Stand: 28.01.13 13:00 Uhr

Momente der Überwältigung

von Patricia Batlle
Die niederländische Sängerin Sandra Reemer © NDR Fotograf: Patricia Batlle

Ihr Auftritt war der Höhepunkt des Abends: die dreifache Eurovision-Teilnehmerin Sandra Reemer sang sogar auf Deutsch.

"Ihr seid wunderbare Backgroundsänger, das ist unsere Party!", ruft Sandra Reemer. Die dreifache Eurovisionsteilnehmerin aus den Niederlanden bringt die Stimmung des Abends auf den Punkt, die geladene Musiker wie Gäste des Fanclubtreffens der OGAE am Samstagabend in München erfasst. Die Grand-Prix-Veteranin kann kaum glauben, mit welch offenen Armen die Fans sie aufnehmen. So eine Behandlung ist die Musikerin aus ihrer Heimat kaum gewohnt, wie sie im Gespräch mit eurovision.de erzählt. Gerührt erlebt die in Indonesien geborene und ab dem achten Lebensjahr in Holland aufgewachsene Sängerin, wie das Publikum ihr nach ihrem Eurovisionshit "Colorado" von 1979 Standing Ovations spendiert. Kein Wunder, so wie die in Geranienrot gekleidete Sängerin und ehemalige TV-Moderatorin den Laden mit Swing, Soul und Pop rockt.

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"Eine kleine Eurovision"

Lieder auf Ungarisch, Spanisch, Moldauisch und Englisch

Nicht anders ergeht es der ersten Teilnehmerin für Ungarn, Friderika Bayer, die staunend erlebt, wie viele ihren Beitrag von 1994 auf Ungarisch mitsingen. Später kann man fast eine Stecknadel fallen hören, als die heutige Gospelsängerin mit glockenreinem Sopran die letzten Töne ihrer Ballade "Kinek mondjam el vétkeimet?" dahinhaucht. Belgiens Tom Dice erzählt beseelt davon, wie gut er in seiner Heimat nach seinem gefeierten 6. Rang in Oslo empfangen wurde. Er gibt neben "Me And My Guitar" auf seiner Gitarre Charlotte erfrischende neue Songs auf Englisch zum Besten. Überraschend ruhig hingegen fällt der Auftritt des "Partykönigs von Baku", so nennt ihn Moderator Reinhard Ehret, Pasha Parfenys aus. Er setzt sich für drei Songs ans Klavier, und bringt mehr Balladen auf Spanisch und Moldauisch, als Dancefloorhits.

Gerührter Grand-Prix-König Ralph Siegel

Der Komponist Ralph Siegel mit den Buchautoren Clemens Dreyer (mitte) und Claas Triebel © NDR/Patricia Batlle

Buchautoren treffen auf Komponistenlegende: Clemens Dreyer (mitte) und Claas Triebel lassen sich ihr Buch von Ralph Siegel signieren.

Dicht an dicht sitzen die Fans, die zum Teil aus Deutschland, Slowenien, Norwegen, Belgien, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden angereist sind: "Es wird von Jahr zu Jahr voller und es kommen immer wieder neue Gesichter dazu", freut sich der deutsche OGAE-Clubpräsident Klaus Woryna. Viele sind heute wegen eines Ehrengastes gekommen, der aus Anlass des 25. Jubiläums der deutschen OGAE-Gründung gekommen ist. Jemand, der in Deutschland wie kein Zweiter mit dem Grand Prix in Verbindung gebracht wird: Ralph Siegel. "Ralph Siegel war schon immer mal ein Traum, dass wir ihn kriegen können, dass er sich für die Fans zur Verfügung stellt. Das hat dieses Jahr wunderbar gepasst, nachdem letztes Jahr Christian Bruhn schon so toll angekommen ist. Ralph polarisiert ja auch unter den Fans. Er hat sofort zugesagt", so Woryna. So sind auch die Autoren des ESC-Buches "Ein Bisschen Wahnsinn" Clemens Dreyer und Claas Triebel angereist, um den Altmeister zu treffen.

"Textdichter werden zu wenig gewürdigt"

Der Komponist Ralph Siegel im Januar 2013 auf der Bühne in München © NDR/Patricia Batlle

Plauderte äußerst entspannt über vier Jahrzehnte Grand-Prix-Schaffen: Ralph Siegel.

Minutenlang dauert der Applaus an, nachdem Stationen aus Siegels 40-jährigem Grand-Prix-Repertoire im Videobeitrag vorgestellt wurden. Mit Tränen in den Augen winkt der Komponist ab: "Meine Güte, vielen, vielen Dank, das ist einfach der Hammer". Er bedankt sich beim treuen OGAE-Fanclub, dessen Arbeit er seit Jahrzehnten zu schätzen weiß: "Danke auch für die lange Zeit, die uns verbindet". Für manch einen Gast etwas zu ausgiebig, plaudert er mit Reinhard Ehret über Jugendsünden, die Entstehung seiner Hits und Projekte außerhalb der Grand-Prix-Welt. Besonders lobt er die Arbeit von Künstlern, wie die des im Publikum sitzenden Christian Bruhn: "Ich glaube, dass Textdichter viel zu wenig gewürdigt werden".

Auf die Nachfrage, ob er auch 2013 erneut versuchen wird, einen Song beim ESC unterzubringen, weicht der Musiker im Gespräch mit eurovision.de aus: "Es könnte noch ein glücklicher Moment passieren". Sogleich ergänzt Siegel mit Nachdruck seinen Herzenswunsch: "Ich möchte gerne mal wieder für Deutschland starten".

Schweden: Eine Nation steht hinter dem Song Contest

In den Pausen tauschen sich die Fans untereinander aus. Viele sehen sich das erste Mal seit dem Finale im Vorjahr in Aserbaidschan, lassen dieses Revue passieren und diskutieren über bereits feststehende Länderbeiträge für Malmö 2013. Klaus Woryna sagt voraus, dass das Finale 2013 "sehr interessant wird", weil man als Fan "sehr gespalten sein kann, ob die Startnummernauslosung fair ist. Wettbewerbscharakter ist es nicht - aber dramaturgisch ist es für eine Fernsehsendung hervorragend." Auf jeden Fall freuen sich die OGAE-Fans auf Schweden, viele haben ihre Reise dorthin schon geplant. Denn, so Woryna: "In Schweden ist es einfach so, dass ein Volk, eine Nation hinter dem Eurovision Song Contest steht. Die Einschaltquoten sind gigantisch, da jubelt ein ganzes Land. Euphoria wird gelebt."

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 18.05.2013 | 21:00 Uhr

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