Stand: 07.01.14 15:55 Uhr

Seine letzte Chance

von Jan Feddersen
Daniel Küblböck als Daniel Kaiser in seinem Musik-Video zu "Be A Man". © Daniel Küblböck / YouTube Foto: Screenshot

Der Sänger hat sich von einer Millionärin adoptieren lassen und nennt sich seitdem Daniel Kaiser-Küblböck.

Die Zeitung, die wie keine sonst seit 1998 mit der Teilnahme von Guildo Horn versucht, den Eurovision Song Contest zum Festival des Schrägen, Schrillen und nicht Zurechnungsfähigen zu machen, ist die “Bild-Zeitung”. Ihr jetziger Held für die beginnende Vorentscheidung am 13. März in Köln heißt Daniel Küblböck, den manche noch aus “Deutschland sucht den Superstar” von dereinst kennen. Küblböck, der keine weitere Popkarriere machte und zwischenzeitlich mit dem erworbenen Geld in Ökostrom investierte, konzentriert sich nun wieder auf die Musik und trötet auf der Website der genannten Zeitung heraus: “Mit diesem Song will ich zum ESC!” Das Lied heißt “Be A Man”, was keine programmatische Ansage in eigener Sache sei. Der Text handelt davon, dass der Sänger als Mann scheu und schüchtern sei und sich mit der Zeile - also: “Sei ein Mann!” - ermutigen will, endlich ein Mädchen anzusprechen.

Davon abgesehen, dass Küblböck, der inzwischen Daniel Kaiser genannt werden will, früher für alles stand, nur nicht für das Fach des Frauenverführers, scheint es mir logisch, dass diese Nummer von den Experten in der TV-Abteilung des NDR in Allianz mit verschiedenen Plattenfirmen und öffentlich-rechtlichen Radiostationen nicht für das feststehende Feld der sieben Kandidaten für Köln ausgewählt wurde.

Warum? Weil das Lied, allen Bekundungen von Küblböck (“12 Punkte für diesen Song”) zum Trotz, wie ein maltesisches Vorentscheidungsliedlein klingt, das es über die erste Vorrunde nicht geschafft hat. “Be A Man” ist so sehr Konfektion, so sehr allerweltshaft und verwechselbar, dass ich selbst über die schmale Stimmkraft des Interpreten hinwegsehen möchte: Nötige Vokalpotenz ließe sich mit technisch hochgerüsteten Mikrofonen noch aufpolieren. Aber Komposition plus Text - wenn dieses Grundpaket einer Performance schon langweilt, wird es mit dem Rest auch nichts mehr. Aus dem Telefonbuch von Santiago de Chile oder Shanghai oder Friedrichstadt an der Eider lässt sich auch durch kein lektorierendes Zutun eine Meistererzählung stricken.

Diese Bemerkungen werden mir jetzt wieder übel genommen, das ist klar. Aber was soll’s? In Köln und erst recht am 10. Mai in Kopenhagen kommt es nicht darauf an, freundlich und mildtätig in der Verteilung von menschlicher Gunst zu sein. Wer siegen will, muss Härte mitbringen, Konsequenz und die Fähigkeit, über sich hinauszuwachsen.

Und mir scheint: Das ist dem Küblböck vor mehr als zehn Jahren, 2002 und 2003 genauer gesagt, gelungen. Da war er Teil von DSDS, jener Staffel, die schließlich Alexander Klaws gewann. Der Bayer, der nun Daniel Kaiser heißt, hat womöglich seinen künstlerischen Zenit damals erreicht - der ESC dient ihm vermutlich dazu, alten Glanz zu reanimieren. Ein zerzauster Teddybär, der “Bitte habt mich wieder lieb” mimt und dem man das abkauft, weil er ja auch ein ganz Lieber ist. “Be A Man” wäre also in diesem Sinne zu verstehen: Sei ein Mann, lieber Daniel, und freu’ dich über die Tage der Aufmerksamkeit, die die “Bild-Zeitung” dir nun schenkt.

Anders gesagt: Hießest du Andreas Kümmert, sähest aus wie er und wäre sein Stimmvolumen auch das deine, hättest du außerdem wie der rotbärtige "The Voice of Germany"-Gewinner echt mal einen Wettbewerb gewonnen … dann … Ja, ein solcher wäre prima für Kopenhagen und den ESC.

P.S.: Es wird noch viele Versuche geben, eher zähgängige Acts ins Rampenlicht für die Wildcard zur Vorentscheidung zu hieven. Anna-Maria Zimmermann, die ebenfalls sich einem “Komplott” ausgesetzt sieht, weil man ihr nicht vor Glück in die Arme fiel, als sie ihr ESC-Interesse bekundete, ist auch eine davon. Wer den Ballermann rockt, muss noch längst kein Festival bestehen können. Die Erfahrung sagt: Nein, das ist eine eher schlechte Voraussetzung.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 13.03.2014 | 20:15 Uhr