Buntes Dreierlei

von Dr. Irving Wolther

Bevor es am kommenden Wochenende mit fünf Entscheidungen in die Zielgerade des diesjährigen Vorentscheidmarathons des Eurovision Song Contest geht, sind in Dublin, Moskau und Athen die Würfel gefallen. Irland, Griechenland und Russland schicken Lieder zum internationalen Musikwettbewerb in das südschwedische Malmö, die kaum unterschiedlicher sein könnten.

Überlebenskampf in Irland

Der Musiker Ryan Dolan. © RTE Ryan Dolan versucht sein Glück in Malmö mit dem Dance-Pop-Titel "Only Love Survives". Wie schon seit 2006 wurde die Wahl des irischen Vertreters auch in diesem Jahr in der "Late Late Show" mit viel Talk und wenig Show zelebriert. In der beengten Kulisse der angeblich am längsten laufenden Talkshow der Welt wirkten sogar die Gaststars Lordi wie ihre eigene Tribute-Band. Die irische Musikszene präsentierte sich gewohnt stereotyp, von klischeebeladener Folkmusik (mit halbherzigen türkischen Einsprengseln, um der türkischen Diaspora in Europa zu gefallen) über schnarchige Balladen bis zu gesichtslosem Euro-Pop. Ryan Dolan, der sich mit seiner Eigenkomposition "Only Love Survives" offensichtlich als blutleere Antwort auf Jason Derulo versteht, machte am Ende mit den Stimmen des Publikums das Rennen. Die abschließende Diskussion, ob es nicht ein gutes Omen sei, dass Linda Martin 1992 in Malmö für Irland gewonnen habe, dürfte rein hypothetisch gemeint gewesen sein.

"Was wäre wenn …" für Russland

Das russische Fernsehen überraschte die Fans am 19. Februar mit der plötzlichen Nominierung der jungen Interpretin Dina Garipova. Und wie bei Alexey Vorobyov alias Alex Sparrow im Jahr 2011 sickerte das Video des ESC-Beitrags durch eine (beabsichtigte?) Panne des Senders 1TV schon vor der offiziellen Präsentation auf YouTube durch. So war die Spannung nicht mehr ganz so groß, als die überaus populäre Siegerin der jüngsten Staffel der "The Voice"-Castingshow ihren Beitrag im Rahmen der Hauptnachrichtensendung "Vremja" vorstellte. Der von den beiden Schweden Gabriel Alares (von der Band The Fast Forwards) und Joakim Björnberg gemeinsam mit dem Russen Leonid Gutkin produzierte Song "What If" ist eine außerst sieggefährliche Mainstream-Ballade, die üppige Pyrotechnik in Malmö erwarten lässt.

Lokalrunde für Griechenland

Koza Mostra & Agathonas Iakovidis © ERT Griechenland schickt die Ska-Band Koza Mostra mit dem Party-Song "Alcohol Is Free" ins Rennen. Der ungewohnte Schulterschluss des öffentlich-rechtlichen Rundfunksenders Ellinikí Radiofonía Tileórasi mit dem Privatsender MAD TV bescherte den Griechen in diesem Jahr trotz anhaltender Krise eine glamouröse Vorentscheidungsshow, die nicht mit Stargästen geizte. Ruslana, Marija Šerifovič, Alexander Rybak und Dima Bilan - sie alle sangen ihre Siegersongs im Duett mit bekannten griechischen Interpreten. Alleine die vier Teilnehmer der nationalen Auswahl, die ihre Titel erst nach einer geschlagenen Stunde zum Besten geben durften, waren eher der Kategorie Nachwuchs zuzuordnen. Aus dem überraschend vielfältigen Songangebot stach die am Ende siegreiche Ska-Band Koza Mostra mit ihrem "Alcohol Is Free" schon deshalb hervor, weil sie sich Rembètiko-Legende Agathonas Iakovidis als Verstärkung geholt hatte. Der mitreißende Party-Song transportiert (wie schon "Watch My Dance" 2011) eine verschlüsselte Krisenbotschaft und hat große Chancen, ganz weit vorne zu landen.

Aktuelle Kommentare
Schweden <3 schrieb am 26. Februar 2013 um 23:32 Uhr:

Irland

12 points 2013 from germany go to "Ireland" [mehr]

Chris schrieb am 25. Februar 2013 um 18:57 Uhr:

chris@louvre-cologne.de

...and the winner is.... La Grässsss! :D [mehr]

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Irland  Fotograf:  Britta Pedersen

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Rathaus von Malmö, Südschweden. © dpa Fotograf: F. Scholz