Gracia singt auf der Bühne beim ESC 2005 in Kiew © NDR Fotograf: Klatt
Stand: 16.11.17 12:07 Uhr

Gracia - Rote Laterne für "Run & Hide"

"Jede Niederlage bringt mich auch ein Stück nach vorn", sagte Gracia in einer ersten Stellungnahme nach dem Eurovision Song Contest 2005 in Kiew. Selbst der Blamage, mit mageren vier Punkten - zwei aus Monaco und zwei aus Moldau - mit dem Song "Run & Hide" auf dem allerletzten Platz gelandet zu sein, konnte die damals 22-Jährige noch etwas Positives abgewinnen: "Lieber ein letzter als ein vorletzter Platz, an den erinnert man sich nächstes Jahr wenigstens noch", so Gracia.

Teilnehmer

Gracias Sieg im Vorentscheid

Rückschläge einzustecken, das hat Gracia im Verlauf ihrer Karriere bereits ausgiebig gelernt. Tatsächlich war es sogar eine Niederlage, die sie in Deutschland erst richtig bekannt machte. Als Teilnehmerin der RTL-Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" schied sie 2002 vorzeitig aus - was einen Sturm der Empörung auslöste: Daniel Küblböck, der in derselben Staffel der Show mitwirkte, warf sich auf den Bühnenboden, schrie und strampelte wie ein Junge, dem man sein Lieblingsspielzeug weggenommen hatte. Der Jurorin Shona Fraser tropften Tränen von den Wangen. "Ich finde das so schlimm, ich finde das eine Tragödie", kommentierte sie Gracias Ausscheiden. Nicht nur Fraser, auch viele andere hatten Garcia Baur bereits als Siegerin gesehen und witterten nun Manipulation. Selbst die Wochenzeitung "Die Zeit" sprach später von einer "Willkür des Wahlsystems". Bei einem gerechteren Wahlverfahren wäre Gracia "glatt zum Titel durchmarschiert". Sämtliches Lamentieren half nicht, die Fernsehzuschauer hatten mit ihren Telefonanrufen entschieden: Gracia musste vorzeitig gehen.

Nach Erfolgen kamen immer wieder Rückschläge

Im Februar 2003 folgte die spektakuläre Trennung von ihrem Freund, der sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte. Murphys Gesetz schlug ein weiteres Mal zu, als ihre Plattenfirma trotz 50.000 verkaufter Alben ihren Vertrag nicht verlängerte und Gracia musikalisch auf der Straße stand. Gracia ließ sich ein weiteres Mal nicht unterkriegen und ging weiter ihren Weg, der sie zu einem neuen Plattenvertrag bei Bros Music führte.

Gracia feiert ihren Sieg im Vorentscheid © dpa

Nach ihrem Sieg beim ESC-Vorentscheid hofft Gracia noch, dass er das Ende einer Pechsträhne markiert.

Ihr Sieg beim deutschen Vorentscheid sollte eigentlich das Ende ihrer Pechsträhne markieren. Bauchfrei unter einem schwarzen Ledermantel hatte Gracia sowohl Stimme als auch Figur gezeigt. Am Ende kam ihr Rock-Song "Run & Hide" mit 52,8 Prozent auf den ersten Platz. Doch auch dieser Erfolg wurde wenig später von einem Skandal überschattet. Ihr Produzent David Brandes stand im Verdacht, durch CD-Käufe in großem Stil Gracias Titel "Run & Hide" in den Charts künstlich nach oben katapultiert zu haben. Ein heikler Vorwurf auch im Hinblick auf den Vorentscheid, denn Gracia war auf Grund der guten Chartplatzierung ihres Songs nachträglich per Wild Card in den Wettbewerb eingestiegen. Mitte April wurde "Run & Hide" wegen des Manipulationsverdachts von den deutschen Charts ausgeschlossen.

Trotz der Vorwürfe ging Gracia wie geplant in Kiew an den Start. Auch ihr Produzent Brandes war vor Ort. Brandes zeichnet auch für das Frauen-Quartett Vanilla Ninja verantwortlich, das für die Schweiz beim Eurovision Song Contest antrat. Im Finale war Gracia mit der Startnummer 17 ins Rennen gegangen und hatte einen souveränen aber schnörkellosen Auftritt hingelegt. Doch der rockige Titel kam beim internationalen Publikum nicht an.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 21.05.2005 | 21:00 Uhr

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