Stand: 13.05.12 11:45 Uhr

Warten auf den Song Contest

von Helene Heise

Der Eurovision Song Contest beginnt im Flugzeug nach Baku. Fans und Journalisten - was im Falle des ESC allzu oft nur schwer voneinander zu trennen ist - begrüßen sich freudig zwischen Sicherheitsdurchsage und Tomatensaft und fangen sofort an zu fachsimpeln. Die Anwesenden sind Experten - sie berichten sich gegenseitig von ihren Erfahrungen in Düsseldorf, Oslo, Moskau. König ist, wer schon 2000 in Stockholm dabei war. Baku und Aserbaidschan sind noch kein Thema.

Dabei gibt sich das aserbaidschanische Ministerium für Tourismus und Kultur alle Mühe: Auf jedem Flugzeugsitz liegt ein Hochglanz-Magazin mit vielen Fotos von den touristischen Highlights des Landes - und den unausweichlichen Aufnahmen des Präsidentenpaares Ilham und Mehriban Alijew vor touristischer Kulisse.

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Willkommen in Baku

Städtebauliche Superlative

Eines wird also schon im Flugzeug klar: Der ESC 2012 ist ein nationales Projekt in Aserbaidschan und man will seine Gäste nicht nur freundlich empfangen, sondern auch mit allerlei Superlativen beeindrucken.

Die Altstadt von Baku und die Flammentürme  Foto: Julian Rausche

Die Altstadt von Baku mit den Flammentürmen im Hintergrund

Und so bietet sich dem Besucher schon bei der Fahrt vom Flughafen in die Stadt eine ziemlich imposante Kulisse: Die "Flammentürme", ein dreiteiliges Hochhaus mit glitzernder Glasfassade, sind von praktisch jedem Punkt in der Stadt gut zu sehen - und nachts mit einer ausgefeilten LED-Choreographie erleuchtet. In der Innenstadt und an den Hauptstraßen scheint alles nagelneu. Reihenweise entstehen neue Hochhäuser im postsowjetischen  Zuckerbäckerstil, aber auch futuristisch anmutende Gebäude wie das Einkaufszentrum an der Promenade und diverse Hotelneubauten aller großen internationalen Ketten von Hilton bis Kempinski.

Handpolierte Altstadt

Am "Baku Boulevard", eine parkartig angelegte Uferpromenade, werden noch schnell letzte Bäume gepflanzt und alle Blumen gegossen, damit die Stadt sich den Besuchern von ihrer Schokoladenseite zeigen kann. Gleich nebenan rauscht allerdings die achtspurige Prachtstraße Hejdar Alijew, benannt nach dem Vater des derzeitigen Präsidenten, vorbei und stört ein wenig die frisch bepflanzte Idylle.

Die historische Altstadt wirkt wie von Hand poliert: Selbst Zigarettenstummel sind zwischen den Steinen des Kopfsteinpflasters kaum zu finden. Doch ein Blick in die engen Hinterhöfe und Gässchen zeigt, dass die Gebäude hinter der schönen Fassade oft weniger herausgeputzt sind.

Hektische Betriebsamkeit prägt Baku kurz vor dem Beginn der Proben in der Crystal Hall. Auch dort wird noch gebaut: Zufahrtswegen und Parkplätzen fehlt noch die letzte Schicht Asphalt, aber, so versichern die freundlichen Eurovisions-Volunteers rund um die Halle, alles werde rechtzeitig fertig werden.

Glitzerwelt zum Song Contest

Fotos oder Filmaufnahmen von den Baustellen zu machen, erweist sich als äußerst schwierig: Sicherheitspersonal oder auch die Bauarbeiter selbst verscheuchen jeden, der versucht, die Arbeiten an der Halle oder in der Altstadt im Bild festzuhalten. Der schöne Schein für den ESC soll offenbar nicht von Bildern der Last-Minute-Baumaßnahmen getrübt werden. Abgesehen von diesen Schönheitsfehlern ist in Aserbaidschans Hauptstadt alles vorbereitet für einen bunten, hell erleuchteten Eurovision Song Contest.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 26.05.2012 | 21:00 Uhr

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