Stand: 25.03.14 11:30 Uhr

Fluch oder Segen?

Armeniens ESC-Teilnehmer Aram Mp3 © Arnos Martirosyan Foto: Arnos Martirosyan

Aram Mp3 eröffnet für Armenien die Halbfinals. Ob der Startplatz für den Sänger Fluch oder Segen ist, wird sich zeigen.

Nun steht die Startreihenfolge der Halbfinals also fest und Aram Mp3 geht für Armenien als Erster ins Rennen. Als Nummer eins zu singen ist, was den Sieg betrifft, auf jeden Fall schon mal die halbe Miete - was auch immer die Kopenhagener Song-Contest-Dramaturgen und -Regisseure (plus Berater) bewogen hat, gerade Armenien den drei Abende langen Ritt bis zur ESC-Krone beginnen zu lassen. Aber ich möchte es als Gelegenheitsabergläubischer, der ich gerne bin, mal so sagen: So hoch, wie momentan Armenien in vor allem britischen und irischen Wettunternehmen gehandelt wird, muss das der Grund sein.

Startplatz mit hohen Erwartungen

Brotherhood of Man starteten 1976 ebenfalls als Erste: Die Juroren (überwiegend männlich) waren so begeistert, dass sie kein anderes Lied mehr gelten ließen. Aram Mp3, der Mann aus dem Land des Radio Eriwan (mit dem auch in sowjetischen Zeiten beliebten Witz, der immer die Formulierung "Im Prinzip ... Ja" enthielt), geht also mit mythisch aufgeladenen Erwartungen ins Rennen. Warum auch nicht? Er startet mit der dunkelsten Ballade seit mindestens 28 Jahren (damals sang Kari Kuivalainen den Song "Päivä kahden ihmisen" fürFinnland) und hat tatsächlich alle Trümpfe auf seiner Seite. Andererseits erinnere ich gerne an die Jahre 1982 und 1983, als Nicole mit ihrer Prise Frieden und Corinne Hermés mit der Behauptung, das Leben sei ein Geschenk, als Allerletzte ins Rennen gingen. In beiden Jahren dümpelte es Lied für Lied vor sich hin - und dann gaben die jeweils letzten Auftritte den Ausschlag.

Gutes setzt sich durch

Was ich hier als These formulieren möchte, ist nur dies: Irgendwie ist es einerlei, welches Lied wann in die Arena tritt. Wenn es gut ist, bekommt es Punkte, wenn nicht, dann so gut wie keine. Es gibt statistisch gesehen nur ein Gesetz, das gilt, bis es widerlegt wird: Wer im Finale vom Startplatz zwei aus um Punkte buhlt, gewinnt nicht. Gab es noch nie. Ansonsten kann ein Sieg aus jeder Position im Teilnehmerfeld gelingen. Anders gesagt: Sollte Armenien gewinnen, geschähe das nicht wegen der Position als Auftaktnummer des ersten Semifinales.

Wichtiger scheint mir: Welche Art von Liedern konkurrieren miteinander? So ist es beispielsweise gut, dass Norwegen und Belgien nicht zusammen in einem Semi performen. Und: Zwei Dröhnballaden im gleichen Feld gehen nicht. Außerdem bedeuten drei stimmmächtige Sängerinnen mit ähnlichen Liedern, dass keine von ihnen gewinnt (siehe: Lena 2010 in Oslo, die war anders als die Damen etwa aus Armenien, Aserbaidschan und anderen Ländern). Meine Prognose, vorläufig aufgeschrieben, lautet: Aus dem ersten Semi kommen Armenien, Lettland, Schweden, Albanien, Russland, Aserbaidschan, die Ukraine, Belgien, die Niederlande und Ungarn weiter. Aus dem zweiten Semi gehen Malta, Israel, Norwegen, Georgien, Polen, Österreich, Mazedonien, die Schweiz, Griechenland und Rumänien frohgemut am 10. Mai ins Finale.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 10.05.2014 | 21:00 Uhr