Massiel lehnt an einer Steinmauer. Schwarz-Weiß-Foto © picture alliance/dpa
Stand: 13.03.15 19:05 Uhr

Spanien: Massiel

Massiel beim Grand Prix d'Eurovision 1968

Massiel landet 1968 einen Überraschungssieg.

"La La La" oder "Congratulations"? Das war die spannende Frage beim Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der international unbekannten Spanierin Massiel und dem europäischen Star Cliff Richard. Am Ende holt die Sängerin mit nur einem Punkt Vorsprung den Sieg vor dem Briten. Dabei war die 1947 in Madrid als María de los Ángeles Félix Santamaría Espinosa geborene Musikerin nur die zweite Wahl für den ESC 1968 in London.

Ursprünglich sollte ihr Landsmann Joan Manuel Serrat "La La La" in der berühmten Royal Albert Hall singen. Doch der Katalane bestand darauf, den Song in seiner Muttersprache vorzutragen. Katalanisch war jedoch von 1939 bis 1975 verboten.

Der zweitplatzierte Cliff Richard gratuliert der spanischen Siegerin Massiel zu ihrem Sieg beim ESC 1968. © UPI

Cliff Richard zeigt sich als charmanter Verlierer.

Dieser Akt des politischen Protests gegen die Franco-Diktatur wurde im Keim erstickt und der Kandidat kurzerhand ausgetauscht. Ob Joan Manuel Serrat sich auch gegen den Favoriten Cliff Richard hätte durchsetzen können? Der südländisch-temperamentvollen Massiel jedenfalls gelingt die Sensation. Mit der kastilischen Version von "La La La" holt sie zum ersten Mal die ESC-Krone in ihr Heimatland Spanien.

Talent als Sängerin und Schauspielerin

Der Grand-Prix-Siegertitel beschert der Zwanzigjährigen bereits den zweiten großen Erfolg in ihrem Heimatland und "La La La" schafft es auch in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Großbritannien in die Charts. Ein Jahre zuvor landet die Sängerin mit "Rosas en el mar" ihren ersten Hit in Spanien und Lateinamerika. Massiel macht sich im Laufe ihrer Karriere nicht nur als Sängerin, sondern auch als Theater-, Film- und Fernsehschauspielerin einen Namen. 1997 erklärt sie, sich nur noch der darstellenden Kunst widmen zu wollen. Zu diesem Zeitpunkt hat sie rund fünfzig Platten veröffentlicht. 2006 wird die Künstlerin dann doch wieder rückfällig und spielt eine Platte mit Brecht-Liedern ein.

Regelbruch bei Siegersong-Präsentation

Auch im ESC-Zusammenhang taucht Massiel immer mal wieder auf: Bei der großen Gala zum 50. Geburtstag des Eurovision Song Contest 2005 in Kopenhagen ist sie als Gast geladen und erinnert sich an die überstürzte Nominierung als spanische Vertreterin vor 37 Jahren: "Ich kam gerade von einer Tour wieder und musste direkt ins Studio gehen und 'La La La' in fünf Sprachen aufnehmen. Ich hatte nicht die Zeit, irgendetwas vorzubereiten.“

D'Nash treten beim ESC 2007 für Spanien an © NDR Fotograf: Rolf Klatt

2007 ist Massiel als Jurymitglied mitverantwortlich für die Wahl der ESC-Kandidaten D'Nash.

Glücklicherweise besteht die Hälfte des Textes aus der Wiederholung der Titelzeile - das dürfte die Sache etwas einfacher gemacht haben. Als Massiel 1968 nach dem Überraschungssieg ihr Lied noch einmal auf der Bühne präsentiert, mischt sie ein paar englische Brocken in ihren Vortrag und ist damit die Erste, die von der damals gültigen Regel abweicht, in der Landessprache singen zu müssen.

2007 gehört Massiel zur nationalen Auswahljury für den spanischen ESC-Beitrag. Aus der langwierigen Qualifikationsprozedur geht die Boyband D’Nash hervor. Ihr Song "I Love You Mi Vida" kommt aber nicht annähernd so gut an wie Massiels "La La La" 1968. D’Nash landet nur auf Platz 20.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 06.04.1968 | 21:00 Uhr

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