Stand: 20.06.13 14:16 Uhr

Siegel nochmals

Valentina Monetta, die zweifache ESC-Kandidatin für San Marino © SMRTV

Valentina Monetta wird mit der Unterstützung von Ralph Siegel 2014 in Dänemark zum dritten Mal beim ESC antreten.

Nein, das konnte nicht wahr sein. Ich musste auf den Kalender gucken: Macht da jemand einen verfrühten Scherz? Ist wirklich kein 1. April? Ist es ernsthaft in der Welt? Ja, die Meldung ging nicht allein durch viele ESC-Foren, esctoday.com meldete es, die offizielle Seite des ESC, eurovision.tv, meldete es auch: San Marino wird 2014 abermals mitmachen, und zwar mit dem gleichen Team, das bereits in diesem Jahr wie auch 2012 an den Start ging. Mit Ralph Siegel nämlich und der Sängerin Valentina Monetta.

Man könnte sagen: Knapp elf Monate vor dem Ereignis hat noch kein Land sein ästhetisches Gepäck für den ESC öffentlich mitgeteilt. Im Juni! Kurz vor der wirklichen Sommerpause, wenn die halbe ESC-Fanschar auf Reisen geht und etwa Grand-Prix-Eurovision-Orte von früher besucht, Bergen vielleicht oder Dublin. Aber das ist ja nicht das, was Fans, Journalisten und ESC-Verantwortliche hinter den Kulissen elektrisiert, wenn sie die Nachricht aus San Marino realisieren.
Nein, es ist der Umstand, dass Ralph Siegel ein echter Sportsmann ist und früh seine Hoffnungen für das nächste Jahr anmeldet. Er wird jetzt, so steht nach all den Erfahrungen der vergangenen vier Jahrzehnte fest, an der Nummer für Valentina Monetta arbeiten, kein Tag wird vergehen, da er sich nicht mit dem Ausflug nach Dänemark im kommenden Jahr beschäftigt.
Ich möchte mir hier jede Lästerlichkeit verbieten. Aber: Sportlich ist der neuerliche Vertrag zwischen dem sanmarinesischen Fernsehen SMTV und Siegel (plus Sängerin) deshalb, weil da einer in München (und Florida, urlaubsmäßigerweise) sitzt und endlich mal wieder ins Finale kommen will. Denn das, was er bisher für Valentina Monetta ausarbeitete, fand keinen Gefallen. Beide Male war es dünn und dünner, was Jurys und Televoters vorgesetzt bekamen. Nur in den Fanforen, bei den Wetten der Fanclubs, war Valentina Monetta erfolgreich. Aber das sind ja Suggestionen – Fans wertschätzen die alten Verdienste des Erfinders von „Ein bisschen Frieden“, des Siegers von 1982.

Das sind Verdienste aus tiefster Historie – die allermeisten Fans, die ich dieses Jahr in Malmö erlebte, waren vor 31 Jahren noch gar nicht geboren. Im kommenden Jahr wird Siegel auf insgesamt 40 Jahre ESC-Geschichte überhaupt zurückblicken; 1974 war er der Komponist hinter Ireen Sheers „Bye, Bye I Love You“ für Luxemburg. Auch damals verlegte er sich als Komponist und Produzent auf ein Land, in dem er nicht durch eine Vorentscheidung gehen musste – Hauptsache war, dabei zu sein.
Geschichtlich gesehen steht Valentina Monetta in einer prominenten Tradition: Drei Mal hintereinander beim ESC sich vorzustellen, das gab es in den fünfziger Jahren (!). Lys Assia trat nach ihrem Sieg beim Grand Prix 1956 in Lugano auch noch 1957 und 1958 für die Schweiz an und belegte die Ränge 8 („L’enfant que j’étais“) und 2 („Giorgio“). Und für die Niederlande, aus derselben Jahresfolge, war es Corry Brokken, die in drei Jahren hintereinander dabei war: 1956 („Vorgoed voorbij“, Platz unbekannt), 1957 Siegerin mit „Net als toen“ sowie 1958 mit „Heel de wereld“ auf dem neunten Rang.
Ob stimmt, was Fans gestern und heute früh schrieben, dass San Marino eurovisionär in Geiselhaft von Ralph Siegel steht, mögen andere beurteilen. Bleibt das Lied. Wir hatten ein schrammeliges Uptempo-Lied und eine italienisch anmutende Ballade mit viel zu schnellem Schluss. Was ästhetisch noch bliebe: Es fällt mir nicht ein.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 10.05.2014 | 20:15 Uhr

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