Joco: Musikalisches Talent im Doppelpack

Die Musikerinnen Cosima und Josepha von Joco sitzen auf einem Sofa und starren in die Kamera. © Sony Music

Die Schwestern Cosima und Josepha sind unzertrennlich. Zickenkrieg kennen sie nicht.

Ihr Gesang verführt - eng schmiegen sich die Stimmen aneinander, mal unisono, dann wieder in schaurig-schönen Moll-Harmonien. Die Schwestern Josepha und Cosima Carl schaffen als Duo Joco verträumte Klangwelten, in denen sich die Zuhörer verlieren können. Das erinnert mal an Simon & Garfunkel, mal an Yann Tiersens Filmmusik aus "Die zauberhafte Welt der Amélie" - gewürzt mit einer Prise Zeitgeist. Die in Ostfriesland aufgewachsenen Geschwister steuerten beim deutschen Vorentscheid in Köln mit "Full Moon" wohl den ungewöhnlichsten Beitrag bei. Konzerterfahrung haben Joco bisher vor allem auf Festivals und in kleinen Clubs gesammelt. Bei "Unser Lied für Stockholm" präsentierten sie sich das erste Mal einem großen Fernsehpublikum. Für einen vorderen Platz reichte es beim Vorentscheid leider nicht.

Debütalbum in den Abbey Road Studios

Auch wenn der große Durchbruch noch bevorsteht - in Fachkreisen genießen Joco schon heute einen exzellenten Ruf. Beide haben im niederländischen Enschede Musik studiert: die heute 29-jährige Cosima Klavier und ihre dreieinhalb Jahre jüngere Schwester Josepha Gesang. In Enschede spielen sie in verschiedenen Formationen und verdienen sich den Lebensunterhalt zunächst als Dozentin und Gesangslehrerin, werden dabei aber nicht glücklich. Dann machen sie einen harten Schnitt: Umzug nach Hamburg und volle Konzentration auf ihr gemeinsames musikalisches Projekt Joco. Sie ergattern einen der begehrten Plätze im Hamburger Kontaktstudiengang Popularmusik, dem "Popkurs", in dem schon Rohdiamanten wie Wir sind Helden und Revolverheld geschliffen wurden. Der renommierte Dozent Peter Weihe unterstützt sie. Er ist so begeistert, dass er dem Duo ein Stipendium für eine Plattenaufnahme in den legendären Abbey Road Studios in London besorgt.

Aufnahmen mit Produzenten von Paul McCartney und Coldplay

Joco haben nur zwei Aufnahme-Tage in den heiligen Hallen, in denen schon The Beatles ihre Musik einspielten. Sie bereiten sich so intensiv darauf vor, dass die Studioarbeit zu einer rauschhaften Session wird, in der sie die Songs für ihr Debütalbum "Horizon" locker in der vorgegebenen Zeit einspielen. Das macht auch bei ihrem Produzenten Steve Orchard Eindruck - und der legt die Messlatte hoch, schließlich hat er schon mit Größen wie Paul McCartney, U2 und Coldplay gearbeitet.

Mit den Aufnahmen aus den Abbey Road Studios stellen sich Joco in Deutschland bei Plattenfirmen vor. Das Label Sony beißt sofort an und bringt das Debüt im Juni 2015 heraus. Es folgen Festivalauftritte und die erste eigene Clubtour, die die zwei nur sechs Tage vor der ESC-Vorentscheidshow "Unser Lied für Stockholm" beenden.

Familientradition Schwestern-Duett

Die Joco-Geschwister sind unzertrennlich und machen alles gemeinsam. Für Josepha und Cosima sind Musik und Instrumente von Kindesbeinen an so selbstverständlich wie essen und schlafen. Schlagzeug, Gitarre, Klavier - alles steht zu Hause herum und wird von den Schwestern, ihren zwei Brüdern und den Eltern ständig benutzt. Die Mutter leitet den Schulchor und nimmt ihre Kinder mit zu den Proben. Neben dem Gesang konzentriert sich Josepha zunächst aufs Saxophonspielen, Cosima zieht es zum Piano. Sie spielen in Reggae- und Big Bands, finden ihren eigenen Stil aber erst viel später in dem Familienduo Joco. Genetisch bedingt? Könnte sein, schließlich sang ihre Mutter ebenfalls im Duett mit ihrer Schwester.

Stand: 26.02.16 00:23 Uhr