Luxemburg: Vicky Leandros

von Nicola Millies

55 Millionen verkaufte Alben, ein Sieg beim Eurovision Song Contest für Luxemburg und mehr als 40 Jahre auf der internationalen Musikbühne unterwegs: Vicky Leandros. Am 23. August hat die Schlagerkönigin ihren 60. Geburtstag gefeiert. Zeit, einen Blick zurückzuwerfen.

Start in der "Aktuellen Schaubude"

1958 kommt Vassiliki Papathanassiou, so heißt die gebürtige Griechin mit bürgerlichem Namen, mit ihrer Familie nach Hamburg. Das musikalische Talent ist ihr in die Wiege gelegt: Papa Leandros Papathanassiou, der sich als Künstler Leo Leandros nennt, ist ein bekannter Komponist, Sänger, Texter und Musikproduzent. Früh entdeckt er, dass seine Tochter in seine Fußstapfen treten kann. Sie ist erst zarte 13 Jahre alt, als 1965 ihre erste Single auf den Markt kommt. "Messer, Gabel, Schere, Licht" wird sofort ein Erfolg - ihren ersten Auftritte im TV hat sie in der NDR Kult-Sendung "Aktuelle Schaubude". Nur zwei Jahre nach ihrer Debüt-Single nimmt Vicky Leandros für Luxemburg am Grand Prix Eurovision de la Chanson in Wien teil und belegt mit "L'amour est bleu" den vierten Platz.

"Ich war noch nie in Lodz"

Vicky Leandros singt "Don't Break My Heart" © NDR Fotograf: Uwe Ernst Jung und voller Inbrunst: So wirkt Vicky Leandros bei ihren ESC-Auftritten 1967 und 1972. 1972 startet sie zum zweiten Mal für Luxemburg bei dem Wettbewerb - mit dem von ihrem Vater und Klaus Munro komponierten Titel "Après toi". Sie hat dieses Siegerinnenlächeln, als sie zu ihrem Vortrag ansetzt: Die gerade 20-jährige Vicky Leandros steht in einem schlichten dunkelbraunen Abendkleid wie eine Königin auf der Bühne und präsentiert ihren Chanson "Après toi" für Luxemburg. Sie siegt und nimmt die Trophäe zufrieden entgegen. Schließlich hatte sie sich geschworen, den vierten Platz von 1967 nicht auf sich sitzen zu lassen.

Doch mit dem Sieg beim Grand Prix endet der Erfolg von "Après toi" nicht, sie landet mit dem Hit auch international in den Charts und wird zum Schlagerstar. Ein Image, das ihrem Können nicht ganz gerecht wird. Mit ihren Songs auf Deutsch, Griechisch, Englisch, Französisch, Niederländisch, Japanisch und Spanisch deckt die Sängerin eigentlich eine viel größere Bandbreite ab. Doch bis heute wird sie unauslöschbar mit ihrem größten Hit "Theo, wir fahr'n nach Lodz" (1974) in Verbindung gebracht. Im Geburtstagsinterview mit der "Bild" verrät die Sängerin: "Ich war noch nie in Lodz" - weder mit noch ohne Theo. Als sie es 2006 noch einmal beim Eurovision Song Contest versucht, scheitert sie beim Vorentscheid an der Band Texas Lightning.

Gummistiefel und Pailettenkleid

Enno von Ruffin und Vicky Leandros vor ihrem Wohnhaus auf Gut Basthorst. © dpa / picture alliance Fotograf: Wolfgang Langenstrassen Vicky Leandros und Enno von Ruffin auf Gut Basthorst. Privat findet die Sängerin ihr Glück mit dem Griechen Ivan Zissiadis, mit dem sie ihren ersten Sohn Leandraki hat. Als das Paar sich trennt, entführt der Vater das Kind nach Griechenland - es braucht langwierige Verhandlungen, bis Vicky Leandros das Sorgerecht zugesprochen wird und sie ihren Sohn wieder in die Arme schließen kann. 1986 "traut" sie sich ein zweites Mal und gibt dem Gutsbesitzer und Freiherren Enno von Ruffin das Jawort. Zwei gemeinsame Töchter - Sandra und Milana - machen die Patchworkfamilie komplett.

Die Fans freuen sich über die ganz andere Seite, die ihnen die Sängerin präsentiert: Gummistiefel und Paillettenkleid wechseln sich ab. Wenn Vicky Leandros nicht gesanglich unterwegs ist, kümmert sie sich um ihr Zuhause, Gut Basthorst. Maßgeblich gestaltet sie zum Beispiel die großen Hoffeste, die auch wegen der Bekanntheit der Hausherrin viele Besucher anlocken. 19 Jahre hält die Idylle, dann trennt sich das Ehepaar 2005. Bis heute scheinen die beiden aber eng verbunden und wirken auch jetzt noch bei gemeinsamen Auftritten sehr harmonisch. Vicky Leandros zieht erst nach Berlin, kehrt aber 2012 nach Hamburg zurück. Über den neuen Mann an ihrer Seite schweigt sie sich aus - noch.

Frau Abgeordnete

Auch eine politische Karriere hätte die Sängerin einschlagen können. 2001 bietet ihr Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust das Amt als Kultursenatorin an. Der gleiche Posten winkt ihr aus dem Berliner Schattenkabinett der CDU. Doch Vicky Leandros lehnt ab. 2006 kandidiert sie dann erstmals bei den Kommunalwahlen in Piräus für die sozialdemokratische Partei PASOK und erlangt ein Mandat. Sie wird Vizebürgermeisterin und Stadträtin für Kultur und internationale Beziehungen, gibt das Amt allerdings zwei Jahre später wieder ab und kehrt zurück auf die Bühne.

 

TEILNEHMER 1967

Finale

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TEILNEHMER 1967

Dt. Vorentscheid

  • 1. Platz
    Inge Brück trat 1967 für Deutschland beim Grand Prix an. © dpa Fotograf: Ursula Röhnert
    "Anouschka"
  • 2. Platz
    Inge Brück trat 1967 für Deutschland beim Grand Prix an. © dpa Fotograf: Ursula Röhnert
    "Die Nacht hat viele Gesichter"
  • 3. Platz
    Inge Brück trat 1967 für Deutschland beim Grand Prix an. © dpa Fotograf: Ursula Röhnert
    "Das Glück dieser Welt"

Vicky Leandros