So abwegig das klingen mag: Schlagzeuger gehören in einer Band häufig zu den ruhigsten Musikern. Beim Gewinner des deutschen Vorentscheids, Maximilian Mutzke, scheint sich dies zu bestätigen. Er singt nicht nur, er spielt auch Schlagzeug. Und anders als viele Stars und Sternchen, die ihren Weg ins Popgeschäft über Siege in Casting-Shows begonnen haben, beeindruckte Max seine Fans, die Zuschauer und die Journalisten durch seine unerschütterlich gelassene Art. Anstatt im Glamour-Outfit und mit einstudierten Tanzschritten aufzutrumpfen, hockte Max nicht nur beim Vorentscheid in schwarzem Rollkragenpulli und Jeans auf einem Hocker - und ersang sich unspektakulär das Ticket nach Istanbul.
Auch beim dortigen Finale änderte er nichts an seinem Auftritt. "Mach bitte einmal beim Singen die Augen auf", flehte ARD-Kommentator Peter Urban, als Max Mutzke um kurz nach halb zehn auf seinem Barhocker Platz nahm. Max erhörte sein Bitten und öffnete einige Male kurz seine Augen. Fest in der Stimme, auch in den hoch anspruchsvollen Parts, und der türkischen Sprache im zweiten Refrain mächtig, brachte er das Publikum auf seine Seite und genoss sichtlich erleichtert den Jubel. Sein Mentor Stefan Raab ließ es sich nicht nehmen, Max auch auf der Bühne zur Seite zu stehen. Raab spielte in der Begleitband die Gitarre. Am Ende wählte das europäische Publikum Max auf einen guten achten Platz.
Mentor und Produzent Stefan Raab versuchte im Vorfeld erst gar nicht, seinem Zögling ein schrilleres Image zu verpassen - was zählt, ist die Stimme. Egal ob Bill Withers oder Seal - Max drückte bei der Casting-Show "Stefan-Sucht-Den-Super-Grand-Prix-Star" schwierigen Nummern wie "Ain't No Sunshine" oder "Love's Divine" souverän seinen eigenen Stempel auf. Seine Interpretationen verleiteten selbst Schlager-Ikone Joy Fleming zu unkontrollierten Gefühlsausbrüchen á la "affentittengeil". Auch SSDSGPS-Juror Thomas Anders zog vor dem Nachwuchssänger den Hut: "Wo jedem anderen die Stimmbänder weg fliegen, legst du noch einen drauf."
Leider haben auch Segnungen durchaus ihre Kehrseite. Für den Eurovision Song Contest musste Max die Schlagzeug- und Gesangsarbeit bei seiner Funk-Band "Project 5" vorerst auf Eis legen. Und obwohl er an seinem Abitur bastelte, hatte in der heißen Grand Prix Phase wenig Gelegenheit, nach Hause in den südlichen Schwarzwald zu fahren. Aber selbst wenn Max mehr Zeit gehabt hätte, seine gefährlichen Hobbys Motocross und Freeclimbing verboten sich damals allein aus Sicherheitsgründen.
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