Die lettische ESC-Kandidatin Samanta Tīna.  Foto: Arturs Martinovs
Stand: 28.05.20 14:33 Uhr

Samanta Tīnas langer Atem zahlt sich aus

Lettlands ESC-Kandidatin Samanta Tīna.  Foto: Arturs Martinovs

Hat auch 2021 den Hut für Lettland auf: Kandidatin Samanta Tīna.

Am 18. März 2020 wurde der ESC in Rotterdam abgesagt - und dies muss einer der wohl schlimmsten Tage im Leben von Samanta Tīna gewesen sein. Seit acht Jahren hat sie es immer wieder versucht, zum ESC zu fahren, arbeitete an sich und an neuen Songs. Mit "Still Breathing" gewinnt sie den lettischen Vorentscheid "Supernova" 2020 und ist für 39 Tage ESC-Kandidatin. "Tatsächlich waren die Gefühle schrecklich. Bis zum letzten Moment bestand die Hoffnung, dass der ESC verschoben wird", sagt sie später dem lettischen Online-Portal "Jauns". "Natürlich habe ich geweint." Doch Samanta Tīnas Geschichte bekommt ihr Happy End. Das lettische Fernsehen nominiert sie direkt für den ESC 2021 und teilt ihr dies in einer Liveshow vor "Europe Shine A Light" mit.

Samanta Tīna tritt in Lettland und Litauen auf

Samanta Tīna

Name: Samanta Poļakova
Geburtstag: 31. März 1989
Geburtsort: Tukums, Lettland (damals Sowjetunion)

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Samanta Tīna wird am 31. März 1989 als Samanta Poļakova in Tukums im heutigen Lettland geboren. Als Kind träumt sie davon, Tierärztin zu werden. Dann aber erkennt sie ihr musikalisches Talent und nimmt ab 2010 an mehreren Musikwettbewerben teil. Einer verschafft ihr ein dreimonatiges Studium an einer Musikschule in London. In Litauen tritt Samanta Tīna bei "The Voice" auf, ohne Litauisch zu sprechen. Später arbeitet sie an ihren Sprachkenntnissen und singt sogar Songs in der ihr eigentlich fremden Sprache. Samanta Tīna hat in den Hauptstädten beider Nachbarländer Wohnsitze und gibt vielerorts Konzerte. Sie ist verheiratet, ihr Mann arbeitet beim lettischen Innenministerium.

Zehn Versuche bis zur ESC-Kandidatin

Lettlands ESC-Kandidatin Samanta Tīna.  Foto: Arturs Martinovs

Wie schon beim Song 2019 sind auch 2020 die Backgroundsängerinnen ein wichtiger Part des Songs.

Samanta Tīnas Traum, zum ESC zu fahren, beginnt im Jahr 2012, als sie im lettischen Vorentscheid hinter Anmary Zweite wird. Mit insgesamt zehn Songs wird sie sowohl in Lettland als auch in Litauen beim Vorentscheid teilnehmen. Das ist zwar nicht einmal im Baltikum Rekord, aber ihre Bekanntheit steigt von Jahr zu Jahr. Sowohl optisch als auch musikalisch hat sie sich immer weiter verändert. Ihre Stimme, die sie als "gottgegebenes Talent" bezeichnet, ist unverwechselbar. 2012 singt sie in Lettland die vom Klavier begleitete Ballade "I Want You Back" - noch mit langen rot gefärbten Haaren. Nur ein paar Monate später will sie für Litauen zum ESC und performt im Glitzerkleid den Discosong "Hey Chiki - Mama". In den kommenden Jahren versucht es Samanta Tīna auch mit schnelleren oder von elektronischer Musik geprägten Titeln, doch keiner ist so konsequent und polarisierend wie der Dubstep-Song "Still Breathing" im jahr 2020, in dem sie sogar erstmals rappt.

Samanta Tīnas Teilnahmen an Vorentscheiden
ESC-JahrLandTitelBemerkung
2012Lettland"I Want You Back"feat. Dāvids Kalandija, wird Zweite
2012Lettland"For Father"
2013Litauen"Hey Chiki - Mama"feat. Vudis
2013Lettland"I Need A Hero"wird Zweite
2014Lettland"Stay"
2016Lettland"We Live For Love"
2016Lettland"The Love Is Forever"zieht sich freiwillig zurück
2017Litauen"Tavo oda"feat. Tadas Rimgaila
2019Lettland"Cutting The Wire"
2020Lettland"Still Breathing"gewinnt den Vorentscheid

Samanta Tīna erklärt ESC-Vorentscheide wissenschaftlich

Aminata Savadogo aus Lettland bei Eurovision in Concert in Amsterdam © NDR Foto: Rolf Klatt

Ex-ESC-Kandidatin Aminata Savadogo schreibt den Text zu "Still Breathing"

Immer wieder greifen Musikwissenschaftler für Arbeiten auf den Eurovision Song Contest als Forschungsgegenstand zurück. Samanta Tīna ist da keine Ausnahme. Ihren Bachelor an einer Hochschule in Riga macht sie 2019 mit einer Arbeit über die lettischen und litauischen ESC-Vorentscheide. Von ihren Dozenten bekommt sie dafür neun Punkte, die zweithöchste lettische Note. Offenbar hat ihr ihre eigene Abhandlung geholfen - 2020 gewinnt sie erstmals mit "Still Breathing" eine Show. Der Text des Songs, und damit auch die jetzt schon legendäre Zeile "Life is music - I am a composer", stammt von Aminata Savadogo. Sie hat als Sängerin 2015 und Komponistin 2016 für die einzigen lettischen ESC-Finalteilnahmen des vergangenen Jahrzehnts gesorgt. Samanta Tīna sagt, "Still Breathing" hätte viel Aufmerksamkeit bekommen: "Ich war absolut davon überzeugt, dass wir beim echten Eurovision Song Contest im Finale stehen und einen hohen Platz erreichen würden. Weil dieses Lied niemanden gleichgültig lässt."

"Still Breathing" ist ein Song über die Stärke von Frauen

Samanta Tīna ist Lettlands ESC-Kandidatin 2020. Beim Vorentscheid trägt sie ein rotes Kleid mit Fransen an den Ärmeln.  Foto: Lauris Viksne

Samanta Tīnas Auftritt bei "Still Breathing" bleibt im Gedächtnis.

Hinter dem Inhalt von "Still Breathing" steht Samanta Tīna voll und ganz. Sie sagt, der Song sei eine Hymne an Frauen, die unrealistisch hohe Standards erfüllen müssten. Bei ihrem Vorentscheidsauftritt sieht man Backgroundsängerinnen mit Gesichtsschutz und Haushaltsreinigern. Im Musikvideo ist Samanta Tīna selbst an einen Teekessel gekettet. Für das Jahr 2021 wird sie einen neuen ESC-Song brauchen. Noch ist nicht bekannt, auf welche Weise er bestimmt werden soll.

Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | ESC Update | 27.06.2020 | 19:05 Uhr