So unschuldig wie sie aussah, ihre Texte wimmelten nur so von Zweideutigkeiten. Die junge Französin France Gall gewann 1965 den Grand-Prix für Luxemburg. Mit blonden Haaren und braunen Rehaugen sang sie fröhlich den Popsong "Poupeé de cire, poupée de son", der vordergründig von einer Spielzeugpuppe handelte. Ihr Mentor und Komponist Serge Gainsbourg gab dagegen später ganz offenherzig zu, dass in dem Chanson eigentlich das Thema Selbstbefriedigung besungen wird. Dem Publikum gefiel er trotzdem, denn bereits vor der letzten Wertung war Gall der Sieg sicher.
Es war vielleicht gerade die Mischung aus verdorbener Unschuld, die Gall zumindest viel Aufmerksamkeit brachte. Tatsächlich schien die damals erst siebzehnjährige nicht wirklich zu verstehen, welche Worte ihr Gainsbourg in den Mund legte. So sang sie völlig unbeschwert über Oralverkehr und Drogen, als gebe es nichts Trivialeres.
Ein Jahr nach ihrem Auftritt beim Grand Prix verließ die Künstlerin Frankreich und trat auch in Deutschland auf. Dort nahm sie bis 1972 auch deutsche Platten auf. 1968 bekam Gall für ihre deutsche Version von "A Banda" eine goldene Schallplatte. Auch der silbernen "Bravo Otto" sowie zwei bronzene Preise verlieh ihr das Jugendmagazin Bravo.
Ihren größten Erfolg in Deutschland schaffte Gall jedoch in den Achtzigern mit ihrem französischen Lied "Ella, elle l'a" ("Ella, sie hat’s"). Die Hommage an die Jazz-Sängerin Ella Fitzgerald hielt sich ganze vier Wochen auf Platz 1 in den deutschen Charts.

Luxemburg ist eines der Gründungsländer des Wettbewerbs, seit 1993 nimmt es nicht mehr teil.