Stand: 21.01.11 11:55 Uhr

Jenny Jürgens: Kurz vor einem innerlichen Kollaps

Jenny Jürgens erinnert sich an einen besonderen Grand-Prix-Moment: Sie hat 1988 den deutschen Vorentscheid moderiert - eine Erfahrung, die nur wenige machen können. Ein ESC-Lieblingslied verrät sie auch.

Dr. Irving Wolther

ist Freier Autor, u.a. für eurovision.de, und verfasste die erste Doktorarbeit über den Eurovision Song Contest - das Foto zeigt ihn kurz nach der Verleihung des Titels. Wolther rief 2008 den Hannover Song Contest "HÖREN!" ins Leben.

Natürlich bin ich jemand, der den Grand Prix eigentlich jedes Jahr guckt. Aber ich bin keine eingefleischte Grand-Prix-Wahnsinnige. Das spannendste Erlebnis war sicherlich, als ich den deutschen Vorentscheid in der Frankenhalle in Nürnberg moderiert habe. Die Erinnerung daran ist zwiegespalten: Ehrlich gesagt war ich etwas überfordert. Ich war 21 Jahre alt, komplett unerfahren, was Moderation betrifft. Das darf man nicht unterschätzen, was das für eine Riesensendung damals war: Es waren, glaube ich, zehn Millionen Menschen live am Bildschirm und 3.500 Leute in der Halle.

Ich war kurz vor einem innerlichen Kollaps. Das ist für mich nervlich kaum zu bewältigen gewesen. Ich denke, ich habe das dann ganz niedlich gemacht, aber ich hatte stückweise verheerende Kritiken. Zum Teil mit Recht. Ich war weit davon entfernt, eine wirklich professionelle, bahnbrechende Moderatorin zu sein. Trotzdem war es ein ganz tolles Erlebnis und ich stehe der Veranstaltung immer noch nahe, denn das eine hat ja mit dem anderen nichts zu tun gehabt.

Der ESC ist eine tolle Show

Im besten Falle ist der Grand Prix ja etwas, wo man sich mit Freunden hinsetzt, ein Glas Wein in der Hand hat und sich berieseln lässt, mitentscheidet und mitfiebert. Das ist ja eine große tolle Show. Obwohl man auch sagen muss, dass einem einige Dinge nicht so gefallen. Aber der ESC ist schon sehr gehypet. Viele musikalische Präsentationen gefallen mir auch nicht. Von all den Leuten die auftreten, finde ich im Schnitt immer fünf, die wirklich richtig gut sind.

Tom Dice aus Belgien: entzückend!

Letztes Jahr fand ich zum Beispiel den Belgier Tom Dice mit seinem Lied "Me and My Guitar" entzückend. Der Sänger hat etwas gemacht, was mich direkt erreicht hat und ich toll fand. Der hat sich mit der Gitarre hingestellt und aus dem Herzen heraus, ganz souverän, ein wunderschönes Lied gesungen. Das finde ich immer stark. Übrigens muss ich sagen, dass ich es sehr schön finde, sich den Grand Prix am Fernseher anzusehen. Wenn man es ganz konzentriert mitbekommt, wirklich etwas sieht. Das ist in einer großen Halle anders, es kommt immer darauf an, wo man sitzt.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 30.04.1988 | 21:00 Uhr