Stand: 02.05.14 11:26 Uhr

"Man bringt mir mehr Respekt entgegen"

Valentina Monetta nimmt zum dritten Mal in Folge am Eurovision Song Contest teil. Im Interview gibt sie Einblicke in die nicht immer ganz einfache Zusammenarbeit mit Ralph Siegel, ihre Anläufe bei San Remo und ihre Vergangenheit als Casting-Teilnehmerin.

Signora Monetta, Sie vertreten zum dritten Mal in Folge San Marino beim ESC und zum dritten Mal mit einem Lied von Ralph Siegel. Wie erleben Sie diese Teilnahme in Kopenhagen? Als Fortsetzung eines Weges, den Sie vor drei Jahren begonnen haben oder als ganz eigenständige Erfahrung?

Valentina Monetta: Ich empfinde es als eine Entwicklung, die ich mit meinem Produzenten Ralph Siegel durchlebt habe und noch immer durchlebe. Unsere Zusammenarbeit ist nicht einfach, weder für mich noch für ihn, doch - ich kann es nicht anders sagen - äußerst inspirierend. Das ist der Hauptgrund, warum ich noch immer mit Ralph Siegel zusammenarbeite.

Der Titel "Crisalide" erzählte im letzten Jahr ihre eigene Geschichte. In Ihrem Beitrag "Maybe" geht es in diesem Jahr um die Zweifel, die einen plagen, wenn man gerade frisch verliebt ist. Eine Fortsetzung der Valentina-Monetta-Story?

Monetta: Ja, absolut. Mauro Balestri, der auch in diesem Jahr den Text geschrieben hat, liest in mir wie in einem Buch. Und es gelingt ihm immer wieder, meine Persönlichkeit in Worte zu kleiden. Er hat im vergangenen Sommer gleich erfasst, was mit mir los ist. Dass ich eine Frau bin, die ständig neue Impulse braucht, die sich nicht einengen lassen will.

Songcheck: San Marino/Valentina Monetta - "Maybe"

Eurovision Song Contest -

Unsere Songchecker Thomas Mohr und Torge Oelrich haben sich Valentina und ihren Song vorgeknöpft. Ihr Urteil: Ob sie ins Finale kommt oder nicht - maybe.

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Gibt es denn einen konkreten persönlichen Anlass für die Verwandlung vom Schmetterling zur Venus von Botticelli, die ihren Bühnenauftritt in Kopenhagen inspiriert hat?

Monetta: (lacht) Ich verliebe mich so oft … Nun, als ich im letzten Sommer mit Mauro überlegt habe, was wir machen könnten, erzählte ich ihm, dass ich ständig mein Herz verliere. Und dennoch habe ich noch immer nicht den richtigen Menschen getroffen. Ich bin ja auch kein kleines Mädchen mehr. Ich bin 39 Jahre alt und habe gewisse Ansprüche, vor allem im Hinblick auf meine Arbeit. Aber ich nehme von meinen Begegnungen immer das Positive mit.

In der Vergangenheit haben nur drei Interpreten drei Mal in Folge am ESC teilgenommen: Lys Assia, Corry Brokken und Udo Jürgens. Alle drei haben den Wettbewerb in diesem "Lauf" einmal gewonnen. Sehen Sie das als Omen oder als Last?

Monetta: Weder als das eine noch als das andere. Es ist großartig, was diesen Künstlern passiert ist und ich kann nur hoffen, dass auch ich in diese glückliche Lage kommen werde. Aber der Eurovision Song Contest in den 1950er- und 1960er-Jahren war ein anderer Wettbewerb als heute, das kann man gar nicht vergleichen. Nun, die Hoffnung stirbt zuletzt und … Maybe (lacht).

Hat die ESC-Teilnahme eigentlich ihren Alltag verändert? Können Sie in San Marino noch ganz normal durch die Straßen gehen?

Monetta: Aber natürlich. Was sich verändert hat ist, dass die Leute mir mehr Respekt entgegenbringen. Es ist leider so, dass man als Künstler erst dann wirklich respektiert wird, wenn man im Fernsehen zu sehen und in den Medien präsent ist. Ich arbeite schon seit vielen Jahren als Sängerin, aber erst der Eurovision Song Contest hat mir diesen Respekt verschafft.

Ist es für Sie als Jazzsängerin nicht fürchterlich anstrengend, bei den Proben zum ESC immer wieder das gleiche Lied zu singen ohne improvisieren zu dürfen?

Monetta: Und wie! Aber auch das habe ich von Ralph Siegel gelernt. Er ist ein Mann der alten Schule und die besagt, dass man an seinem Auftritt nichts, aber auch gar nichts verändern darf. Wenn ich mit meinen Freunden zusammen bin, kommen mir so viele alternative Möglichkeiten in den Sinn, wie ich den Song noch interpretieren könnte, aber für den ESC muss es nun einmal immer gleich sein. Und ein Künstler ist erst dann ein richtiger Künstler, wenn er es versteht, seine Energie zu kanalisieren.

Wie viele Titel hat Herr Siegel Ihnen dieses Jahr zur Auswahl vorgelegt?

Dr. Irving Wolther interviewt Valentina Monetta

Valentina Monetta ist mit der Auswahl des Songs "Maybe" sehr zufrieden.

Monetta: Zehn, vielleicht sogar 20. Wir haben uns dann für dieses Lied entschieden, weil es einen schönen Kompromiss zwischen meinen gesanglichen und seinen musikalischen Fähigkeiten darstellt, vor denen ich großen Respekt habe. Am Ende war ich doch ganz glücklich damit.

Der ESC ist die größte Musikshow der Welt, das San-Remo-Festival ist allerdings viel älter und für italienischsprachige Sänger viel bedeutsamer. Haben Sie niemals daran gedacht, dort teilzunehmen?

Monetta: Ich habe in der Vergangenheit einige Anläufe genommen, aber der gewünschte Erfolg hat sich nicht eingestellt. Ich habe mich dann auf andere Ziele konzentriert, auch weil ich als Jazzsängerin nicht wirklich in dieses Umfeld gepasst hätte. Was mir allerdings Spaß machen würde, wäre das Festival eines Tages zu moderieren. Denn ich bin nicht mehr unbekannt genug, um bei den Newcomern mitzusingen und nicht bekannt genug, um zu den "Big" zu zählen. Ich hoffe, dass der ESC in Italien wieder stärker an Bedeutung gewinnt, damit ich aus meinen drei Teilnahmen größeren Nutzen ziehen kann.

Wenn Sie die aktuelle Musikszene verändern könnten, was würden Sie sich wünschen?

Monetta: Mehr Authentizität, mehr Livemusik. Was mir bei San Remo besonders gefällt, ist das Liveorchester. Es wäre schön, wenn diese Option auch beim Eurovision Song Contest zumindest wieder in Erwägung gezogen würde.

Das Interview führte Dr. Irving Wolther.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 10.05.2014 | 21:00 Uhr