Stand: 14.01.19 11:25 Uhr

Mazedonien heißt jetzt Nord-Mazedonien

Die Flagge Mazedoniens vor dem Archäologischen Museum und Verfassungsgericht in Skopje © dpa Foto: Georgi Licovski

Das Parlament in Skopje hat am 11. Januar 2019 die Namensänderung in Nord-Mazedonien beschlossen.

Seit dem 11. Januar hat Europa einen neuen Staat - oder besser gesagt einen neuen Ländernamen. Die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien - auch bekannt unter der Abkürzung FYROM ( Former Yugoslav Republic of Macedonia) - hat sich nach einer Verfassungsänderung in Republik Nord-Mazedonien umbenannt. Nun hofft die nordmazedonische Regierung, dass Griechenland seine Blockadehaltung gegen eine Aufnahme des Landes in die EU und die NATO aufgibt. Seit dem Zerfall Jugoslawiens streiten sich Mazedonien und Griechenland um das Erbe des antiken Königreichs Makedonien. Über den Kompromissnamen Nord-Mazedonien droht jedoch die griechische Regierung zu stürzen, denn für die nationalistische Koalitionspartei Anel kommt es nicht in Frage, den Namen "Mazedonien" mit den Nachbarn im Norden zu teilen.

Begehrtes Erbe Alexander des Großen

Aus griechischer Sicht ist Mazedonien beziehungsweise Makedonien nämlich ein fester Bestandteil der hellenischen Identität. Zwar sind sich die Historiker uneinig, ob die Makedonier der Antike mit den Griechen verwandt waren oder nicht, gesichert ist jedoch, dass König Philip II. von Makedonien die untereinander verfeindeten griechischen Stadtstaaten einte und das antike Makedonien zur Führungsmacht im östlichen Mittelmeerraum machte. Sein Sohn Alexander der Große schuf dann im 4. Jahrhundert vor Christus ein Weltreich, das von der Ägäis bis nach Ägypten und über die heutige Türkei bis nach Indien reichte und verbreitete so die hellenische Kultur bis weit nach Asien. Kein Wunder, dass die Griechen diesen historischen Superhelden für sich behalten möchten.

Mazedonien als Spielball anderer Länder

Slawische Stämme besiedelten nachgewiesenermaßen erst im 7. Jahrhundert nach Christus das Gebiet des heutigen Mazedonien. Dort fielen kurz darauf die Ur-Bulgaren ein. Ihre Herrschaftsgebiete verschmolzen zu einem Großreich, dem auch Makedonien angehörte. Auch hier streiten sich die Historiker, ob in dieser Zeit eine eigenständige slawisch-mazedonische Kultur bestand oder nicht. Im 14. Jahrhundert geriet Makedonien dann unter osmanische Herrschaft. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Gebiet des antiken Makedonien nach mehreren Balkankriegen unter den drei Mächten Bulgarien, Griechenland und Serbien aufgeteilt: Das heutige Nord-Mazedonien fiel an Serbien und wurde später Teil Jugoslawiens, der südliche Teil wurde als Provinz in das griechische Staatsgebiet integriert.

Angst vor territorialen Ansprüchen bleibt

Kaliopi steht auf der Bühne und singt. © eurovision.tv Foto: Andres Putting (EBU)

Trat 2012 und 2016 für Nord-Mazedonien beim ESC an: die Sängerin Kaliopi.

Nach dem Zerfall Jugoslawiens wurde Mazedonien 1991 als FYROM unabhängig und ringt seither mit der eigenen Identität. Antikisierende Architektur und Kolossalstatuen Alexanders des Großen sollen in der Hauptstadt Skopje an die ruhmreiche makedonische Geschichte erinnern, was bei den griechischen Nachbarn, auf deren Gebiet der südliche Teil des antiken Makedoniens liegt, für Unmut sorgt. Das müssen auch die Künstler beim ESC immer wieder erleben, zum Beispiel Kaliopi, die 2012 in Baku von einem griechischen Journalisten in die Zange genommen wurde, weil sie nicht von FYROM, sondern von Mazedonien gesprochen hatte. Mit der Namensänderung allein wird der Streit also nicht so schnell beigelegt werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | ESC Update | 26.01.2019 | 19:05 Uhr