Münchener Freiheit in weißen Anzügen
Stand: 05.01.12 10:32 Uhr

Deutschland: Münchener Freiheit

von Lisa Dust
Münchener Freiheit in den 80ern

"Ohne dich (schlaf ich heut Nacht nicht ein)" katapultiert die Münchener Freiheit 1986 in die deutschen Charts. Bringt der ESC-Start den großen Erfolg zurück?

Ins ESC-Finale ohne Vorentscheid: Wie Lena im Jahr 2011 brauchte sich auch die Münchener Freiheit 1993 nicht gegen Konkurrenten aus der Heimat durchsetzen. Die deutschen Vertreter für den Eurovision Song Contest im irischen Millstreet wurden damals ohne einen nationalen Vorentscheid von den ARD-Unterhaltungschefs bestimmt.

Comeback-Chance für die 80er-Stars

In den 90er-Jahren war der ESC nicht gerade auf dem Höhepunkt seiner Popularität und die ARD befürchtete für einen öffentlichen Vorentscheid ein zu geringes Zuschauerinteresse. Der in diesem Jahr verantwortliche MDR beauftragte daher direkt eine Band damit, einen Song zum ESC beizusteuern. Dabei holte sich der MDR Hilfe bei den ARD-Kollegen aus Bayern. Der Bayerische Rundfunk hatte den ESC schließlich von 1979 bis 1990 durchgeführt, während man in Dresden erst zum zweiten Mal den Hut aufhatte. Eine bayrische Band bekam den Auftrag, Deutschland in Millstreet zu vertreten und sogar eine, die den Lokalbezug im Bandnamen trug: die Münchener Freiheit.

Die fünfköpfige Band bestand zu diesem Zeitpunkt - wenn auch mit teilweise anderen Mitgliedern - bereits 13 Jahre. Ihre musikalischen Wurzeln hatten Stefan Zauner, Aron Strobel, Michael Kunzi, Alexander Grünwald und Renard Henry Hatzke in der Neuen Deutschen Welle, aber auch Rock und Pop beeinflusste den Stil der Münchener Freiheit. Den ersten großen Hit landeten die Münchner im Jahr 1986 mit dem eher schmusigen Song "Ohne dich (Schlaf’ ich heut’ Nacht nicht ein)". Die Single hielt sich 19 Wochen in den deutschen Charts und erreichte in Österreich und der Schweiz sogar Platz 1.

Doch ebenso wie der ESC in den 90ern hatten die Münchner zu diesem Zeitpunkt schon bessere Zeiten gesehen, sodass sie den Auftrag gern annahmen.

Poppige Ballade überzeugte das Publikum nicht

Das Lied "Viel zu weit", das die Münchener Freiheit 1993 beim ESC-Finale in Irland vortrug, brachte die Band nur auf den 18. von insgesamt 25 Plätzen. In der poppigen Ballade besangen die Münchner sehnsuchtsvoll ferne, unberührte Welten als Kontrast zu den Problemen der Wirklichkeit. Überzeugen konnten die Münchner mit dieser düsteren Sicht der Dinge nicht. Und dann gab es für die Bandmitglieder nicht einmal die Möglichkeit, nach der Show ein Trost-Bier trinken zu gehen: In der Umgebung der Pferdeauktionshalle, in der der Wettbewerb stattgefunden hatte, gab es keine einzige Kneipe. Immerhin ging die Green Glens Arena als kleinster Austragungsort in die ESC-Geschichte ein. Als Siegerin im eigenen Land verließ schließlich die Irin Niamh Kavanagh mit ihrer Ballade "In your Eyes" die Bühne.

Auftritt ganz in Weiß

Münchener Freiheit in weißen Anzügen

Nicht nur beim ESC trat die Band in Weiß auf.

Ihren Auftritt beim ESC absolvierten die fünf Männer der Münchener Freiheit ganz in Weiß: Nicht nur die Anzüge, auch das Schlagzeug, der Bass und der Flügel leuchteten schneeweiß auf der Bühne. Weiße Anzüge gelten als Erfolgsgarant beim ESC - von allen 56 bisherigen Siegern trugen bis dato acht ein weißes Bühnenoutfit. ESC-Legende Johnny Logan, der einzige Teilnehmer überhaupt, der zweimal siegte, trat beide Male in Weiß auf. Und im Miami-Vice-Jahrzehnt war dieser Style ohnehin topaktuell. Beim Auftritt der Münchener Freiheit glitzerte einzig die Gitarre in Gold, was aber offensichtlich ebenso wenig wie die Anzüge positive Auswirkungen auf das Ergebnis hatte. Auch die Tatsache, dass bei den ESC-Finalshows 1993 noch mit einem Live-Orchester im Hintergrund musiziert wurde, half der Band nicht auf die vorderen Plätze. Dabei hatte die Band eigentlich gute Erfahrungen mit der Orchester-Untermalung gemacht: Einen ihrer größten Hits, die Pop-Hymne "Solang‘ man Träume noch leben kann", hatte die Münchener Freiheit 1987 mit dem London Symphony Orchestra aufgenommen.

Neuer Sänger nach 30 Jahren Bandgeschichte

Münchener Freiheit mit neuem Sänger Stephan Thielen © Münchener Freiheit Fotograf: Hans Ehrhardt

Sänger seit 2011: Stephan Thielen (2. v. r.).

In den Jahren nach der ESC-Teilnahme wurde es wieder ruhig um die fünf Münchner. 2009 schafften sie es dann mit einem Comeback-Album auf Platz 10 der deutschen Album-Charts. Sänger und Gründungsmitglied Stefan Zauner verließ die Münchener Freiheit nur wenige Tage nach dem 30-jährigen Bandjubiläum im November 2011. Der neue Sänger heißt Stephan Thielen als neuem Sänger will die Band aber weiter auftreten und ein neues Album aufnehmen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 15.05.1993 | 21:00 Uhr