"Wir fahren nach Baku und gewinnen die Scheiße"

von Bernd Dicks

Als Jurypräsident bei "Unser Star für Baku" durchläuft er die ganz Palette menschlicher Emotionen. Im Interview mit eurovision.de erklärt Thomas D, wie der deutsche ESC-Song gefunden wird.

Eurovision.de: Wir steuern auf das Finale von "Unser Star für Baku" zu, vier Kandidaten sind jetzt noch übrig. Wie lautet dein Zwischenfazit?

Thomas D beim Interview im Backstagebereich von Unser Star für Baku.  Fotograf: Bernd Dicks Als Jurypräsident durchläuft Thomas D die ganze Palette der Emotionen. Thomas D: Das Fazit insgesamt: Mir hat es sehr viel Spaß gemacht bis hier her. Ich habe gelitten, geschwitzt, mich gefreut, ich war enttäuscht, begeistert. Ich habe wirklich die ganze Palette der menschlichen Emotionen durchlaufen und das ist was wert. Das kann man sich nicht kaufen, man muss es einfach erleben.

Eurovision.de: Vor den Shows hast du mal gesagt: "Am Ende wollen wir jemanden haben, der zwar neu im Geschäft ist, aber das Zeug dazu hat, lange zu bestehen." Haben alle übrig gebliebenen Kandidaten das Zeug dazu?

Thomas D: (grübelt) Da geh ich sie kurz vor meinem geistigen Auge durch - und antworte mit einem klaren "Ja". Ich glaube dass die, die hier auf der Bühne stehen, dazu geboren sind, Musik zu machen. Und wenn sie es richtig machen, kann jeder von ihnen uns noch sehr lange begleiten. Aber - eine Karriere besteht aus jedem einzelnen Tag, aus jeder einzelnen Entscheidung. Und da muss jemand - erst recht wenn er jetzt von uns in das große Rampenlicht der Welt geworfen wird - sich natürlich auch mit jedem neuen Tag, mit jeder neuen Entscheidung bewähren, beweisen und weiterentwickeln.

Eurovision.de: Auch ein Leben lang unter deinen Fittichen?

Thomas D: Naja, ein Leben lang glaube ich nicht. Wenn ich einmal mein Herz vergeben habe, dann bleibe ich ein Leben lang treu. Aber, das Kind wird auch irgendwann groß, den Kinderschuhen entwachsen und muss auf eigenen Beinen stehen - und da heißt es für mich dann auch loslassen. Ich bin gern und immer da für den Gewinner, aber ich glaube so nach zwei, drei Alben braucht er das auch nicht mehr. Aber bis dahin bin ich da, ich schwöre!

Eurovison.de: Wie kommt der Star für Baku an seinen Song?

Thomas D: Im Prinzip ist das Prozedere abgeschlossen. Wir haben schon in Absprache mit zwei Plattenfirmen und ganz vielen Songwritern Titel gesammelt. Wir haben denen gesagt, bitte nicht nur eure Schublade öffnen und irgendwelche alten Schinken rausholen, sondern guckt euch unsere Kandidaten an und schreibt für sie Songs. Und es wurde aus den tausenden Songs, die eingereicht wurden, die passenden Titel zu den Kandidaten herausgesucht.

Eurovision.de: Hatten die Kandidaten ein Mitspracherecht?

Thomas D: Ja. Wir hatten am Ende eine Auswahl von 14 Songs, die haben wir unseren Kandidaten vorgespielt mit der Frage 'Welche gefallen euch besser’? Und dann haben wir die Kandidaten selber entscheiden lassen, welche drei Songs ihnen am besten gefallen. Einen Song haben zum Beispiel zwei Kandidaten ausgewählt, der wird jetzt aber unterschiedlich produziert und hört sich dann am Ende anders an. Und so würfeln sich diese Songs zusammen. Übrigens haben wir sie schon am heutigen Tag endgültig festgelegt.

Eurovision.de: Was ist bei einem ESC-Song anders, als wenn man einen Song für die deutschen Charts produziert?

Thomas D: Naja, es gibt halt so ein paar Richtlinien. Du guckst natürlich auf eine lange Geschichte der Eurovision und da gibt es ein Schlagwort, das immer um die Ecke kommt: Mit einer reinen Ballade gewinnt man keinen ESC. Auch wenn das bestimmt mal jemand frei erfunden hat (lacht). Es muss also entweder eine Powerballade sein oder irgendeine andere Form. So eine getragene Nummer ist halt tatsächlich schwierig, das haben wir hier auch schon mitbekommen: So ein ganz zartes Gefühl kann bei einem Fernsehzuschauer schneller untergehen als Pauken und Trompeten. Aber eigentlich ist mir das alles egal. Der Song muss zum Kandidaten passen, denn er muss den Song nicht nur singen, er muss ihn leben auf der Bühne.

Porträt

Thomas D  Fotograf: Willi Weber

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Die Jury für unser Star für Baku: Alina Süggeler, Thomas D und Stefan Raab  Fotograf: Willi Weber

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Termin-Logo: 26. Mai