Joy Fleming singt bei der Vorentscheids-Gala © NDR Fotograf: Uwe Ernst
Stand: 29.09.17 10:40 Uhr

Sängerin Joy Fleming ist tot

Große Künstler wie Tom Jones, Shirley Bassey und Ella Fitzgerald bewunderten ihr Können. "Sie haben die beste Stimme, die ich je in Deutschland gehört habe", sagte ihr Janis Joplin, als Joy Fleming in den 1970er-Jahren im einzigen Deutschlandkonzert der Amerikanerin im Vorprogramm auftrat. Die 1944 als Erna Raad in der Pfalz geborene und in Mannheim aufgewachsene Sängerin feierte mit ihrer Drei-Oktaven-Stimme ebenso viele Erfolge im Ausland wie hierzulande. Von Argentinien, Japan und China, über die ehemalige Sowjetunion und Afrika - die als "Queen des deutschsprachigen Souls" betitelte Mannheimerin begeisterte ihr Publikum überall. Am Mittwochabend ist die Künstlerin im Alter von 72 Jahren unerwartet gestorben. Sie sei friedlich auf der Couch eingeschlafen, teilte Sohn und Manager Bernd Liebenow mit.

ESC-Kulthit "Ein Lied kann eine Brücke sein"

Joy Fleming vertritt Deutschland 1975 beim Grand Prix und belegt den 17. Platz  Fotograf: Heinz Wieseler

In den 70ern singt Joy Fleming im Vorprogramm von Janis Joplin. Die Amerikanerin ist begeistert von der Powerstimme

Nicht ganz so erfolgreich war ihre Teilnahme beim Grand Prix d'Eurovision 1975 in Stockholm, wo sie mit "Ein Lied kann eine Brücke sein" den drittletzten Platz belegte. Beim Vorentscheid 1986 sang sie im Duett mit Marc Berry den Song "Miteinander", konnte aber nur Platz vier belegen. Dafür gelang ihr 2001 mit der Band "Lesley, Joy und Brigitte" fast mühelos der zweite Platz beim ESC-Vorentscheid. Nur ein Jahr später, beim vierten Anlauf zum ESC mit "Joy To The World", nahm ihr die Sängerin Corinna May die Chance zur abermaligen Teilnahme. Im spannenden Finale bekam Joy Fleming 32,5 Prozent, Corinna May 41,1 Prozent der Stimmen. Aufgrund ihre großen musikalischen Erfahrung wurde sie trotzdem immer wieder als Schlager-Expertin zu Rate gezogen.

Der Song "Ein Lied kann eine Brücke sein" ist mittlerweile zum Kultlied des ESC geworden und gilt vielen als die deutsche Grand-Prix-Hymne schlechthin. Ein weiterer großer Erfolg ist der Sängerin, laut Saarbrücker Zeitung "einer der besten Stimmen unserer Republik", seit ihrem Hit "Neckarbrückenblues" (1972) verwehrt geblieben. Doch stets arbeitete sie sowohl als Solosängerin als auch mit anderen Künstlern zusammen. Zuletzt veröffentlichte sie im Jahr 2010 das Album "So bin ich!".

Ein Pfälzer Original mit Herz

Joy Fleming und Jambalaya singen am 22.2.2002 in der Kieler Ostseehalle bei der Generalprobe zur deutschen Vorentscheidung für den Grand Prix Eurovision 2002. Mit "Joy To The World" kam sie auf 32,5 Prozent der Zuschauerstimmen und somit auf Platz 2. © Picture Alliance Fotograf: Wulf Pfeiffer

"Beste Stimme der Republik", dieses Kompliment hört Joy Fleming im Laufe ihrer Karriere immer wieder.

Joy Fleming war zweimal verheiratet, sie hinterlässt vier erwachsene Kinder. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten, dem französischen Komponisten und Pianisten Bruno Masselon, und mit zahlreichen Haustieren lebte sie bis zuletzt auf einem Bauernhof in Hilsbach zwischen Mannheim und Stuttgart in Baden-Württemberg. Dort betrieb sie auch ein eigenes Tonstudio und eine eigene Plattenfirma mit Musikverlag. Parallel verkaufte die Sängerin eine eigene Modelinie bei einem deutschen Shopping-TV-Sender. Bis zuletzt ging die Künstlerin auf Tour, arbeitete mit der Mannheimer Popakademie zusammen, arbeitete als Gesangslehrerin und trat mit Liedern in Pfälzer Dialekt auf.

Teilnehmer

Große Jazzstimme: Joy Fleming

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 22.03.1975 | 21:00 Uhr

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