Verka Serduchka vertritt die Ukraine 2007 beim Grand Prix © picture-alliance/ dpa Fotograf: Lehtikuva Heikki Saukkomaa
Stand: 10.02.16 09:47 Uhr

Ukraine: Verka Serduchka

Verka Serduchka vertritt die Ukraine 2007 beim Grand Prix und belegt den 2. Platz © dpa Fotograf: Jörg Carstensen

Andrej Danilko alias Verka Serduchka

Die Ukraine schickte in Helsinki eine würdige Nachfolgerin von Ruslana und Tina Karol ins Rennen: Verka Serduchka. Allerdings hatte die Sache einen Haken. Die Dame, die uns im skurrilen Sternen-Outfit mit so sinnfreien Zeilen wie "Sieben, sieben, ailulu - sieben, sieben eins, zwei" begeisterte, ist ein Mann. Andrej Danilko hat 1991 die Kunstfigur Verka Serduchka ins Leben gerufen und gegen zahlreiche Widerstände eine erstaunliche Karriere hingelegt.

Mit schrillen Kostümen und provokanten Texten, oft gesungen in einer Mischung aus Ukrainisch und Russisch, ist Verka eine kontroverse Figur in der Ukraine. Nicht erst seit dem Sieg beim ukrainischen Vorentscheid, als Danilko mit dem Titel "Dancing Lasha Tumbai" Expertenjury und Zuschauer gleichermaßen überzeugte, führen einige selbsternannte Patrioten einen Kleinkrieg gegen den populären Sänger in Frauenkleidern. Der negative Höhepunkt: Anfang April ging eine Puppe im Serduchka-Outfit in Flammen auf und Demonstranten sammelten im ganzen Land Unterschriften gegen Serduchkas Teilnahme in Helsinki. Laut der Süddeutschen Zeitung stand der Radiosender Jewropa FM an der Spitze der Stimmungsmache. Die Forderung: Das Land solle sich aus dem Wettbewerb zurückziehen, bevor das Image des Landes schaden nehme.

Gesellschaft von einer echten Drag Queen

Der ukrainische Fernsehsender NTU beugte sich nicht dem Druck, denn die Protestler ignorierten schlicht, dass Danilko als Verka Serduchka in der Ukraine und den angrenzenden Ländern längst ein Star ist. Bereits 2003 hat sich sein Album "Kha-ra-sho!" über 500.000 Mal verkauft. Und auch im Rest Europas dürfte die Show des 33-Jährigen kaum als Provokation empfunden worden sein. Schräge Outfits und das Spiel mit den Geschlechterrollen haben beim Contest eine gewisse Tradition: 2002 traten drei Herren in roten Damenkostümen unter dem Namen Sestre für Slowenien an. 1998 stieg mit Dana International eine transsexuelle Sängerin auf den Grand Prix Thron. Und mit der dänischen Kandidatin DQ hatte Verka in Helsinki Gesellschaft von einer echten Drag Queen.

Da DQ aber bereits im Halbfinale ausschied, war der Auftritt von Verka Serduchka im Finale konkurrenzlos und es regnete Höchstwertungen aus Andorra, Lettland, Polen, Portugal und der Tschechischen Republik. Für den zweiten Sieg der Ukraine fehlten am Ende mit 235 Zählern nur 34 Punkte auf die serbische Siegerin Marija Šerifović.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 12.05.2007 | 21:00 Uhr