Stand: 12.12.14 15:51 Uhr

Teures Vergnügen

Das Publikum schwenkt Fahnen. © NDR/Rolf Klatt Foto: Rolf Klatt

Wer beim ESC in Wien dabei sein will, muss schnell sein. Die Tickets sind begehrt.

Gestern früh kam die Mail aus Wien: Der Kartenvorverkauf beginnt am Montag. Immerhin war es nicht die Meldung, die es in den vergangenen Wochen immer wieder gab - dass es nämlich noch ein wenig dauern wird. Nein, Montag geht es los! Und man darf davon ausgehen, dass die Server der Agentur, die für ausländische ESC-Interessierte die Karten parat hält, den ganzen Tag über auf Höchstlast laufen werden. Es ist ungefähr so, als ob Lady Gaga und Dolly Parton und Céline Dion und Aretha Franklin gemeinsam ein Konzert in einem kleinen Klub geben - und trotzdem Hunderttausende hoffen, eines der raren Billetts zu ergattern.

Denn machen wir uns nix vor: Die allermeisten werden daran interessiert sein, Eintrittskarten für das Grand Final am Samstagabend zu erhalten. Zwar loben der TV-Sender ORF und die Wiener Stadthalle als Veranstaltungsort neun Events aus. Das sind die beiden Halbfinals sowie das Finale plus die Juryfinals an drei Tagen vor den jeweiligen Shows und schließlich die nachmittäglichen Generalproben vor den Semifinals und der Final-Show (die werden als familienfreundlich beworben). Aber ich kenne unter ESC-Touristen und -Fans tatsächlich einige, die am liebsten das Juryfinale am Freitagabend genießen, um das eigentliche Finale schließlich nach Rückreise vor dem heimischen Bildschirm zu gucken.

Keine Sonderangebote

Nein, es geht um das Grand Finale, es geht um den Pfingstsamstag ab 21 Uhr: Die teuersten Tickets belaufen sich auf 390 Euro ("Gold") - die günstigsten Sitzplätze werden ehrlicherweise als "sichtbehindert" gepriesen und belaufen sich auch noch auf 42 Euro pro Stück. Ich würde sagen: Da kann man gleich zum Public Viewing gehen, in Wien oder sonst wo. Die Stehplätze im Parkett - soweit man das aus den Planungspapieren ersehen kann, werden für sie Stuhlreihen in der Halle freigeräumt - sind mit 220 Euro auch nicht gerade im Sonderangebot.

Mit anderen Worten: Die Karten sind teurer als bisher beim ESC üblich. Die Veranstalter gehen jedoch nach Marktanalysen und nach Erfahrungsberichten der Kollegen aus Malmö und Kopenhagen davon aus, dass das finanzielle Volumen aus dem Billettverkauf dazu maßgeblich beiträgt, die Kosten des Events generell zu refinanzieren. Es kostet eben sehr viele Millionen - und man will in Wien nicht auf einem Berg Schulden sitzen bleiben wie noch im Mai in Kopenhagen, als die Veranstaltungsagentur schließlich Insolvenz anmelden musste.

Echte Liebe ist nicht billig

Die Fans jedoch, das wissen die ESC-Veranstalter eben ganz genau, sind bereit, so viel Geld für ihre höchste Messe auszugeben. Es ist ein teures Vergnügen, der Religion namens ESC anzuhängen. Aber echte Gläubige scheuen keinen Aufwand. Wer einmal zwei moldawische Fans gesehen hat, die nun wirklich nicht viel Geld haben und so knapp waren, dass sie mit einem fast schrottreifen Auto nach Kopenhagen zuckelten, aber dennoch gute Tickets erwarben, weil es für sie darauf ankommt ernsthaft dabei zu sein, der wird sich nicht wundern. Echte Liebe ist nicht billig zu haben.

Immerhin: Am allergünstigsten sind sichtbehinderte Sitzplätze für das erste oder zweite Semifinale in der Nachmittagsshow - wo also weder Jurys noch Televoter punkten oder anrufen. Für 14 Euro ist ein Billett zu haben. Dafür hat man aber wenigstens einen Eindruck, wie die Atmosphäre in der Wiener Stadthalle sein wird.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 23.05.2015 | 21:00 Uhr

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