Auftritt Max Mutzke beim ESC-Finale am 15.05.2004 in Istanbul. © picture-alliance / dpa/dpaweb Fotograf: epa Okten
Stand: 28.10.16 16:02 Uhr

Max Mutzke: Mit Bodenständigkeit beständig erfolgreich

Mit "Can't Wait Until Tonight" eroberte er im Winter 2003/2004 das Publikum im Sturm. Nachdem er die Casting-Show "SSDSGPS" für sich entschieden hatte, mit der Stefan Raab einen Kandidaten für den deutschen Vorentscheid für den ESC 2004 suchte, stieg die Pop-Ballade unmittelbar auf Platz eins der deutschen Charts ein. Beim Vorentscheid selbst setzte er sich gegen Bewerber wie Patrick Nuo, Laith Al-Deen und Scooter durch und ersang sich sein Ticket zum ESC 2004 in Istanbul, der ihm endgültig den Durchbruch in seiner musikalischen Karriere einbrachte: Max Mutzke.

Teilnehmer

Max Mutzke beim ESC 2004 in Istanbul

Mit geschlossenen Augen in die Top Ten

So abwegig es klingen mag: Schlagzeuger gehören in einer Band häufig zu den ruhigsten Musikern. So ist es auch im Falle von Max Mutzke, der nicht nur singt, sondern auch Schlagzeug spielt. Und der - anders als viele Stars und Sternchen, die ihren Weg ins Popgeschäft über Siege in Casting-Shows begonnen haben - beim Vorentscheid zum ESC 2004 seine Fans, die Zuschauer und die Journalisten durch seine unerschütterlich gelassene Art beeindruckte. Anstatt im Glamour-Outfit und mit einstudierten Tanzschritten aufzutrumpfen, hockte Max nicht nur beim Vorentscheid in schwarzem Rollkragenpulli und Jeans auf einem Hocker.

Max und Stefan Raab bei der Pressekonferenz während der Proben zum ESC Finale 2004. © dpa Fotograf: Kerim Okten

Mentor Stefan Raab hat Max' ESC-Song "Can't Wait Until Tonight" geschrieben.

Auch beim dortigen Finaleänderte er nichts an seinem Auftritt. "Mach bitte einmal beim Singen die Augen auf", flehte ARD-Kommentator Peter Urban, als Max Mutzke auf seinem Barhocker Platz nahm. Max erhörte sein Bitten und öffnete einige Male kurz seine Augen. Fest in der Stimme, auch in den hoch anspruchsvollen Parts, und der türkischen Sprache im zweiten Refrain mächtig, brachte er das Publikum auf seine Seite und erreichte am Ende einen guten achten Platz. Mentor und Produzent Stefan Raab versuchte im Vorfeld erst gar nicht, seinem Zögling ein schrilleres Image zu verpassen - was zählt, ist die Stimme.

Musik ist seine Berufung

Sänger Max Mutzke sitzt vor einer dunklen Wand © maxmutzke.de / Pressefoto für Album MAX Fotograf: Unbekannt

Über sein 2015 erschienenes Album "MAX" sagt er, es sei besonders authentisch.

Als der ESC ihm einen großen Karrieresprung ermöglicht, war Mutzke, der mit vollem Namen Maximilian Nepomuk Mutzke heißt, knapp 23 Jahre alt und machte parallel zu dem ESC-Trubel sein Abitur an einem Wirtschaftsgymnasium. Dass er seinen Abschluss vergleichsweise spät nachholte, ist seiner Leidenschaft für die Musik geschuldet, für die er ein paar Jahre zuvor die Schule nach der neunten Klasse abgebrochen hatte. Diese Passion wiederum entstand bereits während Mutzkes frühester Kindheit. Der 1981 in der Gemeinde Krenkingen (heute zu Waldshut-Tiengen gehörig) geborene Sohn einer Schauspielerin und eines Gynäkologen wurde zunächst vor allem durch seinen Vater, einem begeisterten Hobby-Schlagzeuger, geprägt. Von ihm lernte er das Schlagzeugspielen. Im Alter von sechs Jahren begann er zu singen. Mit elf gründete er bereits seine erste eigene Band. Nach seinem Schulabbruch studierte er zwei Jahre lang privat Musik. "Das machte mir die Freude an der Musik allerdings ziemlich kaputt", sagte er dazu 2015 in einem Interview. Er beschloss, wieder zur Schule zu gehen und holte sein Abitur nach. "In der Zeit bis zum Grand Prix war Musik nur mein Hobby und dann nahm das Schicksal halt so seinen Lauf", so der charmante Baden-Württemberger weiter.

Affentittengeil findet Schlager-Ikone Joy Fleming

Zu seinem Schicksal gehört auch ein guter Freund, der den nicht gerade Casting-Show begeisterten Schwarzwälder mit einem geschickten Kniff zur Teilnahme an Stefan Raabs Talentsuche 2003 überredete. Ohne dessen Behauptung, Max Mutzke bereits angemeldet zu haben und in Teufels Küche zu kommen, wenn Mutzke nun nicht hinfahre - wer weiß, ob die Karriere des damals 23-Jährigen genau so steil verlaufen wäre? Doch so beeindruckte er bei "SSDSGPS" mit seinen eigenen Interpretationen schwieriger Songs wie "Ain't No Sunshine" oder "Love's Divine" und verleitete damit selbst gestandene Branchengrößen wie Schlager-Ikone Joy Fleming zu so ungewöhnlichen Komplimenten wie "affentittengeil". Und auch SSDSGPS-Juror Thomas Anders zog vor dem Nachwuchssänger den Hut: "Wo jedem anderen die Stimmbänder wegfliegen, legst du noch einen drauf."

Album mit den NDR Radiophilharmonikern

CD-Cover: Max Mutzke & NDR Radiophilharmonie "Experience" © Sony Music Entertainment Germany GmbH

Seine Auftritte mit den NDR Radiophilharmonikern münden in sein achtes Album: "Experience".

Nach dem ESC arbeiteten Mutzke und sein Mentor und Produzent Stefan Raab noch eine Weile zusammen. Anfang 2005 brachten sie sein erstes Album "Max Mutzke" raus, das in den deutschen Album-Charts direkt auf Platz eins landete. Inzwischen hat Mutzke insgesamt acht Alben veröffentlicht - in Zusammenarbeit mit verschiedenen Produzenten und stilistisch vielfältig. Sein Repertoire umfasst eine Mischung aus Pop-Rock, Funk, Soul und Jazz. Er variiert zwischen deutsch- und englischsprachig. 2015 erschien sein bisher am stärksten autobiografisch geprägtes Album "MAX", auf dem er unter anderem den Tod seiner Mutter in dem Song "You Are All Around Me" ein Stück weit aufgearbeitet hat. Auf seinem jüngsten Album "Experience" ist er gemeinsam mit der NDR Radiophilharmonie zu hören. "Es ist emotional und musikalisch großes Kino und soll Hollywood für Eure Ohren sein", schreibt er dazu auf Facebook.

Privat ist er ein Schrauber

Sein Privatleben hält der bodenständige Sänger weitgehend unter Verschluss. Er ist inzwischen Vater von vier Kindern und lebt in seinem Heimatort Waldshut-Tiengen. In einem Interview verrät er, dass er naturverbunden ist, gerne in die Berge geht und zu Hause mit Leidenschaft an seinem eigenen Unimog schraubt. Und dass er sich nicht vorstellen kann, an einem anderen Ort als dem, wo er mit fünf Geschwistern aufgewachsen ist, zu leben. "Heimweh ist für mich größer als Fernweh", sagt er. In die Ferne reist er trotzdem regelmäßig: Schließlich möchte man ihn auch in anderen Regionen live erleben.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 15.05.2004 | 21:00 Uhr