Stand: 17.05.12 15:17 Uhr

Stars in der Nervenheilanstalt

Von Deutschland nach Baku mit Antje und Felix. © fotolia Foto: beermedia , by-studio

Zwei Wochen sind Antje und Felix auf ihrem Roadtrip nach Baku bereits unterwegs. Fast 3.000 Kilometer haben die beiden in ihrem Audi schon zurückgelegt. Höchste Zeit, einmal auf die Bremse zu treten, meint Felix.

Was haben wir auf dieser Reise schon alles gesehen und erlebt: Wien, Budapest, Belgrad, Sofia, Istanbul, Ankara - tausend Bilder schießen uns aus diesen turbulenten Metropolen durch den Kopf. Ein Input, den wir kaum verarbeiten können, weshalb uns die Schwarzmeerküste der Türkei sehr gelegen kommt. Nach einem kurzen Abstecher nach Amasya wollen wir nach Samsun, das laut unseres baldigen Gastgebers Memduh nichts zu bieten hat und wunderschön langweilig ist.

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Am Grünen Fluss

Bei Amasya handelt es sich um eine malerische kleine Stadt im Inland, die mitten aus dem Nichts zwischen lauter Berghängen auftaucht und am Grünen Fluss - auf Türkisch Yeşilırmak - liegt. Wir stellten den Audi ab und spazierten bei bestem Sonnenschein - auf unseren neuen Nazar-Talisman ist Verlass - an der Promenade entlang. Wenn wir bis jetzt gedacht haben, dass die Leute uns intensiv anstarren, so wissen wir seit Amasya: Da geht noch mehr! Immer wieder riefen Leute uns ein freundliches "Hello" zu und die Schüler der Schule, auf deren Gelände wir parkten, drehten sich allesamt nach uns um. In der Hoffnung, dass wir zwischen anderen Touristen nicht mehr so auffallen würden, steuerten wir auf ein Haus zu, das aussah wie ein Museum.

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Auf zum schwarzen Meer

Stars in der Nervenheilanstalt

Der Ticketverkäufer kam freundlich auf uns zu, teilte uns mit, dass er früher einmal Deutsch studierte habe und erklärte, dass wir im Darüssifa Hanı seien, eine ehemalige Nervenheilanstalt, in der unter anderen Bilder aus dem ersten illustrierten chirurgischen Lehrbuch der heutigen Türkei präsentiert werden. Bevor wir uns jedoch die Ausstellung angucken durften, benutzten die anderen Anwesenden, allesamt türkische Touristen, die Deutschkenntnisse des Ticketverkäufers dazu, uns zu versichern, dass wir sehr hübsch seien und uns zu fragen, ob wir bereit wären, für ein Erinnerungsfoto zu posieren. Drei Touristen-Gruppen standen schließlich für Aufnahmen Schlange und somit sind wir Teil der Urlaubserinnerung zahlloser Türken geworden.

Auf dem Weg nach Samsun fühlten wir uns deshalb ein bisschen wie Rockstars. Da hilft nur kaltes Wasser zur  Abschreckung.  Unser Gastgeber  Memduh war noch an der Uni, deshalb fuhren wir geradewegs durch Samsun hindurch ans Schwarze Meer. Für ein Bad war es aber dann doch zu spät und Antje tauchte lediglich ihren großen Zeh ins kalte Nass.

Ein Paradis für Couchsurfer

Wenig später schlugen wir bei Memduh zu Hause auf. Er begrüßte uns sehr herzlich und ließ es sich nicht nehmen, für uns den Grill anzuheizen, um uns mit geröstetem Hähnchenfleisch zu verwöhnen. Er studiert Maschinenbau, allerdings ist er auch begeisterter Musiker, der neben Gitarre vor allem Schlagzeug spielt. Sein Mitbewohner Ozan beherrscht ebenfalls virtuos seine Gitarre, sodass ich nicht vermeiden konnte, meine eingerosteten Klavierkünste für eine Jam-Session auf einem extra organisierten Keyboard zu reaktivieren.

Am nächsten Morgen, wir waren schon fast zur Tür raus, überraschte Memduh uns mit einem kleinen Frühstück, schließlich durften seine Gäste das Haus nicht mit leerem Magen verlassen. Bei Schafskäse, Oliven, Brot und Paprika-Tomaten-Omelett auf dem Balkon besprachen wir unsere Pläne für den Tag. Mangels wirklicher Sehenswürdigkeiten, so Memduh und Ozan, gibt es für Touristen in Samsun nur ein Ziel: den fast zehn Kilometer langen Strand. Dort ließen wir dann den Rest des Tages die Seele baumeln - fernab des Trubels europäischer Großstädte.

Abschied mit vollem Bauch

Nach einem ebenso lauschigen Abend mit guten Gesprächen auf Memduhs Balkon gab es am nächsten Morgen ein Déjà-vu. Kaum waren wir aufgestanden, kündigte unser perfekter Gastgeber an, eben zum Laden um die Ecke gehen zu wollen, um Frühstück zu kaufen. Zum Abschied gab es Omelett mit Wurst und Schafskäse. Gut gemästet und schweren Herzens machten wir uns auf den Weg nach Trabzon - unserer nächsten Station 300 Kilometer die Schwarzmeerküste entlang -  eigentlich wären wir gern bei Memduh eingezogen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 26.05.2012 | 21:00 Uhr

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