Als am 6. März 2010 Juroren und Televoter die moldauische Kandidatensuche mit ihrem Votum zum Abschluss brachten, jubelten mit Sun Stroke Project und Olia Tira quasi gleich zwei Interpreten über ihren Sieg. Beide Acts hatten in der Vergangenheit auf eigene Faust versucht, das begehrte Ticket zum Eurovision Song Contest zu ergattern. Der Erfolg wollte sich jedoch erst einstellen, als Sergei Stepanov, Anton Ragoza und Sergei Yalovitsk vom Sun Stroke Project beschlossen, mit der 21-jährigen Sängerin Olia Tira gemeinsame Sache zu machen.
Das Ergebnis ihres Teamworks ist die Eurodance-Nummer "Run Away". Der Titel ist typisch für den außergewöhnlichen Sound von Sun Stroke Project: Die Saxophon-Einlagen von Sergei Stepanov und das Geigenspiel von Anthone Ragoza unterlegt die Band mit stampfenden Techno-Rhythmen. Neu bei "Run Away" ist lediglich der Gesang, bei dem Frontmann Sergei Yalovitsk reichlich Verstärkung von Olia Tira bekommt.
Die weibliche Hälfte des moldauischen Grand Prix Acts wurde am 1. August 1988 als Olga Tsyra in Potsdam geboren. Ihr Vater war damals als Offizier der Roten Armee in Deutschland stationiert. Versetzungen führten die Militärfamilie bis in den Fernen Osten und schließlich zurück in ihre Heimat Moldau. Nach Olgas Schulzeit in der Kleinstadt Cahul wechselte sie 2006 an die Moldauische Musik und Theater-Akadamie in Chisinau. Im selben Jahr veröffentlichte die begabte Sängerin unter ihrem Künstlernamen Olia Tira ihr Debütalbum "Your Place Or Mine?" und versuchte sich zum ersten Mal beim moldauischen Vorentscheid. In einem kuriosen Wettbewerb, dessen Ergebnis vom moldauischen Fernsehen annulliert und der später mit einem neuen Teilnehmerfeld wiederholt wurde, erreichte Olia Tila den zehnten Platz.
Das enttäuschende Abschneiden 2006 entpuppte sich als ein schlechtes Omen. Bis 2009 folgten drei weitere erfolglose Anläufe, wobei Olia Tira ihre bitterste Niederlage 2008 verkraften musste. Nach der ersten Abstimmung lag ihr Lied "Always Will Be" punktgleich mit Geta Burlacus "A Century Of Love" auf Platz eins. Erst nach der Stichwahl der Juroren musste sie sich geschlagen geben.
Im Gegensatz zu ihrer weiblichen Mitstreiterin feierten Sun Stroke Project erst 2009 ihr Debüt beim moldauischen Vorentscheid. Das lag nicht etwa einem fehlenden Interesse am Eurovision Song Contest, sondern war vielmehr der Tatsache geschuldet, dass sich die Band erst ein knappes Jahr vorher formiert hatte. Den Kern des "Projekt Sonnenstich" bildeten von Anfang an der Geiger Anton Ragoza und der Saxofonist Sergei Stepanov. Zwischen Tiraspol und Odessa in der Ukraine pendelnd erarbeitete sich die Gruppe einen guten Ruf in den dortigen Clubszenen.
Nationale Aufmerksamkeit erzielten sie erstmals beim Vorentscheid von Moldau. Statt Sergei Yalovitsky stand 2009 noch Pasha Parfeni am Mikrofon. In der damaligen Endabrechnung landeten Sun Stroke Project mit "No Crime" auf Rang drei - einen Platz besser als Olia Tira. Die Sängerin nahm das Ergebnis nicht persönlich und gemeinsam kehrte man 2010 zum Wettbewerb zurück - und als Team waren Sun Stroke Project und Olia Tira einfach unschlagbar gut.
Im ersten Halbfinale von Oslo eröffneten Sun Stroke Project und Olia Tira mit der Startnummer eins den Wettbewerb. Für die Fans immer ein erhebender Moment, für die Künstler eher eine undankbare Aufgabe. Die Moldauer lieferten aber bei aller Nervosität einen nahezu fehlerfreien Auftritt hin und verdienten sich einen Platz im Finale. Dort zeigte sich jedoch, dass Eurodance-Nummern beim Contest zwar nicht totzukriegen sind, aber fast immer ohne Siegchancen ins Rennen gehen. "Run Away" war gerade einmal für 27 Länderpunkte gut und bescherte Moldau den 22. Platz.