Stand: 06.03.15 01:48 Uhr

Mrs. Greenbird: Fröhlicher Folk-Pop mit Liebe

Mrs. Greenbird  Fotograf: Markus Schulze

Steffen Brückner und Sarah Nücken sind beruflich Mrs. Greenbird und privat ein Paar.

Ein Folk-Pop-Duo, der Gitarrist mit Hut, zweistimmiger Gesang - welcher ESC-Fan denkt bei der deutschen Band Mrs. Greenbird nicht an die Niederländer The Common Linnets, die 2014 in Kopenhagen mit ihrem entspannten "Calm After The Storm" den zweiten Platz holten? Auch Mrs. Greenbird machen akustische Wohlfühl-Musik, die sie "Singersongwritercountryfolkpop" nennen. Und selbst beim Namen gibt es Parallelen: Die einen nennen sich übersetzt "Frau Grünvogel", die anderen "Die Bluthänflinge", eine Sperlingsart. Doch das musikalische Gezwitscher von Mrs. Greenbird kann das Publikum beim deutschen Vorentscheid 2015 nicht so verzaubern, wie The Common Linnets beim ESC 2014 - das deutsche Folk-Pop-Duo scheidet aus und fährt nicht zum Song Contest nach Wien.

Gold fürs erste Album

Seit ihrer Teilnahme bei "X Factor" gehören Mrs. Greenbird zum Kreis der erfolgreichen deutschen Pop-Poeten. Bei der Casting-Show legen die Musiker einen beeindruckenden Durchmarsch bis zum Finalgewinn im November 2012 hin. Dass die sympathischen Singer-Songwriter die dritte Staffel der Sendung gewinnen würden, hatte niemand erwartet. Kurz nach dem Triumph erscheint das erste Album "Mrs. Greenbird", das auf Platz 1 der deutschen Albumcharts einsteigt. Die CD verkauft sich weit über 100.000 Mal, erreicht damit Goldstatus und beschert dem Paar eine Echo-Nominierung als "Newcomer des Jahres". Die Eigenkomposition "Shooting Stars & Fairy Tales", mit der das Duo den Castingwettbewerb für sich entscheiden kann, schafft es bis auf Platz 14 der Single-Charts. 2013 gehen Mrs. Greenbird auf große Deutschlandtournee und spielen 34 Konzerte.

Überraschungsgigs im Waschsalon

Mrs. Greenbird  Fotograf: Markus Schulze

Mrs. Greenbird waren vor ihrem Durchbruch bei "X Factor" vor allem in ihrer Wahlheimat Köln bekannt.

Der plötzliche Erfolg verändert ihr Leben total, denn bisher haben beide nur nebenbei Musik gemacht. Die 1984 in Siegburg geborene Sarah Nücken arbeitet als Sozialpädagogin mit Behinderten. Der acht Jahre ältere Niederrheiner Steffen Brückner entwickelt als Selbständiger Konzepte für Promotionagenturen, macht Soundtracks und Imagefilme. 2006 lernen sich die zwei in ihrer Wahlheimat Köln kennen. Es funkt auf der künstlerischen und auf der privaten Ebene. Sie spielen auf Veranstaltungen und Hochzeiten - erst mit verschiedenen Bands, dann als Sarah & Steffen. Legendär sind ihre spontan-Konzerte in einem Kölner Waschsalon, bei denen Obdachlose und die Dauergäste vom Kiosk gegenüber zum Stammpublikum zählen. Seinen größten Auftritt vor der Teilnahme bei "X Factor" hat das Paar im Oktober 2010 als Support-Act von Bandleader und Oscarpreisträger Tim Robbins. Seither nennt sich das Duo Mrs. Greenbird.

Gut Ding will Weile haben

Nach dem großen Erfolg des ersten Albums lassen sich die Künstler zwei Jahre Zeit, bis sie den Nachfolger in Angriff nehmen. Die Songs stammen wieder aus Sarahs Feder, Steffen mischt beim Arrangement mit. Mit der Produktion können sich die beiden einen Traum erfüllen. Das Recording findet in Nashville statt, einer Stadt, deren Musiktradition ganz im Geiste des Mrs.-Greenbird-Sounds steht. Heraus kommt das Album "Postcards" mit zwölf fröhlich-melancholischen Country-Folk-Songs, geprägt von Sarahs markanter, mädchenhafter Stimme. Die musikalischen Grüße schlagen nicht ganz so stark ein, wie das erste Album: "Postcards" erreicht im November 2014 Platz 47 der Charts.

Beim ESC-Vorentscheid 2015 in Hannover hat das Power-Pärchen die Chance, seine Popularität wieder zu steigern. "Wir freuen uns total über die Einladung zu USfÖ in Hannover und fühlen uns wahnsinnig geehrt. Natürlich wollen wir Deutschland sehr gerne beim ESC vertreten und werden unser Bestes geben, um die Zuschauer davon zu überzeugen, dass unser Song ganz Europa begeistern kann", sagen die beiden im Vorfeld. Dazu kommt es allerdings nicht - Sarah und Steffen legen zwar einen zuckersüßen Auftritt hin. Für das Ticket nach Wien reicht es aber nicht.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 05.03.2015 | 20:15 Uhr