Stand: 12.09.16 11:32 Uhr

Ukraine bestätigt "schwarze Liste" für russische Künstler

Der Kulturminster der Ukraine, Yevhen Nyshchuk, spricht auf einer Pressekonferenz. © dpa Fotograf: Sergey Dolzhenko

"Es gibt keine Kompromisse", betont der Kulturminster der Ukraine, Yevhen Nyshchuk, zum Einreiseverbot für bestimmte russische Künstler.

Nachdem Kiew als ESC-Stadt des kommenden Jahres bekannt gegeben worden war, ging eines unter: Dass Yevhen Nyshchuk, Kulturminister der Ukraine, betonte, dass für den ESC im kommenden Jahr der Bann gegen bestimmte russische Kulturschaffende nicht aufgehoben werden wird. Kein Russe, keine Russin dürfe in die Ukraine reisen, sofern er oder sie die Annexion der zur Ukraine gehörenden Halbinsel Krim durch Russland öffentlich zustimmte oder gar sie bejubelte.

Wörtlich sagte er: "Wenn Russland solch einen Künstler aussucht, wäre dies eine absichtsvolle Provokation. In Russland gibt es viele Künstler, die verstehen, dass Frieden die wichtigste Sache ist, dass man nicht die Sprache der Aggression und die Herabsetzung anderer Nation sprechen darf, vor allem gegen Nachbarn. Wir sollten professionell miteinander ins Benehmen kommen - durch Musik und Gesang. Es gibt keine Kompromisse. Würde beispielsweise Iosif Kobzon nominiert werden, würde ihm nicht erlaubt werden, am ESC in der Ukraine teilzunehmen."

Sticheleien hinter den Kulissen

Neben Kobzon sind auch Michail Bojarski, Julia Tschitscherina, Oleg Gazmanow, Lev Leschenko, Grigori Leps, Stas Pjecha, Sergey Penkin, Nikolai Rastorgujew, Alexander Rozenbaum und Valeria Rerfilowa von diesem Bann betroffen.

Sucht man nach Hintergrundinformationen zu diesen Künstlern, fallen sie alle nicht durch Anteilnahme am zeitgenössischen russischen Popgeschehen auf, aber sie könnten tatsächlich in einer Vorentscheidung gewinnen, sofern sie teilnehmen - oder hinter den Kulissen nominiert werden. Allein schon, um die Ukraine als Land ohne freie Einreise zu brandmarken. Kobzon wäre in der Tat eine schrille Wahl: Er ist ein besonders nationalistischer und Präsident Wladimir Putin ergebener Künstler. Er in Kiew - das wäre für die Ukraine in der Tat eine wütend stimmende Provokation, denn Kobzon befürwortete nicht nur die Annexion der Krim, sondern auch die Teilhabe russischer Milizen am Krieg gegen die Ukraine im Ostteil des Landes.

Deutliche Stellungnahme aus Russland

Beim kremlnahen Informationsdienst Sputnik wird der Sonderbeauftragte des russischen Präsidenten für internationale kulturelle Zusammenarbeit, Michail Schwydkoi zitiert: "Ich denke, dass 'schwarze Listen' in Bezug auf Künstler überhaupt eine große Dummheit sind. Im vorliegenden Fall scheint mir noch ausreichend Zeit zu sein, um die ukrainischen Veranstalter trotzdem zu überzeugen, bei solchen Wettbewerben nicht mit irgendwelchen Listen zu arbeiten, da sonst die Veranstaltung selbst und ihre Qualität zweifelhaft sind, weil mit Hilfe dieser Listen egal wer zu Fall gebracht werden kann. Und natürlich darf es bei dem Eurovision Song Contest ebenso wie bei Olympischen Spielen keine ächtenden Listen geben, das ist abscheulich."

Aber das ist nicht die Wahrheit: Das olympische Team Russlands ist nicht aus Geschmacksgründen teilweise von den Sommerspielen in Rio ausgeladen worden, sondern weil die meisten russischen Sportler und Sportlerinnen unter Staatsdoping-Einfluss standen. Und in Sachen ESC muss man anfügen: Künstler wie Kobzon (oder ein anderer, der politisch fragwürdig ist) müssen ja nicht nach Kiew entsandt werden. Der ukrainische Bann gegen bestimmte Künstler und Künstlerinnen ist richtig, er entspricht dem Recht der Ukraine, einige Bürger anderer Länder für unliebsam zu erklären.

EBU reagiert diplomatisch

Jon Ola Sand, Executive Supervisor des Eurovision Song Contest © picture alliance/APA/picturedesk.com Fotograf: Hans Klaus Techt

Jon Ola Sand, verantwortlicher Direktor des ESC bei der EBU, versucht, die Wogen zu glätten.

Jon Ola Sand, verantwortlicher Direktor des ESC bei der European Broadcasting Union (EBU), sagte gegenüber der russischen Nachrichtenagentur TASS: "Wir sind uns dieses Punktes bewusst, wir waren und sind in einem konstruktiven Dialog mit den Verantwortlichen der Ukraine und sind sicher, dass alle Delegierten nach Kiew kommen und bleiben können."  Das ist fein diplomatisch formuliert und bedeutet: Russland möge sich zurückhalten mit irgendwelchen Provokationen, dann bleibt auch die Ukraine friedlich und ein guter Gastgeber.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 13.05.2017 | 21:00 Uhr