Joci Pápai aus Ungarn bei seinem Auftritt im zweiten ESC-Halbfinale. © dpa Bildfunk Fotograf: Julian Stratenschulte
Stand: 12.05.17 00:22 Uhr

Joci Pápai - Ein stolzer Roma singt für Ungarn

von Oliver Klebb

Joci Pápai gehört der Volksgruppe der Roma an, einer ethnischen Minderheit, die im Victor-Orbán-regierten Ungarn vielerorts bis heute nicht gern gesehen ist und trotz der Mitgliedschaft in der Europäischen Union noch immer diskriminiert wird. Umso glücklicher macht es den Musiker, dass sich seine Landsleute im nationalen ESC-Vorentscheid "A Dal" für ihn und seinen Song "Origo" (Ursprung) entschieden haben.

Joci Pápai auf der ESC-Bühne in Kiew. © NDR / Rolf Klatt Fotograf: Rolf Klatt

Ungarn: Joci Pápai - "Origo"

Eurovision Song Contest -

Unterstützt von einer bezaubernden Tänzerin gibt der Roma Joci Pápai mit seinem Song "Origo" traditioneller Gipsy-Musik ein modernes Gesicht. Im Finale tritt er für Ungarn an.

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"Ich bin mir sicher, einige Menschen sind nicht damit einverstanden, dass ein Roma zum Eurovision Song Contest fährt, aber ich lese keine Kommentare. Ich glaube, die Tatsache, dass die Ungarn einem Roma ihr Vertrauen geschenkt haben, ist ein Durchbruch. Ich bin der erste Roma, der Ungarn stolz beim Eurovision Song Contest vertreten wird. Ich bin sehr dankbar, dass so viele Menschen hinter mir stehen", sagt der 35-Jährige zu seiner Wahl zum ESC-Kandidaten.

Als habe er bereits eine Vorahnung seines Sieges gehabt, bricht Pápai bei seiner Performance im Finale in Tränen aus. Später behauptet er, Gott sei nicht nur beim Schreiben des Songs dabei gewesen, sondern habe ihn auch auf der Bühne begleitet - Theatralik und Pathetik gehören eben zu einer guten Show.

"Origo" - Ein Mix aus Rap und Gipsy-Music

Die ethnisch-kulturellen Wurzeln als Roma lässt Pápai in seine Musik einfließen. Er verbindet in seinem Song "Origo" die Klänge der klassischen Gipsy-Music mit modernen Rap- und Pop-Elementen. In seinem Songtext verarbeitet der Musiker persönliche Traumata und Schmerz, die Suche nach dem eigenen Weg und Isolation. Er habe lange Zeit Mauern um sich errichtet, die er mit dem Song - quasi als Selbsttherapie - einzureißen versuche, erklärt der Musiker die Botschaft seines Songs. Komponiert hat Pápai die Melodie an der Gitarre, der Text stammt ebenfalls aus eigener Feder.

Teilnehmer

Im zweiten Anlauf für die Magyaren

Kindheit im Tross eines Orchester-Chefs

Joci Pápai

Geburtsdatum: 22. September 1981
Geburtsort: Tata, Ungarn
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Pápai  kommt am 22. September 1981 in Tata, einer ungarischen Kleinstadt etwa 70 Kilometer südwestlich von Budapest, zur Welt. Sein Vater ist Chef eines großen Gipsy-Orchesters, etwa 70 Musiker gehören zum täglichen Alltag des Jungen. Ein Umfeld, das prägt: Bereits im zarten Alter von vier Jahren nimmt Pápai das erste Mal eine Gitarre in die Hand, er ist mit dem Musik-Virus infiziert. Obwohl er das Zeug zum erfolgreichen Basketball-Spieler hat, entscheidet er sich für eine Karriere als Musiker.

Durchbruch bei Castingshow "Megasztár"  

Ein steiniger Weg beginnt, in Talentwettbewerben ringt Pápai um künstlerische Beachtung: 2001 macht er bei "Üstökös" mit, doch der Durchbruch gelingt erst 2005 mit der Teilnahme beim TV2-Casting-Format "Megasztár". Im selben Jahr kommt das erste Album "Vigaszdíj" mit "Adj erőt", dem Hit aus der Show, heraus. Es folgen diverse Chart-platzierte Singles, auf denen Pápai unter anderem mit dem Rapper Majka zusammenarbeitet. Im Jahr 2016 nimmt er zum ersten Mal am ungarischen Vorentscheid "A Dal" teil, schafft aber nicht den Sprung ins Finale. Beim zweiten Versuch ist er dann erfolgreich und wird Kandidat für den ESC 2017 in Kiew.

Dieses Thema im Programm:

ONE | 11.05.2017 | 21:00 Uhr

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 13.05.2017 | 21:00 Uhr