Mary Roos vertritt Deutschland 1972 beim Grand Prix und belegt den dritten Platz. 1984 landet sie auf Rang 3.  Fotograf: Istvan Bajzat
Stand: 23.02.17 11:02 Uhr

Mary Roos: Internationaler Durchbruch durch ESC

von Irene Altenmüller
Mary Roos beim Vorentscheid zum Grand Prix d'Eurovision 1970

Flower Power lässt grüßen: Mary Roos 1970 beim Vorentscheid zum Grand Prix d'Eurovision.

Als einer der erfolgreichsten und beständigsten Stars der deutschen Schlagerszene ist Mary Roos fast so etwas wie ein Fels in der Brandung des schnelllebigen Musikgeschäfts. Schon als Kind singt die kleine Marianne Rosemarie Schwab, die am 9. Januar 1949 in Bingen geboren wird, im Hotel ihrer Eltern für die Gäste zum Nachmittagstee. 1958, als Neunjährige, nimmt sie ihre erste Schallplatte auf. Ab den frühen 60-Jahren trägt sie den Künstlernamen Mary Roos. Seither hat ihre markante dunkle Stimme einen festen Platz in der deutschen Schlagerszene. 

1970 nimmt Mary Roos mit dem Titel "Bei jedem Kuss" erstmals an einem deutschen Grand-Prix-Vorentscheid teil, muss sich jedoch Katja Ebstein geschlagen geben. Nur wenige Wochen später landet sie mit "Arizona Man" einen Riesen-Hit. Der von der späteren Produzenten-Legende Giorgio Moroder komponierte Titel war wegen des damals überaus avantgardistischen Synthesizer-Sounds musikalisch eine kleine Sensation. "Arizona Man" hält sich mehrere Wochen in den Charts.

Ein Grand Prix Traum wird Wirklichkeit

Zwei Jahre später tritt Mary Roos erneut beim Vorentscheid an. Diesmal klappt es. Mit ihrem Titel "Nur die Liebe lässt uns leben" von Joachim Heider setzt sie sich knapp gegen die Konkurrenz durch. Beim Grand Prix in Edinburgh hat sie den undankbaren ersten Startplatz, weshalb man ihr kaum Chancen einräumt. Doch Mary Roos liefert einen grandiosen Auftritt ab. Selbst der britische Kommentator gerät ins Schwärmen über die entspannte und selbstbewusste Performance der damals 21-Jährigen.

Jahre später verrät Mary Roos im Interview, warum sie so unbekümmert und gelassen in den Wettbewerb geschritten sei. Sie habe in der Nacht geträumt, dass sie unter die ersten drei käme und sei überzeugt gewesen, dass es auch so käme. Tatsächlich erreicht Mary Roos am Ende den dritten Platz.

Der Grand Prix bedeutet für Mary Roos auch den internationalen Durchbruch. Vor allem in Frankreich, wo sie im Anschluss an den Grand Prix als erste Deutsche im renommierten Pariser Konzertsaal "Olympia" ein eigenes Programm hat, ist sie sehr populär. 1975 nimmt Mary mit "Eine Liebe ist wie ein Lied" zum dritten Mal an einem Vorentscheid teil, unterliegt jedoch Joy Flemings "Ein Lied kann eine Brücke sein". Ihrer Karriere schadet es nicht.

Sie produziert in den Folgejahren weiter regelmäßig neue Alben und spielt in Münster in einem Musical. Mit "Hamburg im Regen", einer Hymne an ihre Wahlheimat, liefert sie 1974 einen weiteren Evergreen ab. Ein besonderes Highlight ist ihr Auftritt 1976 in der legendären Muppet-Show. Sie ist die einzige Deutsche, der diese Ehre zuteilwurde. Im Duett mit David Hanselmann nimmt Mary Roos 1982 erneut am Vorentscheid teil. Der Titel "Lady" stammt aus der Feder ihres damaligen Ehemanns Werner Böhm alias Gottlieb Wendehals. Diesmal muss sie Nicole das Feld überlassen, die mit "Ein bisschen Frieden" den Eurovision Song Contest in Harrogate erstmals für Deutschland gewinnt.

Teilnehmer

Mary Roos - Bilder einer Karriere

Kurz vor dem Auftritt der private Schock 

Zwei Jahre später, 1984, ersingt sich Mary Roos mit dem Titel "Aufrecht geh'n" von Michael Reinecke und Michael Kunze ihr zweites Grand Prix-Ticket. Die deutschen Erwartungen an ihren Auftritt in Luxemburg sind hoch, doch für Mary Roos läuft fast alles schief. Kurz vor ihrem Auftritt erfährt sie, dass eine andere Frau ein Kind von ihrem Ehemann Werner Böhm erwartet. Teils abwesend, teils nervös singt Mary Roos ihren Titel, dessen Text für sie plötzlich ungewollte Authentizität erlangt hat. Hinzu kommt, dass das Orchester den Auftakt verpatzt. Am Ende landet Mary Roos lediglich auf dem 13. Platz. Und erntet für ihren Auftritt und das angeblich unpassende fleischfarbene Kleid in der Presse böse Kritik.

Mary Roos beim Grand Prix d'Eurovision 1984 © EBU

1984 landet Mary Roos mit ihrem Titel "Aufrecht geh'n" auf Platz 13.

Doch auch dieser Rückschlag bedeutet für Mary Roos keinen ernsthaften Karriereknick. Sie arbeitet weiter mit den erfolgreichsten deutschen Komponisten, Textdichtern und Produzenten wie Drafi Deutscher, Ralph Siegel, Dieter Bohlen, Michael Reinecke und Michael Kunze zusammen. 1986 zieht sie sich nach der Geburt ihres Sohnes Julian vorübergehend aus dem Musikgeschäft zurück. Die Ehe mit Werner Böhm, die Mary Roos im Nachhinein schon mal als "Super-GAU" bezeichnet, wird 1989 geschieden.

Ein halbes Jahrhundert im Schlagergeschäft

Ab den 90er-Jahren produziert Mary wieder regelmäßig neue Alben. Mit Titeln wie "Rücksicht" und "Leider lieb ich dich immer noch", einer deutschen Version des Cher-Titels "Believe", landet sie Hits. Im neuen Jahrtausend ist Mary Roos präsenter denn je. Zahlreiche Fernsehauftritte, Konzerte und immer neue CDs - Marys Terminkalender ist übervoll. Beweisen braucht Mary Roos allerdings niemanden mehr etwas. Ihre musikalische Vielseitigkeit hat sie längst gezeigt. Und ihre sympathische und glaubwürdige Ausstrahlung macht sie zu einem der wenigen echten deutschen Stars.

Mary Roos bleibt dem "Grand Prix" sehr verbunden: Als Mitglied der deutschen Jury, unter dem Vorsitzt von Hape Kerkeling, vergibt sie 2010 die Länderpunkte im Halbfinale für den Eurovision Song Contest in Oslo. 2013 sitzt sie beim deutschen Vorentscheid "Unser Song für Malmö" in der Jury.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 29.05.2010 | 21:00 Uhr