Lys Assia, die erste Gewinnerin der Eurovision von 1956, während ihres Auftritts beim Schweizer Vorentscheid am 10.12.2012 in Kreuzlingen © dpa - Bildfunk Fotograf: Ennio Leanza
Stand: 01.03.14 11:46 Uhr

Lys Assia: La grande dame des ESC

In der Geschichte des Grand Prix bedeutete für viele Künstler der erste Platz ein Sprungbrett zu einer internationalen Karriere. Die Schweizerin Lys Assia hatte diesen Sieg nicht nötig, denn sie hatte bereits vorher auf der ganzen Welt Erfolge gefeiert. Dennoch zögerte die Sängerin 1956 nicht, bei der Geburtsstunde des Grand Prix für die Schweiz anzutreten. Am 3. März 1924 als jüngstes von zwölf Geschwistern im Kanton Aargau geboren, nutzte sie im schweizerischen Lugano ihren Heimvorteil und die Konkurrenz aus sechs europäischen Ländern hatte das Nachsehen.

Teilnehmer

Die erste Gewinnerin des Grand Prix: Lys Assia

Welthit: "Oh mein Papa"

"Refrain" hieß ihr Siegertitel, aber bereits vor ihrem Triumph in Lugano konnten Fans von Tokio bis Buenos Aires ihren Operetten-Hit "Oh mein Papa" mitträllern. Kaum jemand, der nicht ihren Schlager "Weiße Hochzeitskutsche" von 1946 im Nachkriegsdeutschland kannte. Die für ihre Eleganz bekannte Sängerin hatte eigene Fernsehshows in Nord- und Südamerika sowie in Großbritannien. Zu den Gästen ihrer Live-Shows gehörten der ägyptische König Faruk, die argentinische Präsidenten-Gattin Eva Perón und Queen Elisabeth II.

Erste Siegerin beim Grand Prix Eurovision

Die Verantwortlichen des Schweizer Fernsehens setzten beim ersten Grand Prix auf Lys Assias Berühmtheit. Sie trat mit den Stücken "Das alte Karussell" und "Refrain" an, letzterer bracht schließlich den erhofften Erfolg. Auch in den darauf folgenden Jahren vertrat Assia beim Chansonwettbewerb ihre Heimat und landete 1957 mit dem französischen Chanson "L'enfant que j'etais" auf Rang acht und 1958 mit "Giorgio" knapp geschlagen auf Platz zwei.

Zweimal verheiratet

Siegerin des ersten Grand Prix Eurovision, Lys Assia.

Mit 36 zog sich die Sängerin aus der Musik zurück - um Jahrzehnte später ein Comeback zu feiern.

Bei ihrem Grand-Prix-Sieg war die Tänzerin und Sängerin mit dem Zürcher Industriellen Henry Kunz verheiratet, der 1957 nach kurzer Ehe starb. Später lernte die Künstlerin den Hotelbesitzer Oscar Pedersen kennen. Nach der Hochzeit mit dem Dänen zog sich die 36-Jährige aus dem Musikerleben zurück. Sie unterstützte ihn bei der Einrichtung seiner weltweit errichteten Hotels, verlor ihren Mann jedoch 1995 bei einem Autounfall, der auch sie für mehrere Monate an den Rollstuhl fesselte. Aber auch eine schwere Herzoperation im Jahr darauf konnte die Energie der Schweizerin, die mittlerweile wieder in der Nähe von Zürich wohnt, nicht stoppen.

So tritt die Entertainerin, nach der auch eine Rosenzüchtung benannt ist, seit einigen Jahren wieder auf der Bühne auf. Bei sämtlichen Eurovisions-Jubiläen und -Wettbewerben ist sie ein gern gesehener Gast, so auch beim Finale in Moskau 2009. Das Singen gebe ihr Kraft, sagt Assia, die im November 2008 eine CD ("Refrain des Lebens") mit neuen Titeln und zwei Videoclips aufgenommen hat.

2012 wollte sie noch einmal den Titel für die Schweiz holen, unterlag den Konkurrenten beim nationalen Vorentscheid aber deutlich. Platz eins belegte die bisher wenig bekannte Gruppe Sinplus der Brüder Ivan und Gabriel Broggini mit ihrem Rocksong "Unbreakable".

Dennoch: Wo auch immer sie auftritt, genießt Lys Assia nach wie vor Standing Ovations. Eleganz ist eben zeitlos.

Am 3. März 2014 feierte die Künstlerin ihren 90. Geburtstag.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 12.03.1958 | 21:00 Uhr