Stand: 30.07.2018 15:45 Uhr

ESC: Neue Teilnehmerländer in Sicht?

von Irving Wolther

Die Flaggenparade auf der Bühne in Lissabon.
Möglicherweise gibt es beim ESC bald noch mehr Flaggen zu sehen.

Während noch auf eine Entscheidung der EBU in Sachen Datum und Austragungsort des Eurovision Song Contests 2019 gewartet wird, vertreibt sich die Fangemeinde die Zeit bis zum Beginn der kommenden ESC-Saison mit Spekulationen über mögliche neue Teilnehmerländer. Schon Ende Mai hatte der israelische Kommunikationsminister Ayoub Kara als Reaktion auf einen isländischen Boykottaufruf erklärt, dass Israel Einladungen an Saudi-Arabien und die Golfstaaten aussprechen werde, vergaß dabei allerdings, dass die Entscheidung darüber, wer am Wettbewerb teilnehmen darf, einzig und allein bei der Europäischen Rundfunkunion beziehungsweise der Reference Group liegt. Abgesehen von den ungerechtfertigt in den Raum geworfenen arabischen Nationen sind allerdings schon seit Längerem verschiedene Länder im Gespräch, die schon bald dabei sein könnten.

Noch keine Teilnahme von Liechtenstein

Die kleine Alpenrepublik Liechtenstein galt vielen als heißer Kandidat für ein ESC-Debüt 2019, zumal sie im kommenden Jahr ihr 300-jähriges Bestehen feiert. Schon 1976 hatte es Teilnahmegerüchte gegeben, angeblich stand Sängerin Biggi Bachmann mit dem Titel "My Little Cowboy" bereits als Kandidatin fest. Damals verfügte das Land allerdings noch nicht einmal über einen eigenen Fernsehsender. Seit 2009 weckte der Privatsender 1FLTV immer wieder Hoffnungen auf eine ESC-Teilnahme, doch noch Ende November 2017 zeigten sich liechtensteinische Medien skeptisch, ob die finanziellen Mittel für eine EBU-Vollmitgliedschaft aufgebracht werden könnten. Nach dem plötzlichen Tod von Programmchef Peter Kölbl im Februar sind die Teilnahmepläne nun erst einmal auf Eis gelegt. In Israel werden wir den Zwergstaat auf jeden Fall nicht begrüßen können.

Mikrofon

Die Farben des Kosovo werden 2018 keinen Einzug beim ESC in Lissabon halten. Dem Balkan-Staat fehlen notwendige Mitgliedschaften in EBU und UN. Ein Kommentar von Terk Felix Kraft.

Kosovos Debüt ist unwahrscheinlich

Das seit 2008 von Serbien unabhängige aber völkerrechtlich umstrittene Kosovo hofft schon seit einigen Jahren auf eine Vollmitgliedschaft in der EBU und damit die Möglichkeit zur Teilnahme am Eurovision Song Contest. Nach einem Treffen mit dem Präsidenten der Europäischen Rundfunkunion Jean-Paul Philippot im Juni äußerte sich Mentor Shala, Generaldirektor des kosovarischen Fernsehens RTK, diesbezüglich optimistisch. Allerdings ist Kosovo bislang noch nicht einmal Mitglied der Internationalen Fernmeldeunion ITU - Grundvoraussetzung für eine EBU-Mitgliedschaft. Das offizielle EBU-Statement zu den Gesprächen mit RTK liest sich daher eher ernüchternd: In Aussicht gestellt werden "konstruktive Gespräche" mit dem Ziel einer "engeren Zusammenarbeit". Von einer möglichen ESC-Teilnahme 2019 ist dagegen nicht die Rede - zumal eine ganze Anzahl Teilnehmerstaaten die Unabhängigkeit des Kosovo nicht anerkennt, darunter auch Gastgeber Israel.

Kasachstan muss auf eine Einladung hoffen

Deutlich wahrscheinlicher ist eine ESC-Teilnahme Kasachstans, denn der kasachische Sender Khabar Agency ist mittlerweile assoziiertes Mitglied der EBU und wird auch beim Junior Eurovision Song Contest 2018 in Minsk an den Start gehen. Da das Land allerdings aus geografischen Gründen kein Vollmitglied der EBU sein kann - es liegt außerhalb der europäischen Rundfunkzone und auch kein Mitglied des Europarats ist -, obwohl es eigentlich die Mitgliedschaftskriterien erfüllt, ist Kasachstan nicht automatisch teilnahmeberechtigt. Es kann aber wie Australien auf Einladung der Reference Group in den Kreis der ESC-Teilnehmerländer aufgenommen werden. Ob dies 2019 der Fall sein wird, bleibt abzuwarten.

Politisch oder finanziell keine Teilnahme möglich

Ana and Jala vorn, im Hintergrund sind Deen und Dalal.
Zuletzt war Bosnien-Herzegowina 2016 beim ESC vertreten - mit Dalal & Deen feat. Ana Rucner and Jala.

Ausgestrahlt wird der Eurovision Song Contest in vielen Ländern der Welt, selbst in den USA und China. Doch auch wenn die EBU ein großes Interesse daran hat, den Zuschauerkreis kontinuierlich zu erweitern, wird nicht jedes Land, das den Wettbewerb überträgt, auch irgendwann einmal daran teilnehmen dürfen. Weder der US-amerikanische Sender Logo TV noch der chinesische Sender Mango TV, die den ESC in der Vergangenheit in ihren jeweiligen Ländern gesendet haben, sind mangels EBU-Mitgliedschaft berechtigt. Und nach der Zensur des ersten ESC-Halbfinals in Lissabon ist das Reich der Mitte von einer Teilnahme ohnehin meilenweit entfernt - nicht nur geografisch. Ihre Teilnahme 2019 offiziell abgesagt haben bislang Andorra, Luxemburg und die Slowakei. Bosnien-Herzegowina ist aufgrund säumiger EBU-Beitragszahlungen faktisch vom nächsten ESC ausgeschlossen.

Wales beim ESC 2019?

Interessanterweise darf Wales als eigenes Land am Junior Eurovision Song Contest teilnehmen, weil der Sender Sianel 4 Cymru Vollmitglied der EBU ist und die BBC offenbar kein Interesse hat, das Vereinigte Königreich bei dem Kinderwettbewerb zu repräsentieren. Wäre dies vielleicht auch eine Option für den Fall eines "ESC-Brexits"? Schon seit 1969 richtet Wales nämlich eine eigene Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest aus. Keinem der bislang 49 Sieger wurde allerdings bislang die Chance eingeräumt, international an den Start zu gehen. Womöglich wäre vor diesem Hintergrund irgendwann auch ein eigener bayerischer, hessischer oder saarländischer Beitrag vorstellbar - der Bayerische, Hessische und Saarländische Rundfunk zählen nämlich auch zum illustren Kreis der EBU-Vollmitglieder. Das als kleiner Tipp für den nächsten Aprilscherz.

Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | ESC Update | 25.08.2018 | 19:05 Uhr

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