Roger Cicero tritt in Helsinki auf und belegt den 19. Platz © dpa Fotograf: Seppo Sirkka epa
Stand: 30.03.16 09:48 Uhr

Deutschland: Roger Cicero

Roger Cicero © dpa Fotograf: Sebastian Widmann

Beim ESC musste Roger Cicero auf seine Big Band verzichten. Auf der Showbühne sind nur sechs Musiker erlaubt.

"Frauen regier'n die Welt", aber den deutschen Vorentscheid am 8. März 2007 im Hamburger Schauspielhaus beherrschte ein Mann: Roger Cicero. Der Auftritt des Sängers, der am 24. März 2016 im Alter von 45 Jahren an den Folgen eines Hirninfarkts starb, ist den Fans noch in guter Erinnerung. Er überflügelte damals mit seinem Swingtitel über das starke weibliche Geschlecht überraschend die namhafte Konkurrenz - Rockbarde Heinz Rudolf Kunze und die Casting-Girlband Monrose. Der vorläufige Höhepunkt einer rasanten Erfolgsgeschichte. Vor dem Erscheinen seines Albums "Männersachen" im Mai 2006 spielte der damals 36-Jährige noch als Geheimtipp in kleinen Klubs, mittlerweile hängen im heimischen Wohnzimmer eine Goldene und eine Platin-Schallplatte über dem Kamin - als Auszeichnung für 200.000 verkaufte Alben in Deutschland.

Damit nicht genug der Ehre: Der Sänger mit dem Hut erhielt wenige Wochen nach dem Vorentscheid den Echo in der Kategorie "Künstler des Jahres Rock/Pop National". Der Preis der Deutschen Phono-Akademie wird an die erfolgreichsten Musiker des Jahres verliehen und gilt als einer der wichtigsten Musikpreise Europas.

Kein Freund des Klaviers

Aber beinahe wäre die Karriere des Wahlhamburgers, der 1970 in Berlin zur Welt kam, bereits in den Kinderschuhen stecken geblieben - im wahrsten Sinne des Wortes. "Mit vier Jahren haben meine Eltern mich in den Klavierunterricht gesteckt, mit fünf zwang ich sie zur Aufgabe", so das späte Geständnis des Musikers in einem Zeitungsinterview. Am Ende setzte sich Vater Eugen, in den 70er- und 80er-Jahren selbst ein erfolgreicher Jazzpianist, durch. Der Sohn ging zum Musikstudium nach Amsterdam und entdeckte seine Leidenschaft für den Jazz und insbesondere den Soul. Die Helden seiner Jugendzeit hießen Stevie Wonder, Al Jarreau und Al Green.

Erst in die Charts, dann zum Grand Prix

Roger Cicero © dpa Fotograf: Jörg Carstensen

Mit dem 19. Platz beim ESC-Finale ist Roger nicht glücklich. Er hat sich mehr ausgerechnet.

Der Chart-Durchbruch mit der Hitsingle "Zieh' die Schuh' aus" kam allerdings mit einem Stil, der einem Frank Sinatra alle Ehre machen würde: Auf "Männersachen" brilliert Cicero mit deutschen Texten, für die ein großes Orchester den perfekten Swing-Sound liefert. Trotz des Albumtitels geht es dem Künstler aber weniger um modernes Machotum, sondern um die Musik: "Bühnenauftritte mit einer Big Band, zwölf Typen, alle in dunklen Anzügen, alle verschieden, alle lässig, alle genau bei der Sache - das ist schon eine sehr männliche Geschichte", geriet Cicero einmal auf die Frage eines Interviewers ins Schwärmen, der wissen wollte, wie er sich als Mann definiert.

Beim Contest konnte Cicero nicht auf sein Lieblings-Line-up zurückgreifen, das Reglement sieht nur sechs Musiker auf der Bühne vor. Beim Heimspiel im Hamburger Schauspielhaus fiel der Verlust der halben Band nicht weiter ins Gewicht, aber auf der großen Bühne in Helsinki fehlten der glamourösen Big-Band-Show offenbar ein paar Akteure. "Frauen regier'n die Welt" wurde unter Wert geschlagen und landete auf Platz 19. Roger Cicero zeigte sich nach dem Ende des Finales enttäuscht: "Dass es doch so extrem ausgeht, damit hätte ich persönlich jetzt doch nicht ganz gerechnet", gestand er in der Grand Prix Show im Ersten. Zuvor hatte sich schon sein ehemaliger Konkurrent Heinz Rudolf Kunze über das Abschneiden Ciceros empört: "Wenn man auf handgemachte, authentische Musik steht, hat Roger alle weit abgehängt. Schade, dass die anderen Länder das nicht verstanden haben".

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 12.05.2007 | 21:00 Uhr

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