Abhängen im Park

Von Deutschland nach Baku mit Antje und Felix. © fotolia Foto: beermedia , by-studio

Bislang haben Antje und Felix auf ihrem "Roadtrip nach Baku" noch keine wahren ESC-Fans getroffen - offenbar hält sich in Österreich, Ungarn und Serbien das Eurovisions-Fieber knapp drei Wochen vor dem Finale noch in Grenzen. Aus der bulgarischen Hauptstadt Sofia hat Antje aber jetzt endlich Vollzug gemeldet:

In Sofia ist das Wunder passiert! Wir haben endlich jemanden getroffen, der sich ehrliche Hoffnungen für sein Heimatland beim Eurovision Song Contest macht. Aber eins nach dem anderen. Nachdem wir die herrliche Landschaft im Süden Serbiens hinter uns gelassen haben und ohne Probleme nach Bulgarien eingereist waren, kamen wir in Sofia an - und dieses Mal gab es auch keinen Grund, über die Parkplatzsituation zu meckern. Denn Mila, auf deren Couch wir in Sofia schlafen durften, sprang nach kurzem Kennenlernen in unser Auto und lotste uns durch die Stadt zu einem perfekten Parkplatz für unseren Audi. Danach ging es in ihre Wohnung. Diese war zwar sehr klein für drei Leute, aber umso gemütlicher und wir fühlten uns sofort wie zu Hause.

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Da an diesem Sonntag in Bulgarien der St. Georgstag gefeiert wurde, ging es dann ziemlich schnell weiter in den nächstgelegenen Park gegenüber vom Nationaltheater, wo viele junge Leute die Bänke besetzten und sich amüsierten. Wie wir von Milas Freunden jedoch erfahren sollten, brauchen die Leute in Sofia nie einen besonderen Grund, um an der frischen Luft zu feiern. Der Park das bevorzugte Ziel der Bevölkerung Sofias, um den Abend ausklingen zu lassen. Wir unterhielten uns viel mit Mila und ihren Freunden, aber da es sich bei Mila um einen ausgemachten Metal-Fan handelte, stießen wir bei ihr zwar auf Begeisterung für Lordi, die 2006 den ESC in Athen gewonnen hatten, für dieses Jahr hatte sie allerdings keine gute Meinung vom bulgarischen Beitrag. Viel viel später fielen wir mit einem "Hard Rock Halleluja" auf den Lippen ins Bett.

Stadt der Gotteshäuser

Morgens standen wir dann etwas verschlafen auf, hatten aber zum Glück einige Tipps von Mila und ihren Freunden erhalten, was wir uns in Sofia angucken sollten. Und so starteten wir zur Alexander Newski Kathedrale, die mit ihren goldenen Dächern der wahrscheinlich prunkvollste Bau der Stadt ist. Bis zum Mittag standen dann noch ein gefühltes Dutzend anderer Gotteshäuser auf dem Programm. Nach einem kurzen Planungs-Essen, bei dem wir zwar lecker aßen, den Namen des Gerichts aber nicht einmal aussprechen konnten, entschieden wir uns, Nina anzurufen.

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Sonnenschein in Sofia

Sightseeing mit einem ESC-Fan

Nina hatte sich über couchsurfing.com bei uns gemeldet und da sie uns nicht beherbergen konnte, wollte sie uns wenigstens ihre Stadt zeigen. Das Angebot nahmen wir dankbar an und nach einem kurzen Telefonat war der Treffpunkt im Zentrum der Stadt abgemacht. Als wir uns dann trafen, war ihre erste Amtshandlung als Fremdenführerin, uns beim nächstgelegenen Kiosk ein Bier zu kaufen und auf einen Park zuzusteuern - so wie es eben echte Sofiaer machen. Wir redeten über das Leben in Bulgarien, die zum Teil ärmlichen Zustände in Sofia und natürlich über den ESC. Und Nina war es nun, die zwar meinte, dass es nicht so stilecht sei, dass die bulgarische Kandidatin Sofi Marinova auf Englisch singt, die allerdings aus Liebe zu ihrem Land und ihrer Kultur trotzdem hoffte, dass sich "Love Unlimited" wenigstens im Halbfinale durchsetzen wird. Und weil Nina sich wirklich toll um uns kümmerte, werden wir am 24. Mai höchstpersönlich alle Daumen für Bulgarien drücken.

Selbstgemachte Banitsas

Am Abend waren wir sogar bei Ninas Familie zum Essen eingeladen. Wir freuten uns auf die selbstgemachten Banitsas von Ninas Mutter - eine Spezialität aus Bulgarien, die aus mit Käse, Eiern und anderen Zutaten gefülltem Blätterteig besteht. Als wir unsere neue Freundin trafen, hatte diese jedoch schlechte Nachrichten für uns: Ihr Vater hatte Besuch bekommen und wir wären einfach zu viele Leute am Tisch gewesen. Aber sie hatte von ihrer Mutter Banitas eingepackt bekommen und so ging es an ihren Lieblingsort: Den Park der Universität. Dort aßen wir die mitgebrachen Banitsas, die unendlich gut schmeckten. Vor unserem Abschied gab es noch eine feierliche Amtshandlung. Denn auch wenn wir bei Nina nicht übernachten konnten, war sie uns trotzdem eine Gastgeberin gewesen und so schenkten wir ihr einen Gartenzwerg, über den sie sich sehr freute.

Als wir wieder in unserer Herberge waren, redeten wir noch kurz mit Mila, aber da wir alle einen langen Tag hatten, ging es dann auch schnell ins Bett - natürlich auch hier nicht ohne eine  Gartenzwergs-Überreichungs-Zeremonie. Allerdings verzichteten wir auf ein Foto, weil Nina schon todmüde war - für ihre Ausbildung bei der Theaterakademie steht sie jeden Tag in aller Herrgottsfrühe auf. Auch als wir am nächsten Morgen unsere sieben Sachen für die nächste Etappe packten, war Mila längst wieder ausgeflogen. Wir hatten eine großartige Zeit in Sofia, aber es wartete bereits mit Edrine das nächste Ziel in der Türkei. Aber vielleicht finden wir vorher noch ein paar Banitsas für den Weg - schließlich kann man Banitsas zu jeder Tageszeit essen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 26.05.2012 | 21:00 Uhr

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