Obwohl der Vorentscheidkalender für den Eurovision Song Contest in diesem Jahr durch zahlreiche Direktnominierungen ziemlich entzerrt ist, wurden am vergangenen "Super-Wochenende" gleich fünf Beiträge für Malmö gewählt - in Armenien, Bulgarien, Estland, Ungarn und Serbien. Kurz vorher hatten die Mazedonier die Katze aus dem Sack gelassen.
Gor Sujyan soll für Armenien mit "Lonely Planet" in Malmö die Bühne rocken.
Trotz des enttäuschenden Abschneidens in Düsseldorf 2011 versuchte es das armenische Fernsehen auch 2013 wieder mit der bewährten Formel "bekannter Künstler + Auswahl aus mehreren maßgeschneiderten Titeln = hoffentlich gute Platzierung". Diesmal war im Vorfeld der vielfach preisgekrönte Rockstar Gor Sujyan bestimmt worden, dessen soulige Stimme und das auffällige D'Artagnan-Bärtchen einen interessanten Kontrast zu der von ihm vorgetragenen Musik bilden. Routiniert trug der Sänger die vier Titel im Wettbewerb vor, die allesamt eine wenig enthusiastische Grundstimmung in sich trugen. Das Rennen machte der von Black-Sabbath-Gründungsmitglied Tony Iommi komponierte und von Vardan Zadoyan (Armenien 2009) getextete Song "Lonely Planet", mit dem sich das Land erfrischend untraditionell präsentiert - auch wenn die Siegeschancen damit nicht sonderlich gut stehen.
Birgit Õigemeel singt von einem Neuanfang. Ob ihr der gelingt, wird sich im Mai in Malmö zeigen.
Dass der Gebrauch der Landessprache einer guten ESC-Platzierung nicht im Wege steht, haben die Esten in den vergangenen Jahren immer wieder eindrucksvoll bewiesen. Wie sehr die Esten den Wohlklang ihrer Sprache schätzen, zeigte auch die diesjährige Ausgabe des "Eesti Laul", bei der in zwei Vorrunden fast sämtliche nicht-estnische Titel aus dem Starterfeld eliminiert wurden. Die Handvoll englischsprachiger Beiträge, die den Sprung in die Finalshow geschafft hatte, landete am Ende auf den vier hintersten Plätzen. In einem spannenden Superfinale setzte sich Birgit Õigemeel mit der arg konventionellen Ballade "Et uus saaks alguse" ("Ein Neuanfang") durch. Damit hat die Siegerin der ersten "Estland sucht den Superstar"-Staffel 2007 im dritten Anlauf endlich die Fahrkarte zum Eurovision Song Contest gewonnen. Ob es fürs Finale reicht, darf jedoch bezweifelt werden.
ByeAlex setzte sich in Ungarn beim Publikum mit seiner rauen Stimme durch.
Nach zwei Jahren Finalqualifikation in Folge ist der Eurovision Song Contest in Ungarn so beliebt wie nie zuvor. Die Fortführung des 2012 gestarteten Vorauswahlprojekts "A Dal" lag somit auf der Hand, zumal seit der Machtübernahme der nationalkonservativen Fidesz-Partei ohnehin nicht mehr die Rede davon ist, dem ESC aus finanziellen Gründen fern zu bleiben. Jury und Publikum durften ihre Favoriten in den Viertel- und Halbfinals separat eine Runde weiter werten, im Finale gab dann die Jury vor, aus welchen Titeln das Publikum den Song für Malmö wählen durfte. Das modern und ansprechend produzierte Showformat krankte nur an einem allzu balladenlastigen Finale, aus dem der von der Jury mit Ach und Krach weitergewählte ByeAlex als Publikumssieger hervorging. Seine extrem raue Stimme verleiht dem zeitgemäßen Liebeslied "Kedvesem" ("Mein Ein und Alles") das gewisse Etwas.
2007 landeten Elitsa Todorova und Stoyan Yankulov für Bulgarien auf dem fünften Platz. Dieses Jahr wollen sie nach ganz vorne.
Anders als Ungarn kann Bulgarien in jüngerer Zeit weder auf Finalqualifikationen noch auf ein besonderes Publikumsinteresse am Eurovision Song Contest zurückblicken. Somit war es naheliegend, die einzigen Teilnehmer für Malmö zu nominieren, die das südosteuropäische Land jemals in ein Finale gebracht haben: Elitsa Todorova und Stoyan Yankulov. In einer mehr als bescheiden aufgemachten Studioproduktion präsentierte das trommel- und stimmakrobatische Duo drei maßgeschneiderte Beiträge, in denen sie ihre typische Symbiose aus kunstvollem bulgarischem Vokalgesang und modernen Beats mal als Trip-Hop, mal als hypnotischen Volkstanz, mal als gefällige Percussion-Show auf die Bühne brachten. Das Publikum entschied sich gegen die Stimmen der Jury für das ausgesprochen folkloristische Stück "Kismet" ("Schicksal") - offenbar so überraschend, dass man vergaß, den siegreichen Beitrag zum Abschluss der Übertragung ein zweites Mal zu spielen. Aufgrund von Copyright-Problemen wurde der Titel aber wenige Tage nach der Show wieder verworfen. Elitsa und Stoyan gehen stattdessen mit "Samo Shampioni" in Malmö an den Start - was übersetzt "Only Champions" heißt.
In Serbien genießt der internationale Musikwettbewerb eine enorme Popularität. Nach drei Jahren (erfolgreicher) interner Komponistenauswahl hat sich das serbische Fernsehen RTS daher entschlossen, das 2009 eingestellte "Beovizija"-Festival als "Beosong" neu zu beleben. Aus 15 Teilnehmern hatte das Publikum im Halbfinale des Wettbewerbs fünf Beiträge herausgepickt, die sich in einer seltsam aus der Zeit gefallenen und nur mäßig unterhaltsamen Finalshow einem zweiten Zuschauervotum stellen mussten. Ganz ohne Zutun einer Fachjury stand dann nach viel zu viel angestrengt gefüllter Sendezeit der Titel "Ljubav je svuda" ("Liebe ist überall") der Girlgroup Moje 3 als serbischer Song für Malmö fest. Angesichts der Penetranz, mit der sich die drei Damen durch ihre abschließende Siegerperformance schrien, dürfte man sich den weiteren Verzicht auf eine interne Auswahl noch einmal durch den Kopf gehen lassen.
Mazedonien schickt das wohl interessanteste Duo ins Rennen. Esma Redžepova und Vlatko Lozanoski könnten ungleicher nicht sein.
Nach den positiven Erfahrungen mit der Direktnominierung von Kaliopi 2012 hatte das mazedonische Fernsehen schon vor Weihnachten deutlich gemacht, dass man sich wieder für diesen Auswahlmodus entscheiden werde. Die Bekanntgabe, dass Gesangslegende Esma Redžepova (70) und Newcomer Vlatko "Lozano" Lozanoski (27) im Doppelpack nach Malmö fahren würden, überraschte dann aber doch: Der Nachwuchskünstler und die wegen ihres humanitären Engagements für den Friedensnobelpreis vorgeschlagene Roma-Sängerin bilden ein ausgesprochen ungleiches Paar. Und genau das ist das Geheimrezept ihres Beitrags "Imperija" ("Imperium"), der mit Elektropop, Balkan-Sounds und typischem Roma-Gesang Dinge miteinander verschmilzt, die unterschiedlicher nicht sein könnten mit garantiertem Hinhör-, Hinguck- und zweifellos auch Finalqualifikationseffekt
Rumänien steht ja jetzt auc fest und hat gewaltig bei Helene Fischer "Laß mich in dei Leben" abgeschrieben. [mehr]
Freu mich schon auf´s Finale UK schickt Bonny Tyler nach Malmö gute Wahl! Song hätte zwar etwas rockiger sein können, aber besser als Engelbert letztes Jahr allemal [mehr]

2006 hatte das Land sein Debüt beim Eurovision Song Contest.
Noch nicht lange dabei, aber trotzdem erfolgreich: Estland beim ESC.
Ungarn feierte sein ESC-Debüt 1994 und belegte mit Friderika gleich den vierten Platz.
Seit 2005 nimmt Bulgarien am Eurovision Song Contest teil.
Einerseits ist Serbien schon lange beim ESC dabei, andererseits verzeichnet der Balkanstaat offiziell erst wenige Teilnahmen am ESC.
1998 debütierte der Balkanstaat Mazedonien (FYR) beim Grand Prix.

Das Duo aus Mazedonien vereint Balkan-Klänge mit Elektro-Beats.
Amandine Bourgeois und Gor Sujyan fahren zum Eurovision Song Contest.