Schweden: Loreen

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Schweden: Loreen

von Lisa Dust

Schweden, die Heimat von Abba und damit der erfolgreichsten Band, die jemals aus dem Eurovision Song Contest hervorging, gehört eigentlich in jedem Jahr zu den Favoriten. Es gilt schließlich, das Erbe Abbas aufrechtzuerhalten. 2011 hatte sich Eric Saade in Düsseldorf mit seinem Song "Popular" auf den dritten Platz gesungen und dem skandinavischen Land damit zur besten Platzierung seit dem Sieg von Charlotte Nilsson 1999 verholfen. Loreen hat Eric Saade nun allerdings mit "Euphoria" von diesem kleinen Thron geschubst - mit ihrem klaren Sieg in Baku.

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Schweden: Loreen - "Euphoria"

Euphorie im Dance-Gewand kommt 2012 aus Schweden. Loreen singt einen Titel von Thomas G:son. Die Choreografie ihres Auftritts spielt mit tänzerischen Elementen aus der Sportart Capoeira.

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Der Erfolg hat viele Namen

Die 28-jährige Loreen, mit bürgerlichem Namen Lorine Zineb Noka, ist im schwedischen Musikbusiness keine Unbekannte, auch wenn ihre verschiedenen Künstlernamen diese Tatsache etwas verwischen. 2004 wurde sie Vierte bei der Castingshow "Idol", der schwedischen Variante von "Deutschland sucht den Superstar", damals unter dem Namen Lorén Talhaoui. Es folgte eine Singleveröffentlichung und die Moderation einer schwedischen TV-Show im Jahr 2005.

Danach verschwand die junge Schwedin mit marokkanischen Wurzeln für einige Zeit von der Showbühne. Ins ESC-Licht rückte Loreen dann 2011 beim schwedischen Melodifestivalen, dem wohl bekanntesten nationalen Vorentscheid für den ESC. Für ein Ticket ins Finale nach Düsseldorf reichte es damals nicht. Ihr Song "My Heart Is Refusing Me" wurde dafür ein Hit in den schwedischen Charts, wo er es bis in die Top Ten schaffte. Ein Jahr später setzte Loreen sich dann beim Melodifestivalen gegen die Konkurrenz durch - und in der Crystal Hall gelang ihr dies auch, mit einem komfortablen Vorsprung von 113 Punkten.

Ein poppiger Song geheimnisvoll inszeniert

"Why can't this moment last forever more, tonight eternity's an open door": Der Text des ESC-Siegersongs "Euphoria" strotzt vor Optimismus, der moderne Disco-Sound könnte auch von David Guetta stammen. Im starken Kontrast dazu steht die visuelle Inszenierung: Loreen ganz in Schwarz, Windmaschine, Gegenlicht, dazu ein sehr eigenwilliger Tanzstil. Das wirkt geheimnisvoll, fast gruselig.

Minimalistisch, nur mit wenig Beat und Musik unterlegt, beginnt die Sängerin ihren Beitrag, ganz allein steht sie im flackernden Licht des Stroboskops. Nach dem ersten Refrain wird der Sound satter, der Song entwickelt sich zu einer tanzbaren Club-Nummer mit einem durchaus launigen Refrain und ein Tänzer gesellt sich zu der Sängerin. Das Stück erhält sich aber bis zum Ende ein Spannungsfeld zwischen euphorischem Tanz und geheimnisvoller Stimmung. Es passt damit gut zu dem Anspruch, den Loreen an Musik hat: "Musik, die mich inspiriert, ist Musik, die einen in eine Art Trance versetzt." Als musikalische Vorbilder nennt sie Björk, Enya und Lisa Gerrard.

Schweden setzt auf routinierte Komponisten

Das Lied "Euphoria" stammt aus der Feder von Thomas G:son und Peter Boström. Mehr ESC-Kompetenz lässt sich in einem Song kaum bündeln. Thomas G:son kann man neben Ralph Siegel durchaus als den fleißigsten ESC-Komponisten bezeichnen. Er hat bereits fast 60 Stücke für verschiedene Länder eingereicht. Bis ins ESC-Finale schaffte es zuletzt 2010 der Song "In a Moment Like This". Das dänische Duo Chanée & N'evergreen erreichten damit in Oslo Platz Vier. Und auch 2012 ist Thomas G:son bereits gebucht worden: Für Spaniens Pastora Soler arbeitete er an "Quédate conmigo" mit. Peter Boström ist 2012 ebenfalls für zwei Songs beim ESC verantwortlich. Neben Loreens "Euphoria" schrieb er an dem norwegischen Beitrag  "Stay" mit, den der Künstler Tooji in Baku präsentierte. Amüsanterweise stammt somit sowohl der Siegertitel als auch der Letztplatzierte des ESC-Finales 2012 aus der Feder Boströms.

Endlich wieder ein neuer Titel

Loreen - die Gewinnerin des schwedischen Vorentscheids für den Eurovision Song Contest. © SVT Fotograf: Olle Kirchmeier

Nach der eher düsteren Bühnenshow zeigt Loreen ein strahlendes Siegerlächeln.

Nachdem Schweden zuvor schon vier Mal den ESC gewinnen konnte - 1974, 1984, 1991 und 1999 - war es nun wieder einmal Zeit für den ersten Platz. Seit Abba 1974 lagen noch nie so viele Jahre zwischen zwei ESC-Siegen. Und die Tatsache, dass die letzten beiden Siege ebenfalls von jungen Solo-Sängerinnen geholt wurde - 1991 von Carola und 1999 von Charlotte Nilsson - ließ die skandinavische ESC-Nation natürlich hoffen, dass es wieder aufwärts geht mit den Platzierungen. Loreen konnte diese Hoffnungen erfüllen, Gratulation zu dem Erfolg!

ESC Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.eurovision.de/teilnehmer/Schweden-Loreen,loreen105.html