Stand: 04.02.15 13:30 Uhr

Kostenexplosion durch Aufwertung des Franken?

Schweizer Franken und die Schweizer Flagge © picture alliance/APA/picturedesk.com

Die Aufwertung des Schweizer Franken ist auch für den ESC von Belang.

Gewöhnlich spielen für ESC-Fans Dinge aus dem politischen oder globalökonomischen Bereich keine Rolle. Jedenfalls nicht in der Beurteilung von Liedern, Sängern und Performances. Nun wurde die finanzpolitische Dimension aber doch interessant.

Anfang Dezember entschloss sich der Chef der Schweizerischen Notenbank, den Franken, die Währung der Eidgenossen, nicht mehr bei etwa 1,20 Franken pro Euro fix zu halten. Er gab quasi über Nacht den Kurs zwischen beiden Währungen frei. Das war spektakulär, denn das bewirkte eine massive Aufwertung des Franken: Alles, was in dieser Währung ausgewiesen ist, wird für alle anderen teurer. Das führte zu massenhaftem Konsum Schweizer Bürger im österreichischen, italienischen, französischen und deutschen Grenzland. Und - das darf man jetzt schon feststellen - zu einem Einbruch der Touristenzahlen in der Schweiz. Plötzlich ist es erheblich kostspieliger, das ohnehin schon teure Land zu besuchen.

Bloß keine Rückzüge vom ESC

Nun hatte das auch Folgen für die European Broadcasting Union (EBU), also die oberste Schaltzentrale der öffentlich-rechtlichen Sender. Die sitzt nämlich in Genf. Und soweit ich hörte, hat die EBU die meisten ihrer Verträge - etwa über Lizenzen und Übertragungsgebühren - in Franken abgeschlossen. Für die Euro-Länder - immerhin 19 von 39 ESC-Delegationen in Wien - gab es mithin massive Budgetprobleme. Vor allem für jene Länder, die momentan in Sachen Eurokrise nicht gerade sattelfest sind, wie etwa Spanien, Portugal, Griechenland, Slowenien oder auch die baltischen Länder.

Für den ESC hieß das plötzlich: Die Gebühr, die nach einem komplizierten Schlüssel errechnet wird und die nicht öffentlich kommuniziert wird, musste neu diskutiert werden. Es galt - so verstehe ich verschiedene Reaktionen aus fünf Delegationen, die sich auf Wien vorbereiten - zu verhindern, dass sich durch die Frankenaufwertung die ESC-Gebühren um 20 Prozent erhöhen. Freilich: Ein Rückzug wäre nicht mehr möglich gewesen - aber viele der Krisenländer hätten sich für das kommende Jahr die Mühe des ESC buchstäblich sparen müssen.

Euro als neue Leitwährung

Die Reference Group des ESC hat nun, in Absprache mit der EBU, beschlossen, dass die Teilnahmegebühr (Übertragung der Shows) auf Eurobasis - nach dem Stand unmittelbar vor der Frankenaufwertung - abgerechnet wird. Nebenbei: Hätten die Sender den neuen, stark erhöhten Frankenkurs begleichen müssen, wären dem veranstaltenden ORF mehr Geld als budgetiert zugeflossen. Für einen Veranstalter, ist mir aus EBU-Kreisen versichert worden, soll der ESC nur bezahlbar sein; ein Geschäft sei nicht zu erzielen. Das hätte natürlich auch der ORF nicht gewollt, wie mir von dort versichert wurde.

Nicht in Mitleidenschaft ziehen

Für Frank-Dieter Freiling, deutsches Mitglied der Reference Group des ESC, war die Lage klar: "Der Beschluss ist ein Zeichen der Solidarität." Mit den Euro-Ländern, mit jenen, die durch den Frankenkurs, auf dem die EBU-Vertragswerke beruhen, in Mitleidenschaft gezogen worden wären.

Für die EBU, heißt es, sollen mittelfristig die Verträge auf Eurobasis umgestellt werden: Das gilt auch für die Verträge mit Fernsehdiensten im Sport, etwa bei der Übertragung von Welt- und Europameisterschaften. Vorsorglich weist die EBU aber darauf hin, dass die Geste der Solidarität für den ESC nur für 2015 gilt. Das heißt unterm Strich: Schon für den ESC im kommenden Jahr, den 61., wird der Euro als Vertragswährung Gültigkeit haben.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 23.05.2015 | 21:00 Uhr