Hurra, wir fahren noch!

Von Deutschland nach Baku mit Antje und Felix. © fotolia Foto: beermedia , by-studio

Antje und Felix sind voller Vorfreude auf ein deutsches Date von Poti nach Tiflis gefahren. Warum ihnen das Lächeln auf ihrer Landpartie Richtung georgische Hauptstadt immer wieder aus dem Gesicht gefallen ist, erzählt uns Antje.

Düsseldorf ist vor einer halben Ewigkeit aus dem Rückspiegel verschwunden und Baku nur noch zwei Etappen entfernt - höchste Zeit, dass wir einmal davon erzählen, was den Großteil unserer Reise ausmacht. Denn auch wenn wir viele Städte besuchen und Menschen kennenlernen, sitzen wir zwangsläufig immer wieder zu zweit im Auto und fressen Kilometer - schließlich sind wir auf einem Roadtrip.

Karte: Alle Stationen von Düsseldorf bis Baku

Die Aufgaben im Audi sind dabei relativ klar verteilt: Ich gucke vornehmlich aus dem Fenster, bestaune die Landschaft, mache hin und wieder auch Fotos davon und suche aus Reiseführern die schönsten Sehenswürdigkeiten unseres jeweiligen Etappenzieles heraus. Felix hingegen fährt, tankt und entwickelt für die Navigation in den Pausen Haltersysteme für Handys mit integrierter Lüftungsanlage. Das liegt aber nicht daran, dass ich unendlich faul bin oder nicht fahren kann, sondern daran, dass wir auf den hundert Kilometern, die ich am Anfang unserer Reise in Deutschland einmal gefahren bin, festgestellt haben, dass Felix sich schnell auf dem Beifahrersitz langweilt und ich nicht übermäßig gern fahre - warum sollten wir uns also quälen?

Nahtod-Erfahrungen auf der Schnellstraße

Insbesondere in Georgien hat sich unsere Rollenverteilung bewährt: Wir haben uns zwar in der Türkei schon langsam an waghalsige Verkehrsteilnehmer gewöhnen können, aber das hiesige Fahrverhalten ist ein Kapitel für sich. Wir fragen uns, ob Georgien ein Land voller Menschen ist, die ihrem Leben ein möglichst spektakuläres Ende bereiten wollen. Ich säße einfach ungern am Steuer, wenn derjenige, der mich gerade überholt, wütend auf der Hupe hängt, während er ebenfalls gerade überholt wird und ebenso wütend angehupt wird - während ein großer Lkw auf der Gegenfahrbahn schnell näher kommt. Ganz zu schweigen von den Kleinbussen, die regelmäßig auf dem Schotterstreifen rechts der Fahrbahn überholen. Felix lässt sich einfach weniger von den kollektiven Suizidversuchen der Georgier beeindrucken, als ich es je könnte.

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Licht und Schatten in Tiflis

Angesichts zahlreicher Beinahe-Crashs wollte keine richtige Vorfreude auf unsere Gastgeber in Tiflis aufkommen - vielleicht kommen wir ja nie an! Die Stimmung änderte sich aber schlagartig, als wir den Audi heil in der georgischen Hauptstadt abstellten und von Lara, Nora, Charlotte und Hannah begrüßt wurden. Wir sind zu Gast bei vier Deutschen und in Tiflis ist gerade Deutsche Woche.

Verdammt, Feddersen verpasst!

So kam es auch, dass wir unsere Gastgeber nicht in ihrer Wohnung, sondern am Goethe-Institut trafen. Da wir leider erst gegen Abend eingetrudelt waren, verpassten wir den Vortrag von Jan Feddersen zum ESC in Baku. Vielleicht hätten wir bei der Anreise selbst öfter überholen sollen. Wir kamen jedoch rechtzeitig zum Konzert von  Reso Kiknadse & Jazz Unlimited, einem begnadeten Saxofonisten, der mit seiner Band ein eindrucksvolles Konzert spielte. Weniger eindrucksvoll war die Leistung von Bayern München im Elfmeterschießen des Champions-League-Finales. Dank des Sieges von Chelsea brauchten wir allerdings keine Entschuldigung, um nach der strapaziösen Anreise früh ins Bett zu gehen.

Chatschapuri und Chinkali zum Abendessen

Am nächsten Tag galt es dann ausgeruht die Stadt zu erkunden. Das goldene Dach der Sameba-Kathedrale war schon von Weitem zu sehen und so peilten wir sie als erstes Ziel an. Unterwegs kamen wir am Palast des Präsidenten vorbei und wunderten uns über die zahlreichen verfallenen und baufälligen Häuser, an denen wir vorbeimarschierten. An anderen Orten wurden dafür ganze Häuserblöcke neu hochgezogen, aber anscheinend wollte sich niemand in der Nachbarschaft der Regierung einmieten.

Um einen Blick von oben auf die Stadt werfen zu können, machten wir uns anschließend bei schwül-warmem Wetter auf den Weg zur Festung Nariqala. Der Ausblick entschädigte für den schweißtreibenden Anstieg. Da es danach bereits Abend war und wir noch unbedingt georgische Speisen testen wollten, gingen wir in der Altstadt auf die Suche nach einem geeigneten Lokal. Wir wurden fündig und in einem gemütlichen Kellergewölbe gab es Chatschapuri (Teig mit Käse und Ei gefüllt) und Chinkali (eine Art Maultasche mit Hackfleisch). Unser Fazit, bevor wir die letzten 560 Kilometer über Giandscha nach Baku in Angriff nehmen: Der Georgier kann wesentlich besser kochen als Auto fahren.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 26.05.2012 | 21:00 Uhr

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