptempo-Nummer. "Straight Into Love" steht als Dancefloor-Hymne mit Dubstep-Elementen in direkter Konkurrenz zu den Beiträgen Norwegens und Deutschlands, kommt jedoch stellenweise recht brachial daher, ohne dadurch wesentlich moderner zu wirken.

Italien: San-Remo-Sieger nach Malmö

Der italienische Sänger Marco Mengoni. © Giuseppe La Spada Fotograf: Giuseppe La Spada

Italien schickt den 24-jährigen Sänger Marco Mengoni ins Rennen um den ESC-Sieg.

Auch im 63. Jahr seines Bestehens überraschte das San-Remo-Festival durch einige interessante Neuerungen: So durften die etablierten Künstler (Campioni) in diesem Jahr jeweils zwei Titel vortragen, wodurch in den Vorrunden nicht mehr Interpreten, sondern Songs ausgesiebt wurden. Schon am dritten Abend, der Entscheidung über den besten Newcomer (hier siegte Antonio Maggio), empfahl sich X-Factor-Sieger Marco Mengoni durch seine anrührende Neuinterpretation von "Ciao amore, ciao" - in einer Hommage an den Komponisten Luigi Tenco, der sich 1967 wegen der Rauswahl seines Liedes durch die Jury umbrachte - als Teilnehmer für Malmö. Ob er dort den Titel "L’essenziale" ("Das Wichtigste") singen wird, mit dem er am Ende auch das Festival gewinnen konnte, steht noch nicht fest.

Österreich: Aus groß mach klein

Nach zwei Jahren feinster Vorentscheidungsunterhaltung hat das österreichische Fernsehen in diesem Jahr einen Gang zurückgeschaltet und das Teilnehmerfeld von zwölf auf fünf Kandidaten eingedampft. Um die vergleichsweise konventionelle Show abendfüllend aufzublasen, wurde auf ein bewährtes Mittel zurückgegriffen: Die Vorstellung der Interpreten und ihrer gesanglichen Fähigkeiten durch den Vortrag eines ESC-Klassikers. In einem zweiten Durchlauf wurden dann die fünf stilistisch sehr unterschiedlichen aber allesamt wenig spektakulären Beiträge präsentiert. Neben einer bis auf Marija Šerifović nur mit Männern besetzten internationalen Fachjury, hatten die Zuschauer das Sagen und verhalfen der 18-jährigen Natália Kelly mit dem leicht souligen Pop-Stück "Shine" zur Fahrkarte nach Malmö.

Lettland: Kein "Beautiful Song"

Die Band PeR auf der Bühne des lettischen ESC-Vorentscheids. © LYV Fotograf: LYV

Outfittechnisch auffällig, der Song der lettischen Band PeR ist dagegen eher eintönig.

Hatten die Letten im vergangenen Jahr ihrem "Beautiful Song" in vorauseilendem Gehorsam sämtliche Ecken und Kanten abgeschliffen, um im Rest Europas nicht negativ und dann am Ende überhaupt nicht aufzufallen, präsentierte sich die nationale Vorauswahl "Eirodziesma" in diesem Jahr wie ein Lehrbuch 100-fach erprobter Eurovisionsformeln: Ausdruckstanz, Windmaschinen und Rückungen allerorten - oft in schwer verdaulicher Dosis. Obwohl die musikalische Vielfalt überraschte, war Originalität Mangelware. Die Gruppe PeR, die gleich mit zwei Titeln im Wettbewerb vertreten war, vermochte sich zumindest durch Glitzerkostüme und unkoordinierte Bewegungen vom übrigen Feld abzuheben. Ihr Beitrag "Here We Go", eine Hands-Up-Hymne mit Rap-Elementen, besticht durch gepflegte Eintönigkeit.

 

Stand: 18.02.13 11:00 Uhr

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