Stand: 19.05.15 15:18 Uhr

Bekenntnis zur politischen Bedeutung

Empfänge diplomatischer Vertretungen in einem ESC-Land gibt es nicht oft. Die deutsche Delegation weiß sich jedoch seit 2002 in Tallinn der Unterstützung durch die deutschen Botschaften sicher. Die Einladung des deutschen Botschafters in Wien mündete in eine durch die Gäste des Empfangs stark umjubelte Versammlung. Das lag an den Reden des Botschafters, aber auch an den Worten des österreichischen Kulturministers.

Internationale Verständigung

In jeder Hinsicht extrabemerkenswert waren die Worte von Thomas Schreiber, seit Ende 2008 Kopf der deutschen ESC-Arbeit für die ARD. Der ARD Unterhaltungschef würdigte in seiner Rede die politische Qualität des ESC. Mehr noch: Er historisierte den Eurovision Song Contest als ein zu würdigendes Festival mit Liedern, das zum Verständnis Europas über die nationalen Grenzen hinaus beiträgt.

Feddersens Kommentar

Die ganze Rede von Thomas Schreiber

Buhrufe unwillkommen

Schreiber sprach von einer Show namens ESC, die zehn Jahre nach Ende des Faschismus gegründet wurde, um miteinander zur Zivilität zu finden. Eine triftige Analyse dessen, was der ESC war, ist und bleiben wird. Er würdigte die Show als Wettbewerb, der den politischen Gehalt aus sich selbst heraus trägt - auch im Hinblick auf Russland. Insofern bat er darum, die russische ESC-Sängerin bei aller Kritik an der russischen Okkupation der Krim nicht auszubuhen. Ohnehin ein Gebot der Höflichkeit. Man möchte hinzufügen: Damit das russische TV-Publikum merkt, wie willkommen ihr Land in einem nichtkriegerischen Europa ist.

Politische Bedeutung vs. Schlagersause

Thomas Schreiber beim Botschaftsempfang in Wien. © NDR Foto: Rolf Klatt

"Der Ursprungsgedanke der EBU ist 2015 so sinnvoll und aktuell wie seit Jahren nicht", so ARD Unterhaltungschef Thomas Schreiber beim Empfang in der deutschen Botschaft.

Der vom ARD Unterhaltungschef entwickelte Zusammenhang zwischen ESC und europäischer Nachkriegspolitik wird selbst von ESC-Freunden und liberalen bis linken - oder gar schwulen - Medien nicht so gesehen. Für viele, selbst professionelle Beobachter, ist der Contest nach wie vor ein Homo-Trash-Ding, eine Schlagersause mit hohem Ironiefaktor oder eine kulturelle Versammlung im Zeichen der Kompositionen ohne politischen Sinn.

Wenige Worte, große Wirkung

Der ESC-Verantwortliche beim NDR hat mit wenigen Worten die Sprechweise zu diesem Festival verändert: Der ESC war schon immer mehr als alle Lieder seiner Geschichte zusammen. Ein europäisierendes Phänomen, wie es sonst keines gibt. Conchita Wurst, das durfte man im vergangenen Jahr erkennen, ist die erste queere Heldin Europas - und das haben wir dem ESC zu verdanken.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 23.05.2015 | 21:00 Uhr