Tim Frühling: Protokoll eines Dramas

Moderator Tim Frühling ist ESC-Experte © NDR Fotograf: Patricia Batlle Moderator Tim Frühling ist ESC-Experte. Mein besonderer Grand-Prix-Moment ist leider gar kein schöner. Es war im Jahr 2007. Ich arbeitete eine Zeit Lang nebenbei auch bei den 1-Live-Nachrichten. Dort mussten wir ein paar Monate im Voraus die Dienstpläne eingeben und ich habe es verschusselt und ohne einen Blick in meinen Kalender gesagt, ich könnte an jenem Samstag im Mai arbeiten. Wohlgemerkt: an dem Samstagabend - und ich schaue den Grand Prix seit meiner Kindheit. Damals, als Kind, übrigens noch alleine auf einem kleinen Schwarz-Weiß-Fernseher. Meine Eltern fanden die Sendung nie gut und schauten im Wohnzimmer immer irgendetwas anderes.

"Das ist für mich wie ein Fußball-WM-Endspiel!"

Als ich jedenfalls irgendwann feststellte: Verdammt, das ist ja der Samstagabend, schrieb ich allen meinen Nachrichten-Kollegen, das waren mindestens dreißig, eine Mail, mit der Formulierung: "Es muss bitte jemand mit mir tauschen - das ist für mich wie ein Fußball-WM-Endspiel", um den anderen die Dimension klarzumachen. Alle haben total nett zurückgeschrieben, und alle hatten total gute Gründe, weswegen sie nicht tauschen konnten.

Also musste ich am Abend des ESC-Finals 2007 tatsächlich schön von 17 bis 24 Uhr arbeiten - also genau in der entscheidenden Zeit - und die Nachrichten machen. Alleine. Mein Chef hatte irgendwie Mitleid und schlug mir vor: "Pass auf, du schreibst bis um 21 Uhr die Meldungen, denn dann geht es ja los, und dann liest du um 21, 22, 23 und 24 Uhr immer die gleichen Meldungen vor. Das erlaube ich dir jetzt einfach." So musste ich immer nur für drei Minuten ins Nachrichtenstudio gehen, um die Meldungen zu lesen - und jeweils um halb noch mal kurz für die Verkehrsnachrichten - und konnte die restliche Zeit meinen Wettbewerb angucken.

Nicht so richtig im Flow

Allerdings: Ich gucke diesen Wettbewerb am liebsten in einer kleinen Runde, wenn ich ihn privat gucke und nicht vor Ort arbeite, denn: Ich konzentriere mich gerne auf die Lieder und mache mir sogar Notizen - das geht nicht beim Public Viewing. Das geht aber auch nicht, wenn du nebenbei Nachrichten machen und zwei Mal pro Stunde ins Studio rennen musst. Da verpasst du Lieder, da bist du nicht richtig im Flow. Das Ergebnis: Als am Ende Marija Serifovic für Serbien gewann, mit dieser Ballade, da hatte ich die überhaupt nicht auf dem Schirm. Klar, ich hatte sie ja auch nur halb gesehen. Furchtbar: Da kommt die Punkteverteilung, und alle sagen nur: "Serbien, Serbien, Serbien" - und du kannst nicht nachvollziehen, weswegen die ganzen Länder Punkte geben, weil du das Lied verpasst hattest.

Da ist dann alles hin. Es macht schließlich auch keinen Sinn, sich das Ganze am nächsten Tag auf Video anzugucken, dann kennst du das Ergebnis schon. Das wäre ja, als würdest du dir ein WM-Finale auf Video angucken. Das war leider ein ganz, ganz furchtbarer Grand-Prix-Abend - immerhin unterstützt durch die Kulanz meines Chefs und Gott sei Dank nicht torpediert von der Nachrichtenlage: Wenn da auch noch etwas passiert wäre, dann wäre ich richtig sauer gewesen.

Mein Grand Prix

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Eine Kamera auf blauem Hintergrund © picture-alliance / scanpix

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Mein Grand Prix

BIldmontage: Ein historischer Fernseher mit einem alten modifizierten Euroviosionslogo. © iStock, Fotolia.com Fotograf: ginosphotos, NinaMalyna

Geschichte

Marija Serifovic freut sich ihren Sieg für Serbien beim Grand Prix. © dpa - Report Fotograf: Lehtikuva Gustafsson