Stand: 24.03.18 00:01 Uhr

Todestag von Roger Cicero jährt sich

Es gibt Nachrichten, die scheinen unwirklich - und beim besten Willen nicht greifbar. Die Nachricht vom Tod Roger Ciceros war so eine. Am 24. März 2016 starb der Musiker mit der Ausnahmestimme - der beim ESC in Helsinki mit dem Song "Frauen regier'n die Welt" angetreten war, überraschend an den Folgen eines Hirnschlags. Im Alter von 45 Jahren wurde er aus dem Leben gerissen. Dabei lebte er sehr gesund - kein Alkohol, keine Zigaretten. Anstelle von ausufernden Exzessen stand bei ihm als Ausgleich für seinen vollen Terminkalender und den stressigen Alltag viel Yoga auf dem Programm.

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Roger Cicero - Nicht ohne Hut

Zu viele Termine und Verpflichtungen

Und er hatte so viele Pläne. Eine Tournee stand unmittelbar bevor. Gerade hatte er sich von einem akuten Erschöpfungssyndrom erholt, aufgrund dessen er Ende 2015 kurzfristig sämtliche Termine abgesagt hatte. Damals hatten ihn das Einsingen seines Albums "The Roger Cicero Jazz Experience" und die parallel laufenden Auftritte mit Sinatra-Songs, die in dem Album "Cicero Sings Sinatra - Live in Hamburg" mündeten, ausgelaugt. Von Journalisten Anfang 2016 gefragt, ob er sich womöglich zu früh zu viel zumute, antwortete er lachend, dass es ihm hervorragend gehe.

Schicksal vorhergesehen?

Roger Cicero im Porträt © aor-labelgroup/dpa

Roger Cicero hat sich selten geschont und immer an vielen Projekten gleichzeitig gearbeitet.

Nur wenig später erlitt er einen Hirnschlag, fiel ins Koma und starb noch am selben Tag. In manchem seiner Lieder schwang der Tod bereits mit - etwa in dem 2011 erschienenen "In diesem Moment" oder in "Wenn es morgen schon zu Ende wär'" von seinem letzten Studioalbum, in dem der Refrain endet mit "dann leb ich heute nur 'n kleines bisschen mehr." Auch Roger Ciceros Vater, der berühmte Jazzpianist Eugen Cicero, starb früh. Im Alter von 57 Jahren erlitt er einen Schlaganfall, Roger fand ihn leblos im Schlafzimmer. "Ich glaube, dass er immer damit gerechnet hat, dass ihn das gleiche Schicksal ereilen könnte", erklärt sein Poduzent Roland Spremberg. Was seine Arbeit und seine Musik anging, hat sich Cicero offenbar nie geschont. "Immer ganz viele Pläne, drei Platten auf einmal und das nächste Projekt schon in der Planung", so Spremberg.

Ein rastloses Leben für die Musik

Womöglich kam seine Musik zu früh für den ESC

Seine ESC-Teilnahme 2007 in Helsinki ist Fans noch immer gut in Erinnerung. Mit seiner charmanten Swing-Nummer "Frauen regier'n die Welt" konnte er zunächst das deutsche Publikum beim Vorentscheid im Hamburger Schauspielhaus für sich begeistern. Mit über 50 Prozent der Stimmen löste er sein Ticket nach Finnland und ließ seine Konkurrenz weit hinter sich. Dabei hatte er sich selbst - sehr bescheiden - nur eine Außenseiterchance eingeräumt. Beim Finale in Helsinki erreichte er nur einen abgeschlagenen 19. Platz. Vielleicht war er seiner Zeit ein wenig voraus, vermutet ESC-Experte Jan Feddersen. In seinen Augen hätte er mehr verdient gehabt. Er ist nicht der einzige Journalist, der sich über Ciceros Abschneiden empörte.

Was bleibt, ist eine nicht zu schließende Lücke

Ciceros ESC-Beitrag "Frauen regier'n die Welt" zählt zu jenen seiner besten Stücke, die sich auf dem Best-of-Album "Glück ist leicht - Das Beste von 2006-2016", das ein Jahr nach seinem Tod erschien, befinden. Andere alte Bekannte wie "Ich atme ein" und "Murphys Gesetz" sind darauf und auch die bewegende Ballade "Ich hätt' so gern noch Tschüss gesagt", die Roger Cicero einst für seinen Vater geschrieben hat. Das Album erinnert an einen Künstler, der nicht nur in seinem Fach, sondern auch als Mensch eine Ausnahmeerscheinung war. Dessen mitreißendes, strahlendes Lächeln und dessen herzliche Art ansteckend waren. Und dessen Tod eine nicht zu schließende Lücke in die deutsche Musiklandschaft gerissen hat.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 24.03.2017 | 07:13 Uhr