Siegel will nicht in den Ruhestand

von Helene Heise, Jan Feddersen

Ralf Siegel und Sängerin Valentina Monetta auf der Bühne © NDR Fotograf: Rolf Klatt Ralph Siegel feiert 40 Jahre Eurovision Song Contest: "Der ESC hat sich sehr verändert." Anlässlich seiner ESC-Jubiläen hatte Ralph Siegel in den Festsaal des Monolit Plaza Hotel in Baku geladen. Vor dem ersten Halbfinale plauderte er über seine Erfahrungen mit dem Eurovision Song Contest und seine Zukunftspläne.

eurovision.de: Herr Siegel, Sie feiern dieses Jahr drei Jubiläen: 40 Jahre Eurovision Song Contest, 30 Jahre "Ein bisschen Frieden" und 20-malige Teilnahme als Komponist am Finale - welches ist Ihnen das wichtigste?

Ralph Siegel: Dass es diese drei Jubiläen gibt, ja, das ist mir ganz zufällig aufgefallen. Erstaunlich, nicht wahr? Aber am wichtigsten ist mir, dass ich überhaupt noch hier sein kann, mir ging es ja gesundheitlich sehr schlecht. Aber jetzt bin ich wieder da, das freut mich.

eurovision.de: Letztes Jahr in Düsseldorf waren Sie ja nicht dabei.

Siegel: Mich hat im vergangenen Jahr niemand eingeladen, und das fand ich nicht in Ordnung. Man hätte Nicole und mich fragen müssen, nach Düsseldorf zu kommen. Immerhin sind wir die einzigen Deutschen, die gewonnen haben.

eurovision.de: Wann haben Sie entschieden, wieder einmal anzutreten?

Siegel: Ich habe im vergangenen Herbst mit meiner Frau Kriemhild gesprochen und sie gefragt, ob ich es noch einmal machen darf. Sie weiß, was es mir bedeutet und hat gesagt: "Ja, mach das, ich unterstütze dich." Dann bin ich ins Studio gegangen und habe zwei Monate lang komponiert – 30, 40 Songs. Das ist harte Arbeit, das glauben die meisten Menschen gar nicht. Dann habe ich mir Länder gesucht, denen ich die Songs einreichen kann, und Sänger und Sängerinnen.

eurovision.de: Wie viele Songs haben Sie eingereicht?

Siegel: Oh, viele. In der Schweiz mit Lys Assia, in Malta, der Ukraine ... und eben in San Marino.

eurovision.de: Wie kam es, dass Sie in San Marino angetreten sind?

Siegel: Ich habe schon im September einen Song eingereicht, den ich auf Italienisch komponiert hatte. Der klang nach Adriano Celentano und den haben wir dann auch gefragt, ob er ihn singen würde. Hat er aber abgelehnt, er sei zu alt für so einen Wettbewerb. Stattdessen hat mir ein Freund einen Sänger empfohlen, der Giuseppe heißt und wie Adriano Celentano klingt. Aber das wollte San Marino nicht. Dann habe ich "Facebook" eingereicht -  und der hat ihnen gut gefallen.

eurovision.de: Wie erleben Sie den ESC in seiner heutigen Fassung?

Siegel: Er hat sich sehr verändert, alles ist so viel größer geworden und auch so viel teurer. Früher reichte man seinen Song und seinen Act ein, dann gab es eine Auswahl und acht Wochen später fuhr man nach Harrogate oder an andere Orte. Inzwischen muss man international Promotion machen, das Internet ist dazugekommen. Auch die Musikindustrie zahlt nicht mehr. Was es inzwischen kostet, zwei Wochen vor Ort zu sein – und keiner kann garantieren, dass man nicht am Dienstag oder Donnerstag schon wieder abreisen muss. Das sind Dimensionen, die gab es früher nicht.

eurovision.de: Werden Sie nun zurücktreten oder es nächstes Jahr wieder probieren, in welchem Land auch immer?

Siegel: Das weiß ich nicht. Aber ich bin Komponist, ich arbeite gerne mit Musik und für die Musik. Soll ich denn etwa angeln gehen? Nein, ich fühle mich noch frisch und gesund genug, es vielleicht wieder zu probieren.

Teilnehmer

Valentina Monetta © SMTV Fotograf: Augusto Betiula

OGAE-Clubtreffen

Die Gäste des OGAE-Fanclubtreffens 2013 in München in der ersten Reihe: Friderika Bayer (von links), Sandra Reemer, Pasha Parfeny und Tom Dice © NDR/Patricia Batlle