Severine vertritt Monaco 1971 beim Grand Prix und belegt den 1. Platz  Fotograf: UPI
Stand: 13.02.15 12:14 Uhr

Monaco: Séverine

Eine blonde Sängerin im schlichten Abendkleid schmettert ihr Lied von einer Bank, einem Baum und einer Straße („Un banc, un arbre, une rue“) mit solcher Inbrunst, dass die Jury sie mit dem ersten Preis belohnt. Eine Sensation für Monaco und seine rund 30.000 Einwohner. Zum ersten und einzigen Mal gewinnt das kleine Fürstentum den großen europäischen Musikwettstreit. Für den Triumph ist allerdings keine Landsfrau verantwortlich, sondern die Pariserin Séverine. Wie schon in den Jahren davor rekrutiert der Stadtstaat auch 1971 seine Interpretin im Mutterland des Chansons - in Frankreich. Die 22-jährige Séverine lässt die Konkurrenz beim 16. Eurovision Song Contest in Dublin hinter sich - auch den Franzosen Serge Lama, der für sein Heimatland nur den zehnten Platz holt. Ärgerlich für die Grande Nation, Séverine Monaco überlassen zu haben ... Seinen Gastgeberpflichten kommt der Fernsehsender von Monte Carlo nach dem glorreichen Sieg jedoch nicht nach. 1972 hätte die Gewinnernation den Gesangswettbewerb austragen müssen, doch das Fürstentum sieht sich dazu nicht in der Lage und gibt den Grand Prix an Großbritannien ab.

Internationale Newcomerin mit Erfahrung

Severine beim Grand Prix d'Eurovision 1971

Séverine überzeugt beim ESC 1971 mit toller Stimme und vier schmucken Background-Sängern.

Die ESC-Bühne des Gaiety Theatre in Dublin betritt die junge Französin selbstbewusst - denn als Sängerin hat sie in ihrer Heimat bereits Erfahrung gesammelt. 1968 steht die als Josiane Grizeau geborene Interpretin noch als Robbie Lorr auf der Bühne des angesagten Pariser Musikclubs Golf Drouot und singt Coversongs von Shirley Bassey, Aretha Franklin und Barbara Streisand. Der Texter Georges Aber erkennt das Talent, übernimmt das Management und bringt eine Platte mit der jungen Musikerin heraus - jetzt unter dem Künstlernamen Séverine. In Frankreich bekannt wird die Sängerin aber erst 1970 mit dem Titelsong des Films "Der aus dem Regen kam" mit Charles Bronson. Der Erfolg beim Grand Prix ein Jahr später bringt dann den endgültigen Durchbruch. "Un banc, un arbre, une rue" wird ein internationaler Hit und schafft es auch in den englischen Charts bis auf Platz 9 - in der Originalsprache! Séverine hat Auftritte in ganz Europa, Japan und Lateinamerika. Sie geht mit Chansonstars wie Joe Dassin, Sacha Distel und Michel Sardou auf Tournee und singt im "Olympia", dem legendären Pariser Konzerthaus, in dem Edith Piaf in den 50er-Jahren weltberühmt wurde.

Top in Deutschland, Flop in Frankreich

Anfang der Siebzigerjahre ist Séverine auch in Deutschland ein Star und Dauergast in der ZDF-Hitparade. Die deutsche Version des ESC-Siegersongs, "Mach die Augen zu", wird noch erfolgreicher als der Originaltitel. Auch die folgenden Lieder "Ja, der Eiffelturm", "Olala l'amour" und "Jetzt geht die Party richtig los" werden Renner. Begeisterte Séverine in Monaco noch mit einem Chanson mit poetischem Text, setzt sie später auf Gassenhauer im Mitklatschrhythmus. Das kommt auch in der DDR gut an. Bis in die Achtzigerjahre gehört Séverine zum deutschen Schlagerinventar in West und Ost.

In Frankreich läuft es nicht so gut. Hier hat Séverines Karriere 1973 ein abruptes Ende. Die Sängerin und ihr Manager Georges Aber streiten sich ums liebe Geld. Séverine verklagt ihren Entdecker wegen Betrugs, im Gegenzug verhindert er jegliche Plattenproduktion in Frankreich. Das Gerichtsverfahren zieht sich bis in die Achtzigerjahre. Zwar gewinnt Séverine am Ende, zahlt mit dem Karriereaus in ihrem Heimatland aber einen hohen Preis.

Nach 35 Jahren wieder beim ESC

Severine tritt 1982 beim deutschen Vorentscheid auf, konnte sich aber nicht qualifizieren © Picture Alliance Fotograf: Grimm

1982 startet Séverine beim deutschen Vorentscheid - ohne durchschlagenden Erfolg.

Gerne hätte Séverine ihre Laufbahn mit einem erneuten Start als Künstlerin beim Eurovision Song Contest gekrönt und tritt 1975 und 1982 bei den Vorentscheiden in Deutschland an. Für ein echtes ESC-Comeback reicht es aber nicht, sie landet auf Platz 7 und Platz 10. 35 Jahre nach ihrem Triumph in Dublin gibt es dann doch noch eine Rückkehr: 2006 ist Séverine teil der monegassischen Delegation beim Wettbewerb in Athen und begleitet ihre Namensvetterin Séverine Ferrer. Doch der einst so erfolgreiche Vorname bringt der Kandidatin in dem Jahr kein Glück. Séverine Ferrer scheidet im Halbfinale aus.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 03.04.1971 | 21:00 Uhr

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