Stand: 05.09.19 14:18 Uhr

Rotterdam: Die internationalste Stadt der Niederlande

Die "New York Times" zählt Rotterdam zu den zehn Städten, die man gesehen haben muss und dank seines Hafens gilt die Stadt als das "Tor zur Welt". Kleine Gässchen in der Innenstadt, pittoreske Häuser, Windmühlen und am besten noch Tulpen - Rotterdam rebelliert gegen die Klischees der Niederlande. Sie ist die zweitgrößte Stadt des Landes - und die wohl internationalste. Heute leben Menschen aus 174 Ländern in der Stadt des Eurovision Song Contest 2020.

Rotterdam entwickelt sich um den Hafen

Hochhäuser in Rotterdam an der Nieuwe Maas.  Foto: Peter Schickert

Nachdem Rotterdam im Zweiten Weltkrieg größtenteils zerstört wurde, wurden viele moderne Hochhäuser gebaut.

Nachdem im Jahr 1230 ein Damm am Fluss Rotte gebaut wurde, gründete sich Rotterdam und bekam zugleich seinen Namen. Der Fluss fließt in die Nieuwe Maas, die Rotterdam mit der Nordsee verbindet. Durch den Bau dieser Verbindung 1853 wurde aus dem Rotterdamer Hafen der größte Europas. Schon in den Jahrhunderten zuvor wurde Rotterdam durch seine Lage zur reichen Handelsstadt. Die Stadt wuchs immer weiter und profitierte von der Industrialisierung im nahegelegenen Ruhrgebiet. Über Rotterdam gelangten Güter zwischen Großbritannien und Deutschland hin und her. Am 14. Mai 1940 wurde Rotterdam im "Blitzkrieg" durch den deutsche Bombenangriffe weitgehend zerstört. Statt die alte Stadt nachzubauen, entschied man sich für konsequente Moderne: Heute prägen Hochhäuser und neue Architektur das Stadtbild. Mehr als 100 Gebäude sind über 50 Meter hoch. Aus der "Stadt ohne Herz" nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine Stadt, die sich immer wieder neu erfindet - das "Manhatten an der Maas".

News

Trendy und überraschend - die ESC-Stadt Rotterdam

Markthalle und Kubus-Häuser: Sehenswürdigkeiten an jeder Ecke

Die Kubus-Häuser in Rotterdam.  Foto: Peter Schickert

Zum Wohnen, zum Ansehen, zum Staunen: Die Kubus-Häuser in Rotterdam des Architekten Piet Blom.

Auf einem Spaziergang durch Rotterdam fallen Touristen einige architektonische Experimente auf, die sie so wohl noch nie gesehen haben. Dazu gehören mit Sicherheit die Kubus-Häuser. Gebaut wurden sie in den 80er-Jahren vom Architekten Piet Blom. Sie bestehen aus einem dreistöckigen Unterbau und einem bewohnbaren, um 45 Grad gekippten, Würfel an dessen Spitze. In einigen von ihnen sind Wohnungen untergebracht, aber auch ein Hotel, ein Museum und Büros. Wenige Meter entfernt wartet mit der Markthalle der nächste Blickfang. Über den Marktständen wölbt sich hufeisenförmig ein elfstöckiges Gebäude mit Restaurants, Einkaufsläden und sogar Wohnungen, aus denen man hinunter auf den Markt blicken kann. Zu den vielen Hochhäusern der Stadt zählt auch "De Rotterdam" - ein Multifunktionsgebäude, flächenmäßig das größte Gebäude der Niederlande. Auch die vier höchsten Gebäude des Landes stehen in Rotterdam. Vom 185 Meter hohen Aussichtsturm Euromast können sich im Sommer sportlich Begeisterte sogar abseilen. Architektonisch besonders ist auch der neue Hauptbahnhof. Mit seinem spitz zulaufenden Edelstahldach ist er ein Hingucker, genauso wie die weltbekannte Erasmusbrücke. Durch ihren 139 Meter hohen weißen Pylon hat sie den Beinamen "der Schwan" bekommen.

Multikulturelles Leben in Rotterdam

Der Campus der Erasmus-Universität in Rotterdam.  Foto: Rene de Wit

Über 25.000 Studenten zählt die Erasmus-Universität in Rotterdam. Sie kommen aus 118 verschiedenen Ländern.

Nach dem Gelehrten Erasmus von Rotterdam wurde aber nicht nur die Brücke benannt - auch das Erasmus-Programm der Europäischen Union, das Auslandsaufenthalte an Universitäten fördert, geht auf ihn zurück. Auch die Stadt ist ein Symbol für das Zusammenkommen verschiedener Kulturen. Knapp die Hälfte der Bewohner hat einen Migrationshintergrund, häufig von den ehemaligen niederländischen Kolonien. Der Sozialdemokrat Ahmed Aboutaleb, in Marokko geboren, wurde 2009 in Rotterdam zum ersten muslimischen Bürgermeister einer westeuropäischen Großstadt gewählt. Rotterdam ist eine Studentenstadt und boomt gerade bei jungen Leuten. Sie wurde selbst für einige Amsterdamer eine Alternative, denen ihre Stadt zu voll und eng wurde. Die Arbeitslosenquote in der Stadt gehört allerdings zu den höchsten des Landes. Rotterdam bietet eine Menge Restaurants und Clubs. Einer davon ist das Maassilo, welches auch Tonstudios besitzt, in denen Duncan Laurence' ESC-Siegertitel aus Tel Aviv 2019, "Arcade", produziert wurde.

Kunstmuseen für Altes und Modernes

Die Witte de Withstraat in Rotterdam.  Foto: Robert B. Fishman

Die Witte de Withstraat überlebte den Zweiten Weltkrieg und ist heute Kneipen- und Caféstraße.

Neben den Hochhäusern und futuristischen Gebäuden Rotterdams sticht eine Straße ganz besonders hervor: die Witte de Withstraat im südlichen Stadtzentrum. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg nicht zerbombt. Hier sieht Rotterdam noch aus wie früher und die Straße beherbergt zahlreiche Cafés, Galerien und Museen. Noch etwas bekannter sind die Kunsthalle und Het Nieuwe Institut im angrenzenden Museumspark. Die Kunsthalle von Rotterdams Stararchitekten Rem Koolhaas veranstaltet jährlich Wechselausstellungen und stellt vorrangig bildende, darstellende und angewandte Kunst aus. Das Nieuwe Institut ist ein lebendiges Design- und Architekturmuseum. Auf der SS Rotterdam, einem ehemaligen Kreuzfahrtschiff im Hafen, ist auch ein Museum untergebracht. Weil im Zweiten Weltkrieg viel zerstört wurde, ist die Laurenskirche das einzige mittelalterliche Überbleibsel der Stadt. Zum Shoppen kann man in Rotterdam auf die Lijnbaan - eine Einkaufsstraße, die 1953 als erste absichtlich so gebaute Fußgängerzone der Welt eröffnet wurde.

Nahverkehr auf dem Land, dem Wasser und unter der Erde

Der Blaak-Platz in Rotterdam mit der Metro- und Zugstation und der Markthalle.  Foto: Peter Schickert

Die Metro- und Bahnstation Rotterdam Blaak liegt direkt an der Markthalle.

Der Hafen hat aus der niederländischen Siedlung erst das gemacht, was sie heute ist. Rotterdam besitzt mittlerweile den weltweit größten Hafen außerhalb Asiens. Man kann mit dem Schiff anreisen, mit dem Zug über den neuen Hauptbahnhof oder mit dem Flugzeug nach Rotterdam Den Haag oder Amsterdam Schiphol, der mit dem Zug keine halbe Stunde entfernt liegt. Auch innerhalb der Stadt kann man sich ohne Auto sehr gut fortbewegen. Fünf U-Bahn-Linien durchqueren Rotterdam von Ost nach West und von Nord nach Süd. Eine U-Bahn-Linie fährt sogar bis in die Nachbarstadt, den Regierungssitz Den Haag. Vom Hauptbahnhof bis zur Ahoy Arena, dem Austragungsort des Eurovision Song Contests 2020, fährt die U-Bahn umsteigefrei nur elf Minuten. Wer mit der Straßenbahn fährt, kann mit einigen Linien sogar die Aussicht von der Erasmusbrücke genießen, die das Zentrum mit dem Süden verbindet, wo die Ahoy Arena liegt. Am Wochenende fahren Nachtbusse. Tag und Nacht gibt es mehrere Zugverbindungen etwa nach Den Haag, Amsterdam und Utrecht. Eine Stadt, für die Wasser so wichtig ist, hat natürlich auch auf dem Wasser Nahverkehrsverbindungen. Mit Wassertaxis und luxoriöseren Wasserbussen kann man innerhalb des Stadtgebiets und darüberhinaus fahren. Zum Beispiel nach Kinderdijk. Hier stehen die wohl bekanntesten Windmühlen des Landes, die sogar Unesco-Weltkulturerbe sind. Nur etwa zehn Kilometer von Rotterdam entfernt sehen die Niederlande hier wieder so aus, wie man sie sich vorstellt.

Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | ESC Update | 28.09.2019 | 19:05 Uhr