Stand: 26.09.14 15:28 Uhr

Stadtporträt

Wien: Probiers mal mit Gemütlichkeit

Wer sich mit der österreichischen Hauptstadt am östlichen Ausläufer der Alpen bekannt machen möchte, steht vor einer großen Herausforderung: der Qual der Wahl. Wien ist gepflastert mit geschichtsträchtigen Gebäuden und Orten. Als Neuling steht man vor einer langen Liste besuchenswerter Attraktionen. Wer aber schon einmal zwischen Hauptallee und Burgring eine Wiener Melange genossen hat, weiß: Das hektische Abklappern touristischer Attraktionen würde so wenig zur entspannten Atmosphäre der Stadt passen, wie ein hanseatisches Fischbrötchen. Wien, das ist gelebte Gemütlichkeit. Ein Glück.

Stadtporträt

Flair der Kaiserzeit trifft auf Moderne

Ihre Gelassenheit hört man den Hauptstädtern an: In breitem 'Wiener Schmäh' lässt man sich alle Zeit, die Vokale bis zur Vollendung langzuziehen. Wie gut es sich hier tatsächlich lebt, lässt sich empirisch belegen. In einem Ranking zur Lebensqualität in Großstädten der Unternehmensberatung "Mercer" belegte Wien 2014 zum sechsten Mal in Folge Platz eins. Zur Wahl standen 223 internationale Städte. Darüber abgestimmt haben dabei nicht die Wiener selbst, sondern von ihrer Firma ins Ausland geschickte Mitarbeiter.

Margareten und Favoriten

Immerhin 1,7 Millionen Menschen nennen die Bundeshauptstadt ihre Heimat und machen sie damit zu einer der zehntgrößten Städte Europas. Die meisten Wiener wohnen in den außenliegenden Gemeindebezirken Favoriten und Donaustadt. Am dichtesten beieinander tummeln sie sich in den innerstädtischen Teilen Margareten und Josefstadt. Überhaupt, die Bezirke: Echte Kenner der Stadt sprechen lässig vom "Fünften" oder "Achten". Die insgesamt 23 Gemeindebezirke kann man in etwa mit deutschen Ortschaften vergleichen, da Wien ein eigenes Stadtrecht hat und ein österreichisches Bundesland ist.

Zum Thema Gemütlichkeit passt dabei, dass ein Großteil der Sehenswürdigkeiten wie Stephansdom, Rathaus oder spanische Hofreitschule im ersten Bezirk Innere Stadt liegen. Statt langer Wege bleibt so mehr Zeit zum Erleben der Wiener Kaffehauskultur. Als Tourist erlebt man damit übrigens sehr entspannt ein Stück Kultur, denn seit dem Antrag des "Klubs der Wiener Kaffehausbesitzer" im Jahr 2011 gehört die Wiener Kaffehaustradition zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Man kann es also so sehen: Beim Verspeisen einer Sachertorte erlebt man seit vier Jahrhunderten gelebte Geschichte quasi am eigenen Leib.

Gelebte Tradition

Die umfasst natürlich mehr, als den kulinarischen Genuss. Nachdem das erste Café der Stadt 1685 durch den Armenier Johannes Theodat eröffnet wurde, entwickelten sich die Kaffeehäuser in wenigen Jahrzehnten zu künstlerischen und politischen Salons: Privatleute kamen zum Zeitunglesen, Schriftsteller zum Schreiben. Musiker gaben Konzerte und Politiker und Intellektuelle diskutierten in den Logen der Cafés. Nur Frauen war der Zutritt bis 1856 verwehrt, obwohl einer der prägendsten Monarchen der Zeit eine Frau war - die in Österreich regierende Erzherzogin Maria Theresia. Prägend war Maria Theresia auch für die Gestaltung des Schlosses Schönbrunn. Es war über viele Jahrhunderte die imperiale Sommerresidenz der Habsburger und damit politischer und kultureller Mittelpunkt des kaiserlich und königlichen Reiches. Seit 1996 ist auch das Schloß Teil des UNESCO Weltkulturerbes.

Das "historische Zentrum" Wiens zählt ebenfalls zum Weltkulturerbe. Bei so vielen Superlativen kein Wunder: Die Wiener Staatsoper liegt im Zentrum und gehört mit über 350 Vorstellungen pro Jahr zu den führenden Opernhäusern weltweit. Genauso das Burgtheater, das 900 Vorstellungen an vier Spielstätten absolviert und dank großem Budget (inklusive Finanzskandal im Frühjahr 2014) als das reichste Repertoiretheater der Welt gilt. Der Stephansdom, Wahrzeichen Wiens, ist das berühmteste Gotteshaus Österreichs, die Kapuzinergruft letzte Ruhestätte für das romantischste Adelspärchen aller Zeiten: Sissi und ihr Franz. Und das Museumsquartier mit mehr als 60 Einrichtungen ist eines der zehn größten Kulturareale der Welt.

Vergnügungspark an der Donau

Die Wiener Stadtkulisse entlang der Donau beim Sonnenuntergang © picture alliance/APA/picturedesk.com Fotograf: Willfried Gredler-Oxenbauer

Auch das ist Wien: Die Stadtkulisse entlang der Donau und ihren Auen beim Sonnenuntergang.

Bei so viel geballter Geschichte kann dem Neu-Wiener direkt schwindelig werden. Wobei das auch ohne Hochkultur hervorragend geht, zum Beispiel bei einer Achterbahnfahrt auf dem "Wurstlprater". Der Vergnügungspark wird außerhalb Wiens oft nur Prater genannt. Eigentlich ist damit aber eine insgesamt sechs Quadratkilometer lange Auenlandschaft entlang der Donau gemeint. Wer nach all den Sehenswürdigkeiten eine Verschnaufpause braucht, ist im Prater also gut aufgehoben.

Vielleicht ist all das genau der Grund, warum es in Wien heißt: Nur die Ruhe bewahren und einen Gang runterschalten. Langweilig wird einem in dieser Stadt schließlich nie.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 23.05.2015 | 21:00 Uhr

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